Das wichtigste Kennzeichen von generalisierten Angststörungen ist eine anhaltende Angst, die nicht auf bestimmte Situationen in der Umgebung beschränkt oder darin besonders betont ist, d. h. sie tritt unabhängig von jeweils aktuellen auslösenden Situationen auf. Wie bei anderen Angststörungen sind die hauptsächlichen Krankheitszeichen sehr unterschiedlich, aber Beschwerden wie ständige Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Oberbauchbeschwerden gehören zu diesem Bild. Häufig werden Befürchtungen geäußert, der Betroffene selbst oder ein Angehöriger könnte demnächst erkranken oder verunglücken, sowie eine große Anzahl anderer Sorgen und Vorahnungen. Diese Angststörungen finden sich häufiger bei Frauen, oft im Zusammenhang mit langdauernder Belastung durch äußere Umstände. Der Verlauf der Angststörungen ist unterschiedlich, tendiert aber zu Schwankungen und zur Chronifizierung.

Nach den Kriterien der ICD 10 (Internationale Krankheitsklassifikation der WHO) werden Ängste als Angststörungen von Krankheitswert diagnostiziert , wenn eine bestimmte Häufigkeit und Dauer der Angstsymptome besteht. In der Regel müssen bei Angststörungen die Ängste mindestens über einen Zeitraum von einem halben Jahr auftreten. Hierzu gehören auch Befürchtungen über zukünftiges Unglück, verbunden mit Nervosität und Konzentrationsstörungen. Das Angsterleben bei Angststörungen ist häufig mit körperlichen Spannungszuständen, körperlicher Unruhe, Spannungskopfschmerzen, Zittern und der Unfähigkeit sich zu entspannen verbunden. Vegetative Begleitreaktionen wie Schwitzen, Herzrasen und beschleunigte Atmung sowie Schwindelgefühle, Mundtrockenheit und diffuse Oberbauchbeschwerden sind häufige Begleiterscheinungen.

Neben diesen sog. generalisierten Angststörungen, mit anhaltenden Angstgefühlen gibt es unter den Angststörungen noch eine weitere typische Form der Angststörungen, die nur kurzfristig, attackenartig auftritt. Diese Form der Angststörungen wird dann Panikstörung genannt. Das wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende schwere Angstattacken, die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken und deshalb auch nicht vorhersehbar sind. Wie auch bei anderen Angststörungen variieren die Krankheitszeichen von Person zu Person, typisch ist aber der plötzliche Beginn mit Herzklopfen, Brustschmerz, Erstickungsgefühlen, Schwindel und Entfremdungsgefühlen. Fast immer entsteht dann in der Folge auch Furcht zu sterben oder die Furcht vor einem Kontrollverlust. Die einzelnen Panikanfälle bei diesen Angststörungen dauern meist nur Minuten, manchmal auch länger.

Häufigkeit und Verlauf

Die Häufigkeit und der Verlauf dieser Angststörungen sind ziemlich unterschiedlich. Patienten erleben in einer Panikattacke häufig ein schnelles Ansteigen der Angst und der vegetativen Begleitsymptome, was zu einem meist fluchtartigen Verlassen des Ortes führt. Kommt die Panikattacke in einer besonderen Situation vor, z. B. in einem Bus oder in einer Menschenmenge, so wird der Betroffene möglicherweise in Zukunft diese Situation meiden. Auf diese Weise können häufige und unvorhersehbare Panikattacken weitere Ängste bzw. Angststörungen nach sich ziehen. Einer Panikattacke folgt meist eine ständige Furcht vor einer erneuten Attacke.

Um derartige Angststörungen ärztlicherseits als Panikstörung zu klassifizieren, müssen mehrere schwere Angstanfälle innerhalb eines Monats auftreten, in Situationen, in denen keine objektive Gefahr bestand. Die Panikanfälle bei diesen Angststörungen dürfen nicht auf bekannte oder vorhersagbare Situationen begrenzt sein. Zwischen den einzelnen Panikattacken müssen weitgehend angstfreie Zeiträume liegen. Eine Erwartungsangst tritt jedoch auch häufig in den Zwischenzeiten auf.

Die Angststörungen sind ein häufiges Krankheitsbild; generell gehören Ängste neben Depressionen zu den am meisten geklagten Beschwerden psychisch Kranker. In epidemiologischen Studien fanden sich zwischen 4 und 5% Angststörungen in der Normalbevölkerung. Der Krankheitsverlauf zeigt nach Feststellung vieler Autoren ohne eine psychotherapeutische Behandlung eine Tendenz zur Chronifizierung. Im Alter tritt oft, wie bei vielen psychischen Symptomen, eine spontane Milderung auf. Depressive Verstimmungen stellen die häufigste Komplikation bei Angststörungen dar. Es gibt aber auch ein gleichzeitiges Auftreten von Angst und Depressionen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung beginnt mit einer ärztlichen Abklärung der Krankheitsursachen und der Diagnostik, ob es sich um Angststörungen im medizinischen Sinne handelt. Hier sollten insbesondere auch depressive Krankheitsbilder ausgeschlossen werden, da bei Depressionen häufig auch Ängste auftreten. In diesem Falle wäre dann die Depression zu behandeln. Auch andere Krankheitsbilder mit intensivem Angsterleben sollten fachärztlich abgeklärt werden, wie z. B. das Vorliegen einer Psychose, die dann einer fachärztlichen Behandlung bedarf.

Danach ist meistens eine ambulante psychotherapeutische Behandlung sinnvoll, bei schwereren Angststörungen und einem längeren Verlauf, erscheint aber eine stationäre Behandlung in einer psychotherapeutischen Fachabteilung sinnvoll. Neben psychodynamischer Bearbeitung, d. h. Aufarbeitung dahinter liegender seelischer Konfliktkonstellationen im Zusammenhang mit wichtigen biographischen Erlebnissen, erscheint bei einigen Angststörungen auch eine verhaltenstherapeutisch-kognitiv orientierte Vorgehensweise erfolgversprechend. Jedoch bei den meisten Angststörungen stellt eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie das Mittel der Wahl dar.

Bei den Angststörungen mit wiederkehrenden Panikattacken zeigt die klinische Erfahrung, dass die Kombination einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie mit einer unterstützenden angstlösenden medikamentösen Behandlung die besten Erfolge erzielt. Die Wahl der Medikation muss im Einzelfall fachärztlich geklärt werden. Der alleinige Einsatz von Anxiolytika (angstlösende Medikamente) bietet keine ausreichenden Langzeiterfolge.

O. Rüster - Oberarzt Psychiatrie und Psychotherapie