Definition: Englisch „to mob“, herfallen über, stürzen auf, anpöbeln, schikanieren

Mobbing am Arbeitsplatz heißt: Am Arbeitsplatz schikaniert, belästigt und drangsaliert, ausgegrenzt oder mit niedrigen Arbeiten betraut zu werden.

Dies muss wiederholt auftreten, mindestens einmal pro Woche, und sich mindestens über einen Zeitraum von einem halben Jahr erstrecken.

Mobbing am Arbeitsplatz wird in Zusammenhang gebracht mit Veränderungen im Erwerbsleben, Angst um den Arbeitsplatz, wachsende Anforderungen an die Qualifikation, Einbeziehung neuer Technologien, Stressbelastung, Flexibilisierung, Rationalisierung. Diese Vorgänge sind eine Realität geworden, denen sich einige Menschen nicht gewachsen fühlen.

Die betroffenen Patienten sehen sich am Arbeitsplatz als Opfer von Machenschaften, fühlen sich schikaniert und sehen darin die Ursache für die mit der Arbeit auftretenden Beschwerden, die dann Anlass für die psychotherapeutische Behandlung sind.

Der Begriff Mobbing wird so zur Möglichkeit, Symptomen und Beschwerden ein Etikett zu geben und auszudrücken.

Eine Gefahr besteht in der Neigung zu vorschnellen Mobbing-Unterstellungen, um individuelle Defizite zu verbergen bzw. zu überspielen. Dadurch ist „Mobbing“ in der Psychotherapie umstritten, auch aufgrund eines zu häufigen und zu wenig differenzierten Gebrauchs.

Als gesundheitliche Auswirkung von Mobbing gelten:

  • Klassische Stresssymptome wie Angespanntheit, Kopfschmerzen 51 %
  • Rückenschmerzen 44 %
  • Einschlafstörungen 41 %
  • schnelle Reizbarkeit 41 %
  • Nackenschmerzen 36 %
  • Konzentrationsmangel 35 %
  • Schlafstörungen, depressive Verstimmung
  • bis hin zu Symptomen, die zu einer Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) oder einer andauernden Persönlichkeitsveränderung führen.

Angenommen werden zwei Hauptvarianten:

Extreme Depression

Extreme Obsession, die sich ausdrückt z. B. im krankhaften Wiedererzählen.

Auftreten von Mobbing: Prävalenzrate (Häufigkeit und/oder Vorkommen 1,2 bis 3,5 %.

Auffällig ist eine Überrepräsentation im Gesundheitswesen, (7-fach erhöhtes Auftreten) und im Erziehungsbereich 3- bis 4-fach erhöht sowie besonders ausgeprägt in der öffentlichen Verwaltung (4-fach erhöht). Frauen sind eindeutig überrepräsentiert.

Strategien, die von den Opfern beschrieben werden:

Immer wieder ist von Mobbing-Opfern zu hören, sie fühlen sich in ihrer Entscheidungskompetenz eingeschränkt bis hin zum Entscheidungsentzug. Und/oder sie empfinden eine soziale Isolation, fühlen sich von den Kollegen ausgeschlossen. Auch der Angriff auf die Privatsphäre ist ein großes Problem beim Mobbing - Betroffenen: Sie werden von Kollegen in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht, in dem Witze über ihr Privatleben gerissen werden. Auch verbale Drohungen und Aggressionen wie anschreien, demütigen vor versammelter Mannschaft bis hin zur Androhung, schlimmstenfalls Ausübung von körperlicher Gewalt sind häufig vertreten. Am meisten aber wird im deutschsprachigen Raum die berühmte „Gerüchteküche“ zitiert.

Ursachen von Mobbing:

Unterteilung in drei Bereiche:

Organisation oder Gruppe/Täter/Opfer

1. Ursachen in der Gruppe/Organisation

Schlechtere Einflussmöglichkeiten der Mitarbeiter, schlechter Informationsfluss, mangelnde gegenseitige Akzeptanz der Mitarbeiter, hohes Maß an Rollenkonflikten, fehlende soziale Unterstützung, geringere Handlungsspielräume, andauernde Unsicherheit, arbeitsorganisatorische Probleme durch widersprüchliche Anweisungen.

2. Ursachen beim Täter:

„Inoffizielle Personalarbeit“ der Mitarbeiter untereinander oder in alle Richtungen. Strategie zur Selbstwertstabilisierung (z. B. Bedrohung des eigenen Status). Nicht bewusstes Mobbing durch z. B. zu lang ertragenen und aufgestauten Ärger und Überreaktion.

3. Ursachen beim Opfer:

Geringes Selbstwertgefühl oder mangelnde soziale Kompetenz, oder Selbstunsicherheit bzw. hohes Selbstbewusstsein mit dem Gefühl moralischer Überlegenheit (Zur Schau stellen von Leistungsbereitschaft, Regidität, Übergewissenhaftigkeit, Unnachgiebigkeit und beharren auf den eigenen Vorstellungen). Ein Phänomen das hierbei vorkommt, ist das „unter keinen Umständen klein beigeben wollen“, was oft zu jahrelangem Kampf der Patienten gegen die Ungerechtigkeit, die ihnen widerfahren ist, führt.

Betriebliche Auswirkungen sind:

Kosten für Fehlzeiten, Kündigung und Versetzung, Reduktion des Commitments (Dienst nach Vorschrift), Kosten durch arbeitsorganisatorische Probleme: Ungenügender Informationsfluss, Kosten durch Rechtsstreitigkeiten und durch Zeit, die Opfer, Täter und Gremien für den Mobbingfall aufwenden.

Therapeutische Möglichkeiten bei Mobbing:

Bedeutend ist die Analyse der Hintergründe.

Im problemorientierten Vorgehen erfolgt zunächst die Analyse und Bearbeitung des so genannten externen Anteils (Aspekte der Firma, dann Beziehungsmuster zum vermeintlichen Übeltäter). Erst dann erfolgt Analyse und Bearbeitung der Eigenanteile, da im subjektiven Erleben des Patienten andere Personen oder das Unternehmen hauptverantwortlich und maßgeblich für die ihm entstandenen Probleme und den gesundheitlichen Zustand gemacht werden. Es ist sinnvoll, diese Reihenfolge einzuhalten, da sonst die Gefahr wächst unnötigen Widerstand zu aktivieren.

1. Therapeutisches Basisverhalten bei Mobbing:

Aufbau einer vertrauensvollen tragfähigen therapeutischen Beziehung. Es gilt, den Patienten dort abzuholen wo er steht.

2. Informationsvermittlung von Konfliktmodellen bei Mobbing

3. Verstehen der individuellen Situation.

Analyse der Situation am Arbeitsplatz, der Anteile des Mobbers, Analyse der Eigenanteile des vom Mobbing Betroffenen, die den Hauptbestandteil der Mobbing-Analyse bildet.

Zur Analyse von Eigenanteilen gehört: Gefühle, Modalitäten, körperliche Reaktion und Gedanken auf dem Hintergrund der Arbeitsplatzkonflikte erarbeiten. Vorherrschende Gefühle; Hilflosigkeit, Ängste, Wut, Unsicherheit, Scham und Schuldgefühle. Im beobachtbaren Verhalten zeigen sich: Rückzug, Isolierung aber auch Angriffsverhalten und Streitverhalten. Aufrechterhalten kann auch der Beitrag durch Familien und den Ehepartner sein, die entweder genervt oder mitleidig reagieren, was problemstabilisierend sein kann.

Diese Analysen sollen neben den therapeutischen Ansätzen auch eine Veränderungsmotivation aufbauen helfen, weg von der Opferhaltung hin zu aktiver Auseinandersetzung und Problemlösung.

Ergebnis kann auch sein, dass sich hinter der Mobbing-Problematik eines Patienten ein persönliches Interesse, z. B. Rentenbegehren oder Berufsunfähigkeit verbirgt.

Weitere Inhalte der Therapie:

  • Distanz zum Geschehen erreichen
  • Grundsätzliche Entscheidungen: Rückkehr an den Arbeitsplatz oder Kündigung
  • Rollenspiel/Tausch zur Führung eines Konfliktgesprächs
  • Nein-sagen lernen/Problemlösetraining
  • Kognitive Umstrukturierung im Prinzip des geleiteten Entdeckens
  • Ärgerbewältigung
  • Entspannungsverfahren
  • „Hausaufgaben“ zur Selbsterarbeitung konkreter Möglichkeiten.

Sehr empfehlenswert ist eine auf Mobbing ausgerichtete Gruppentherapie zum Erleben eines sozialen Mikrokosmos.

Begleitend: Ergotherapie als Arbeit in einer realitätsnahen Umgebung. Soziotherapie, Sport- und Bewegungstherapie (Selbstwertproblematik).

Lösungsrichtungen bei Mobbing:

1. Die aktive Problemlösung mit Rückkehr an den Arbeitsplatz, Anwenden der neuen Strategien und Zuversicht, eine Änderung herbeiführen zu können.

2. Das Arbeitsverhältnis kündigen wird am ehesten von älteren Arbeitnehmern wahrgenommen im Sinne eines so genannten geordneten Rückzugs: Längere AUS-Zeiten, vorübergehende Arbeitslosigkeit, gefolgt von der Hoffnung, früher oder später berentet zu werden.

3. Diese Gruppe ist charakterisiert durch die Erkenntnis, dass sie am Arbeitsplatz „keinen Blumentopf mehr gewinnen können“ und versuchen, sich „ein dickes Fell zuzulegen“, sich gegen Angriffe zu schützen und versuchen durchzuhalten, um sich existentiell abzusichern oder eine neue Stelle zu suchen.

Entscheidend ist das Verstehen der Situation, das Erarbeiten einer Perspektive, um durch neu gelernte Strategien das Selbstbewusstsein zu steigern bzw. wiederzugewinnen.

Stationäre Psychotherapie bei Mobbing in der HWK II

Einzel- und Gruppentherapie, Basisgruppe in Tiefenpsychologie, Psychodrama und Verhaltenstherapie) ggf. Indikationsgruppe.

Nach einer Anfangs-Therapiephase beginnt eine Analyse von Eigenanteilen. Besonders geeignet erscheint das Psychodrama, um sowohl Eigenanteile zu entdecken, als auch in Form von Rollenspielen zur Führung eines Konfliktgesprächs mit dem Vorgesetzten und/oder mit dem identifizierten Mobber. Das Spektrum der Mobbing-Problematik kann dabei durch systemische Elemente wie beispielsweise die Familienskulptur genauer erfasst werden. Dem Betreffenden werden dabei Übertragungsmuster verdeutlicht.

Auf der physiotherapeutischen Ebene werden Entspannungsverfahren eingesetzt, wie z. B. die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, sowie Physikalische Therapie als allgemein roborierende und entlastende Maßnahmen.

Durch Aktivierung der noch vorhandenen Ressourcen werden neue Bewältigungsstrategien erarbeitet, die dazu führen, dass das verlorengegangene Selbstwertgefühl allmählich aufgebaut und stabilisiert wird.

Zur Reintegration in den Arbeitsprozess werden konkrete Hilfen durch die Sozialtherapie angeboten. Dazu gehören: Maßnahmen der stufenweise Wiedereingliederung, Fragen zur wirtschaftlichen Absicherung, Fragen zur beruflichen Weiterqualifikation, Umschulungsfragen etc. Möglich sind auch externe Belastungserprobungen in ausgesuchten berufsspezifischen Betrieben in der näheren Umgebung. Zudem kann der Patient an einem Bewerbertraining teilnehmen oder sich im Rahmen einer berufsorientierten Gruppe auf berufliche Alternativen vorbereiten. 

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