Die generalisierte Angststörung ist eine „Krankheit des Sorgens und Grübelns“. Die Betroffenen der generalisierten Angststörung sorgen sich um alle möglichen Dinge, teilweise bis zu 10 Stunden am Tag. Themen des Sorgens sind beispielsweise Angst vor Krankheit oder Tod von Familienmitgliedern, Finanzen aber auch Sorgen um „Kleinigkeiten“. 97% der Patienten geben an, sich um Kleinigkeiten (Wäsche waschen, pünktlich erscheinen etc.) zu sorgen, gegenüber 0% von nichtbetroffenen Vergleichspersonen, ansonsten sorgen sich Betroffene und Gesunde um die gleichen Dinge. Oft machen sich die Betroffenen auch Sorgen um das Sorgen selbst (z.B.: „Sorgen schadet mir“), was die Anspannung noch weiter erhöht. Oft entwickeln die Betroffenen der generalisierten Angststörung durch die anhaltende Belastung durch die Ängste zusätzlich depressive Symptome, die therapeutisch mitbehandelt werden müssen.

Leitsymptome der generalisierten Angststörung sind:

  • Angst und Sorgen (Erwartungsängste), besonders um Krankheiten, Verletzungen, Familie und um Kleinigkeiten
  • die Sorgen werden für den Betroffenen als nicht kontrollierbar erlebt
  • begleitet werden die Sorgen von einem hohen Anspannungsniveau und einer Vielzahl körperlicher Symptome
  • Ruhelosigkeit
  • leichte Ermüdbarkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten oder „Leere“ im Kopf
  • Reizbarkeit
  • Muskelanspannung
  • Schlafstörungen

Durch Vermeidungsverhalten und häufige Rückversicherungen versuchen die Betroffenen sich zu beruhigen.

Beispiele für Vermeidungs- und Rückversicherungsverhalten

Vermeidung:

  • Rechnungen werden nicht geöffnet
  • Nachrichten werden nicht gehört
  • Verkehrsfunk wird nicht gehört
  • Gäste werden nicht eingeladen
  • Zeitung wird nicht gelesen
  • Todesanzeigen werden nicht gelesen
  • Krankmelden wird vermieden
  • Zuspätkommen wird vermieden

Rückversicherungen:

  • Telefonate, ob alles in Ordnung ist
  • Nachfragen, ob alles in Ordnung ist
  • Entscheidungen nur nach Rücksprache
  • Kinder werden immer begleitet

Behandlungskonzept zur generalisierten Angststörung

Um die Ängste und Sorgen, die bei der generalisierten Angststörung im Übermaß auftreten, zu überwinden, ist es notwendig sich emotional damit auseinanderzusetzen. Der einfache Versuch nicht an die Sorgen zu denken, intensiviert in der Regel nur das Sorgengeschehen. Eine Vermeidungsstrategie der Betroffenen, um die Ängste geringer zu halten, ist dabei die Art des Sorgens selbst. Das Sorgen geschieht „denkend“, verbal statt bildhaft. Weiterhin werden Sorgen meist nicht zu Ende gedacht, sondern es wird von einer Sorge zur nächsten gesprungen. Um sich emotional mit den Sorgen auseinanderzusetzen, ist es notwendig, sich die Sorgen möglichst bildhaft vorzustellen, da dies die emotionale Verarbeitung intensiviert. Weiterhin ist es wichtig, die Sorgen zu ende zu denken, um die Ängste deutlicher wahrzunehmen, auf ihren Realitätsgehalt zu prüfen und zu erleben, das nichts schlimmes dadurch geschieht. Diese „Sorgenkonfrontation“ wird in der Therapie der Generalisierten Angststörung trainiert.

Therapiebausteine für die generalisierte Angststörung der verhaltenstherapeutischen Abteilung der Hardtwaldklinik II:

Allgemeine Informationsvermittlung

  • Informationen zur generalisierten Angststörung: vier Ebenen der Angst (Gefühle, Gedanken, Körperreaktionen, Verhalten), Aufklärung über die Symptomatik, Entstehungsbedingungen, Aufrechterhaltende Wirkung von Vermeidungs- und Rückversicherungsverhalten

Anleitung zur Selbstbeobachtung

  • Führen eines Sorgen-Tagebuches

Sorgenkonfrontation in der Vorstellung

  • Sorgenbereiche sammeln
  • einen Sorgenbereich auswählen, und ein Vorstellungsszenario vorbereiten
  • evtl. Vorstellungstraining durchführen
  • gegebenenfalls Realitätsprüfungen der Sorgeninhalte und Entkatastrophisierung durchführen

Sorgenkonfrontation in der Realität

  • Aufrechterhaltende Wirkung von Vermeidungs- und Rückversicherungsverhalten werden erarbeitet
  • Dies Verhalten soll unterlassen werden, Angst soll auftreten, um sie bewältigen zu können

Umgang mit Meta-Sorgen (Sorgen über die Sorgen) erlernen

Angewandte Entspannung

  • Der Patient wird angeleitet sich rasch zu entspannen, wenn Ängste und Anspannungen zunehmen
  • indiziert, wenn im Vordergrund der Beschwerden körperliche Beschwerden und kaum Sorgen stehen

Diese Bereiche werden aufgrund der individuellen Vielfalt der Sorgen in der Regel in den therapeutischen Einzelgesprächen behandelt. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, an Gruppen zum Training sozialer Kompetenzen (z.B. Aufbau optimaler Kommunikationsstrategien, Äußerung und auch Umgang mit Kritik, Aufbau von Kontakten und Selbstbewußtsein) sowie der Problemlösegruppe (Erlernen geeigneter Stressbewältigungsmöglichkeiten) und im Falle zusätzlicher depressiver Symptome an der Depressionsbewältigungsgruppe teilzunehmen. Zusätzlich haben an generalisierter Angststörung Erkrankter die Möglichkeit, Kreativgruppen wie Gestaltungs- oder Bewegungstherapie zu nutzen, um eigene Befindlichkeiten, Wünsche und Bedürfnisse deutlicher wahrzunehmen, zu artikulieren und eine hohe innere Anspannung durch Sportangebote und Entspannungstraining besser zu bewältigen. Den Betroffenen soll ermöglicht werden, durch die vermittelten Informationen und Verhaltensstrategien zum eigenen Experten für seine generalisierte Angststörung zu werden.

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