Übersicht

  1. Burn-out – ein immer häufigeres Problem
  2. Die Symptomatik des Burn-out
  3. Zur Therapie des Burn-out

1. Burn-out – ein immer häufigeres Problem

In medizinischen und psychiatrischen Lehrbüchern fehlt der Begriff Burn-out in der Regel. Er beschreibt keine einheitliche und streng definierte Erkrankung. Dennoch ist Burn-out heutzutage in aller Munde und kennzeichnet eine für die Betroffenen sehr belastende Symptomatik mit hoher persönlicher, gesellschaftlicher und wegen der möglicherweise sich entwickelnden, lang anhaltenden Arbeitsunfähigkeit auch ökonomischer Bedeutung.

Burn-out heißt wörtlich übersetzt „ausgebrannt“. Ausgebrannt zu sein, erscheint als bildhafter Ausdruck für einen Zustand tiefer seelischer und körperlicher Erschöpfung und Verausgabung.

Betroffene beschreiben diesen inneren Zustand: „Ich kann nicht mehr. Ich bin schon beim Aufstehen erschöpft. Die Arbeit nimmt kein Ende – so sehr ich mich anstrenge, alles zu schaffen - ich werde nie fertig. Mit immer mehr Energieaufwand schaffe ich immer weniger. Was mir früher einmal Spaß gemacht hat, ist mir heute zu viel. Selbst wenn ich einmal Zeit habe, fühle ich mich gehetzt. Was hat das alles überhaupt noch für einen Sinn.“

Berufliche Überlastungssituationen gelten in der Diskussion über Burn-out als zentrale Auslöser. Lange galt Burn-out lediglich als Erkrankung von Managern. Immer öfter erscheinen jedoch Berichte darüber, dass Angehörige sozialer Berufe betroffen seien.

Heute wird zunehmend deutlicher, dass immer mehr Menschen aus ganz verschiedenen Berufen – gerade solche mit Doppel und Mehrfachbelastungen - über körperliche und geistig-seelische Befindlichkeitsstörungen klagen. Die Betroffenen bringen die Entstehung ihrer Befindlichkeitsstörungen vor allem mit ihrer Arbeitssituation selbst in Verbindung, bzw. auch mit der Schwierigkeit, stärker an sie herangetragene berufliche Erwartungen noch mit all den anderen Rollenerwartungen in ihrem Leben in Übereinstimmung bringen zu können.

Ein Berufseinstieg, eine Beförderung, ein Jobwechsel oder die stetige Mehrbelastung von Arbeitnehmer im Rahmen sich verschlechternder ökonomischer Bedingungen können sich zu „Fallen-Situationen“ verdichten, die sich für Betroffene mit nicht mehr auflösbaren Stress verbinden, sei es aus Überforderung durch die Aufgabenstellung, sei es vor dem Hintergrund, eigenen Erwartungen nicht gerecht werden zu können, am Druck der Realität zu verzweifeln oder sei es aufgrund einer erschwerten Möglichkeit, sich abgrenzen zu können.

Die Erfahrung zeigt, dass vor allem engagierte Menschen gefährdet sind, Burn-out zu entwickeln – Menschen, die enthusiastisch, voller Erwartungen und Idealismus an eine neue Aufgabe gehen.

Sie „brennen“ für eine Sache. Der Alltag, Zeitdruck, ökonomische Zwänge - d.h. Erfahrungen, an Grenzen zu stoßen - führen zunächst zu einer Steigerung des persönlichen Einsatzes – und dann zur Frustration.

2. Die Symptomatik des Burn-out

Burn-out äußert sich in psychischen und körperlichen Krankheitszeichen u. a. in Antriebsarmut, chronischer Müdigkeit, Schlafstörungen, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit, Kreislaufstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Rückenschmerzen oder Potenzstörungen.

Dem allmählichen „Ausbrennen“ folgen Rückzug, Abkapselung, Vernachlässigung von Familie, Hobbys und Privatleben und schließlich Hoffnungslosigkeit, Apathie und Depression. Ein Gefühl der inneren Leere macht sich breit. Der Enthusiasmus ist verflogen, das Engagement sinkt. Viele Betroffene stellen sich die Frage nach ihrem Lebenssinn.

Burn-out ist nicht plötzlich da. Es ist ein schleichender Prozess, der sich oft über einen langen Zeitraum erstreckt. Manche sagen, der Betroffene nehme seinen Zustand meist zuletzt wahr. Wahrscheinlich ist, dass viele Betroffene zwar die Vorzeichen erkennen, das Ausgebranntsein jedoch nicht wahrhaben wollen und nicht gerne darüber sprechen. Darin liegt eine große Gefahr, dass insbesondere psychotherapeutische Hilfen zu spät in Anspruch genommen werden.

Die Entwicklung des Vollbildes eines Burn-out und die Gefahr der Chronifizierung kann man häufig in vier Phasen beschreiben:

  1. Zwang sich zu beweisen: überhöhtes Engagement; hohe Ideale; Erwartungen, die in der Realität nicht erfüllt werden können und zur Erschöpfung führen.
  2. Reduziertes Engagement: infolge von Enttäuschungen kommt es zu einem verminderten Einfühlungsvermögen und zu Beziehungsproblemen.
  3. Emotionale Reaktionen: nimmt der Betroffene die Ursachen des Burn-out bei sich wahr, reagiert er mit Stimmungseinbrüchen, Resignation und Schuldgefühlen. Verstärkte Schuldgefühle können in gereizt, aggressivem Verhalten ihren Ausdruck finden.
  4. Rückzug und Entwicklung einer schweren Depression im Sinne einer tiefgehenden psychiatrischen Erkrankung mit erhöhter Selbstmordgefahr.

Neben der Gefahr, dass sich im Rahmen eines Burn-out schwere psychiatrisch psychotherapeutisch behandlungsbedürftige Depressionen entwickeln, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass häufig Beruhigungsmittel, Schlaftabletten oder Alkohol dazu benutzt werden, eine vorübergehende Beruhigung und Entspannung zu erreichen. Es besteht eine ausgeprägte Gefahr der Suchtentwicklung.

3. Zur Therapie des Burn-out

Einem Burn-out kann vorgebeugt werden: Körperbedürfnisse beachten, regelmäßige Pausen, effektives Zeitmanagement, Urlaube einplanen, Aufgaben delegieren, „nein“ sagen lernen, einen Hang zum Perfektionismus vermeiden, das regelmäßige Anwenden von Entspannungstechniken sind wichtige Einzelmaßnahmen.

Es genügt jedoch nicht, an der Stellschraube „Beruf“ zu drehen. Vielmehr ist es für die Betroffenen in besonderer Weise notwendig, die einzelnen Lebensbereiche zu harmonisieren, sie in ein neues ausgewogeneres Gleichgewicht zu bringen, um Kraft zu schöpfen und so auch beruflich den Energie-Akku jeden Tag neu aufladen zu können.

Auf der Suche nach einem Ausgleich für die berufliche Überlastung als häufigster Quelle des Burn-out müssen sich Betroffene häufig wieder aus ihrer Vereinsamung lösen und im Kontakt mir anderen ihre kreativen und sozialen Ressourcen wieder entdecken.

Psychotherapie kann helfen, einen verbesserten Zugang zum eigenen Selbst zu entwickeln, sich selbst auch in den persönlichen Schwächen mehr anerkennen und verstehen zu können sowie neue Seiten an sich zu entdecken.

Betroffene können in der Psychotherapie lernen, sich im Gespräch zu öffnen, über ihre Probleme zu sprechen und bereit zu sein, sich als ganzheitliche Person mit all den verschiedenen Rollen, die ihren Lebensalltag ausmachen, in den Prozess einzubringen.

Häufig hilft in diesem Prozess der Rahmen einer psychotherapeutischen Rehabilitationsklinik, um eine Zäsur zu setzen und einen neuen, besseren Anfang zu ermöglichen.

Die Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie der Hardtwaldklinik I in Bad Zwesten bietet in der Behandlung von Patienten mit Burn-out vielfältige, miteinander vernetzte Möglichkeiten körperlicher und psychischer Diagnostik und Therapie.

Die Klinik verfügt über ausgedehnte Möglichkeiten der physikalischen Medizin, der Krankengymnastik und der Sportmedizin.

In der psychotherapeutischen Behandlung werden Einzel- und Gruppengespräche ergänzt durch verschiedene Entspannungsverfahren, Meditation, Atemtherapie und zahlreiche kreativtherapeutische Angebote der Körper- und Bewegungstherapie, der Gestaltungstherapie und der Musiktherapie.

Im Rahmen von Sozial-, Berufs- und Rehabilitationsberatung erfolgt eine gezielte Analyse der beruflichen Problematik und möglicher weiterführender Schritte.

Besonderer Wert wird darauf gelegt, im Anschluss an den Aufenthalt in der Klinik weiterführende ambulante Rehabilitationsmöglichkeiten zu vermitteln, bzw. mit niedergelassenen Psychotherapeuten und Psychiatern zu kooperieren.

Verfasser: Dr. med. N. Schmitt - Chefarzt, FA Psychiatrie und Psychotherapie und Psychotherapeutische Medizin