Adipositas

bedeutet eine Vermehrung des Körpergewichtes durch eine verstärkte Bildung und Ansammlung von Fettgewebe im Körper. Diese Art der Essstörungen entsteht, wenn die Energiezufuhr, hier insbesondere durch fette Nahrungsmittel, den Energieverbrauch übersteigt. Eine Objektivierung kann bei Frauen und Männern anhand des Body-Mass-Index (BMI) erfolgen: BMI = Gewicht in kg geteilt durch Körpergröße in m2. Adipositas beginnt ab dem BMI von 30, extreme Adipositas ab einem BMI von 40. 

Nicht jeder von der Adipositas Betroffene hat psychische Probleme oder erkrankt psychisch. So gibt es einmal eine familiäre Anfälligkeit, wenn es in der Ursprungsfamilie eine Häufung an übergewichtigen Angehörigen gibt, auch Bewegungsmangel spielt eine wesentliche Rolle. Einige Krankheiten, z. B. Schilddrüsenunterfunktion, aber auch Medikamente wie „die Pille“, Cortisonpräparate und Antidepressiva können eine Gewichtszunahme auslösen oder verstärken und somit zu dieser Form der Essstörungen führen. In zunehmendem Alter nimmt der Energieverbrauch (Kalorienverbrauch) des Körpers ab. 

Einige Menschen reagieren auf Belastungssituationen oder Situationen mit denen Gefühle wie Wut, Trauer, Langeweile verbunden sind mit verstärkter Nahrungszufuhr. Diese Betroffenen setzen unbewusst das Essen ein, um negative Gefühle (Ängste, Depressionen, Wut, Einsamkeit) abzuschwächen oder zu überdecken, häufig auch im gewissen Sinne als Trost. Auch hier entwickelt sich, ähnlich wie bei den anderen Essstörungen, in gewissem Sinne eine Abhängigkeit. 

Es können folgende Untergruppen dieser Essstörung unterschieden werden (Freiberger 1976, Zit. nach Hoffmann Hochapfel 1995):

„Rauschesser“: die Betroffenen neigen zu Essattacken, die häufig durch Unlust und Anspannung ausgelöst werden, dieses Essverhalten ist mit einer auslösenden Situation verbunden.

„Daueresser“: der Appetit der Betroffenen ist fast ständig erhöht.

„Nimmersatte“: bei diesen Menschen fehlt Appetit- und Sättigungsempfinden.

„Nachtesser“: diese Menschen zeigen tagsüber ein durchaus restriktives Essverhalten, leiden an Ein- und Durchschlafstörungen und entwickeln nachts Hungergefühle. 

Adipositas: Medizinische Konsequenzen und Probleme

Die Adipositas führt häufig zu psychischen Störungen wie depressive Verstimmungen verbunden mit Minderwertigkeitsgefühlen und Nachlassen des Selbstwertgefühls. In körperlicher Hinsicht leiden die Betroffenen, die an dieser Form der Essstörungen leiden, unter Kurzatmigkeit, neigen zu starkem Schwitzen, Ermüden schnell bei körperlicher Belastung und leiden unter Gelenkschmerzen. Ferner steigt im Rahmen der Adipositas das Risiko folgender Erkrankungen: Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Gicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Gallensteine, Krebs (z. B. Brust-, Gebärmutter- und Dickdarmkrebs). 

Adipositas: Generelle Therapiemöglichkeiten

Die Wirksamkeit psychotherapeutischer Maßnahmen ist manchmal begrenzt. Dies liegt in erster Linie daran, dass bei einigen Patienten mit Adipositas das gesteigerte Essbedürfnis einen suchtartigen Charakter hat. Ein psychotherapeutischer Zugang ist häufig erst dann möglich, wenn ein deutlicher seelischer Leidensdruck oder eine ausgeprägte neurotische Symptomatik vorliegt. Ein wichtiger Punkt ist sicherlich eine Verminderung der Kalorienzufuhr, d. h. eine kontinuierliche diätetische Überwachung. Auch hier kommen analytisch orientierte Verfahren zur Anwendung. Durch Verhaltenstherapie wird versucht, eine bleibende Veränderung des pathologischen Essverhaltens zu erreichen. Häufig werden Methoden angewendet, die dem an Esssucht Erkrankten eine Selbstkontrolle seines Essverhaltens ermöglichen und ihn von seinen unmittelbaren Umweltbedingungen, die eine verstärkte Nahrungsaufnahme auslösen oder begünstigen, unabhängiger machen sollen. Auf dem ambulanten Sektor bieten sich Selbstgruppe wie die Weight Watchers an. 

Adipositas: Therapieprogramm in der Hardtwaldklinik II

Einzelpsychotherapie

In der Anfangsphase der Behandlung der Adipositas geht es darum, dass zwischen der Patientin/dem Patient und der Bezugstherapeutin/-therapeuten eine tragfähige therapeutische Beziehung entstehen soll. Das Therapieprogramm wird auf die vorliegende Art der Adipositas abgestimmt und festgelegt, das bedeutet, dass begleitende Maßnahmen wie sportliche Aktivitäten, physikalische Maßnahmen und Erstellung von Essprotokollen und ggf. ein Angehörigengespräch vereinbart wird. Im Verlauf werden die psychodynamischen Aspekte der Adipositas z. B. Konstellationen in der Herkunftsfamilie, Problematik der Abhängigkeit etc. beleuchtet. In der Regel gibt es ein bis zwei Einzelgespräche à 30 Minuten pro Woche. Die Frequenz variiert in Abhängigkeit vom Grad der bestehenden Adipositas aber auch vom Therapieziel der Patientinnen/Patienten. 

Gruppenpsychotherapie

Die Gruppenpsychotherapie ist Hauptbestandteil der Behandlung der Adipositas. Hierbei handelt es sich um interaktionelles Setting mit zwei Sitzungen pro Woche à 90 Minuten. Interaktionell bedeutet, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Gruppe intensiv in Kontakt kommen, Erfahrungen austauschen, über ihr aktuelles Befinden berichten und sich gegenseitig Rückmeldungen geben. Es handelt sich nicht um spezielle Indikationsgruppen die nur auf essgestörte Patienten ausgerichtet sind. 

Kreativtherapie

Die Kreativtherapie findet ebenfalls im Gruppensetting statt, wobei wir Musiktherapie oder eine Körperwahrnehmungsgruppe anbieten können. In diesem Rahmen könnten die Patientinnen/Patienten die an Adipositas leiden lernen, ihre Gefühle besser zu spüren und ihren Körper wahrzunehmen und sich in Beziehungen zu anderen zu erleben. 

Adipositas: Essverhaltenstraining/Ernährungsberatungsgruppe

In diesem Gruppensetting haben die Patientinnen/Patienten mit Unterstützung einer erfahrenen Ernährungsberaterin die Möglichkeit, ihr Essverhalten zu beleuchten, über und Adipositas zu sprechen und ein neues Essverhalten einzuüben. Abgesehen davon werden die Betroffenen über physiologische Folgen der Adipositas sowie über ein gesundes Essverhalten informiert. Es gibt auch die Möglichkeit Mahlzeiten gemeinsam zu planen und zuzubereiten. 

Sportliche Aktivitäten/physikalische Maßnahmen

Diese werden individuell mit der Bezugstherapeutin/-therapeuten besprochen und vereinbart.

Freizeitbereich

Hier besteht die Möglichkeit an alternativen Angeboten wie Terrainwandern, informativen Vorträgen durch unsere Psychologen, Musikwerkstatt und Gestaltungstherapie teilzunehmen.

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