HARDTWALDKLINIK I

Das Psychotherapeutische Konzept

Unsere Therapiemethoden und Behandlungsangebote

Das Konzept gründet auf ressourcenfördernden und psychodynamisch psychotherapeutischen Elementen. Indikationsspezifisch beziehen wir dabei psychodynamische, traumatherapeutische, verhaltenstherapeutische und psychiatrisch medikamentöse Behandlungsmethoden mit ein.

Wir orientieren uns am State of the Art der Therapie psychischer Erkrankungen. Dabei legen wir einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die Erkenntnisse der modernen psychoanalytisch orientierten Forschung sowie auf die psychoanalytisch orientierten Konzepte der Entwicklungsförderung des Selbst.

Für die Psychotherapie des einzelnen Patienten wirken Gesprächstherapie, Musik-, Gestaltungs- oder Bewegungstherapie im gruppen- und einzeltherapeutischem Setting zusammen. Sie bilden in Verbindung mit Sporttherapie, Physiotherapie, Ernährungsschule und den ergotherapeutischen Trainingsmöglichkeiten ein einheitliches Ganzes.

Bezugstherapeuten

Jeder Patient hat einen konstanten ärztlichen oder psychologischen Ansprechpartner. Dieser erarbeitet als Bezugspsychotherapeut mit ihm den Behandlungsplan und koordiniert die Realisierung. Ist der Bezugspsychotherapeut von Beruf Psychologe, so ist dem Patienten zusätzlich ein Arzt fest zugeordnet.

Der Bezugspsychotherapeut arbeitet in direkter Co-Therapie mit einem Kreativtherapeuten, Musik-, Gestaltungs- oder Bewegungspsychotherapeuten zusammen. Das therapeutische Paar gestaltet die Gruppentherapien gemeinsam.

Gesundheits- und Krankenpfleger sind erste Ansprechpartner für alle Alltagsfragen. Die Bezugsschwester oder der Bezugspfleger leitet eigene sozio- und milieutherapeutische Aktivitäten an.

Durch Partner- oder Familiengespräche beziehen wir auch Angehörige ein.

Therapiemethoden

In unserer Abteilung integrieren wir vielfältige psychotherapeutische Methoden auf Basis langjähriger Erfahrungen und entwickeln sie weiter, damit sie individuellen Problemen gerecht werden.

In der Praxis haben sich Verbindungen zwischen tiefenpsychologischen und verhaltensorientierten therapeutischen sowie psychoedukativen Vorgehensweisen entwickelt. Wir integrieren Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie in das psychotherapeutische Setting. Indikationsspezifisch sind Achtsamkeitsübungen und Meditationen, sowie imaginative Stabilisierungstechniken und Traumaexpositionsmethoden integriert.

Tragende Bestandteile des Behandlungskonzepts sind neben psychotherapeutischen und rehabilitativen Behandlungsansätzen klinisch psychiatrische und psychopharmakologische Therapiemethoden.

In unserer therapeutischen Tradition sind Verfahren der humanistischen Psychologie – insbesondere die Gestalttherapie – verwurzelt.

Wir ordnen Patienten nach den Befunden der zuweisenden Ärzte und Psychotherapeuten Gruppen mit indikationsspezifischer Methodik zu:

  • Therapiegruppen für Neurosen und psychosomatische Erkrankungen
  • Therapiegruppen für psychische Belastungsreaktionen, neurotische und psychosomatische Störungen
  • Therapiegruppen für Patienten mit entaktualisierten Psychosen
  • dem gruppenübergreifenden Traumatherapiemodul

Ein besonderes Behandlungsangebot bieten wir Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen und komplexen Posttraumatischen Belastungsstörungen im Rahmen einer Langzeittherapiegruppe. Nach einem ambulanten Vorgespräch planen wir eine Behandlungszeit von 15 Wochen. Die Therapie erfolgt in einer fest zusammengestellten, geschlossenen Therapiegruppe mit konstanten Therapeuten.

Psychosenpsychotherapie

Wir bieten deutschlandweit ein besonderes psychotherapeutisch rehabilitatives Angebot mit dem Schwerpunkt, Patienten mit Psychoseerfahrung eine verbesserte Krankheitsbewältigung und Alltagsintegration zu ermöglichen.

Die psychotherapeutisch verwendeten Methoden orientieren sich an den neu entwickelten Weiterbildungscurricula der Psychosenpsychotherapie.

Traumatherapie

Wir orientieren uns an der Psychodynamisch Integrativen Therapie, der Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie und an Elementen der DBT. Damit fördern wir die individuellen Fähigkeiten der Patienten mit Nachhallerinnerungen besser umzugehen und auch Notfallsituationen zu bewältigen.

Vertiefend bearbeiten wir Traumatisierungen in Einzelpsychotherapie mit:

  • Screentechnik
  • TRIMB® (Trauma Recapitulation with Imagination Motion and Breath)
  • seltener auch mit EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprozessing)

Psychoedukation

In jüngerer Zeit sind wir auch mit der Integration differenzierter psychoedukativer Vorgehensweisen erfolgreich. Dabei stoßen wir Erkenntnisprozesse des Einzelnen für bestimmte Fragestellungen- und Problemkreise an.

Vor allem bei Depression, Angst und mit dem Fokus auf verbesserte Stressbewältigung und Gesundheitsfürsorge bieten wir psydoeduktative, problem- und lösungsorientierte Seminare an.

Nachhaltig wirksame Psychoedukation braucht lebendige positive Erfahrungen. So kann sie motivieren, die persönliche Grundhaltung zu verändern.

Seminare bieten gemeinsamen Erfahrungsaustausch und die Möglichkeit, gewohnte negative Grundeinstellungen zu sich selbst in Frage zu stellen. Das schafft Raum für die Entwicklung positiver Gedanken. Beispiel Vollwertkochkurs: Hier erleben Patienten beim gemeinsamen Kochen in einer kleinen Gruppe zusätzlich Freude und Genuss.

Psychotherapeutische Behandlungsangebote

Traumamodul

  • Stabilisierungsgruppe
  • Erarbeitung von Ressourcen und Skills sowie indikationsspezifisch Traumaexpositionstechniken in der Einzelpsychotherapie

Entspannung und Meditation

  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
  • Psychotherapeutische Atemtherapie
  • Bewegungsmeditation
  • Klangmeditation
  • Singen
  • Entspannendes Malen
  • Atembiofeedback
  • Schule des Genießens

Bewegung und Psychotherapie

  • Therapeutisches Bogenschießen
  • Stockkampf
  • Einführung in das therapeutische Boxen
  • Therapeutisches Reiten
  • Jonglieren
  • Körpertherapie
  • Ausdrucksmalen

Rehabilitatives Konzept

Zur Bewältigung tiefergehender Störungen fördern wir persönliche Fähigkeiten und gesunde Persönlichkeitsanteile. Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) findet Eingang in alle diagnostischen und therapeutisch rehabilitativen Überlegungen.

Wir erarbeiten und vermitteln gezielt Strategien der Prävention und der Gesundheitsaufklärung.

Die Standards

Unsere Teams orientieren sich an den Leitlinien und Therapiestandards der Renten- und Krankenversicherungen sowie der ärztlichen Fachverbände.

Sie greifen die Veränderungswünsche, die psychotherapeutischen, körperlichen und sozial-beruflichen Rehabilitationsziele der Patienten auf und vermitteln Umsetzungsmöglichkeiten.

In Rehabilitationskonferenzen und in Einzelgesprächen gehen wir auf jeden Patienten individuell ein. Einschätzungen und sozialmedizinische Beurteilungen reflektieren wir mit dem Patienten gemeinsam und vermitteln sie stets klar und transparent. Weiterführende Anträge erfolgen nach Möglichkeit unmittelbar.

Das rehabilitative Setting der Abteilung integriert von Beginn an Methoden der medizinisch beruflich orientierten Rehabilitation in die Behandlung. Schwerpunkt sind hier die Projekte der Ergotherapie:

  • Handwerkliche Ergotherapie
  • Übungsbüro
  • Dauerbelastungserprobung (sechsstündig, bei Indikationsstellung einmal während des Aufenthaltes)
  • Projekte der Langzeitgruppe im Kunsthandwerkerhof
  • EDV Kurse
  • Selbstsicherheitstraining
  • Computergestütztes kognitives Training (COGPACK®)

Zusätzlich werden integriert:

  • themenzentriertes psychotherapeutisches Seminar zu beruflichen Konflikten
  • Stresseminare
  • Sozialarbeiterseminare

Diese dokumentieren wir im Entlassungsbericht gemeinsam mit der Sozialmedizinischen Beurteilung.

Nach der Entlassung

Wir helfen auch für die Zeit nach der stationären Behandlung. Zum Beispiel mit Kontaktaufnahme zu nachbehandelnden Therapeuten und Institutionen sowie der Vermittlung der Kontaktdaten von Selbsthilfegruppen. Damit setzt sich die Entwicklung des Patienten kontinuierlich fort.

Außerdem erarbeiten wir in der Rehabilitation Vorschläge für:

  • weiterführende Integrationsmaßnahmen
  • Rehabilitationsmaßnahmen für Psychisch Kranke (RPK)
  • Belastungserprobungen
  • Berufsfindungsmaßnahmen oder Umschulungen

Der Kontakt zu Rehabilitationsberatern vor Ort wird vorbereitet.