Die Psychosomatik beim Asthma bronchiale

Beim Asthma bronchiale ist wissenschaftlich erwiesen, dass neben rein körpermedizinischen Anteilen auch die psychosoziale Komponente eine wichtige Rolle spielt. Im Folgenden soll kurz darauf eingegangen werden, wie das Asthma bronchiale entsteht, welche Symptomatik auftreten kann und wie das Fachgebiet der psychotherapeutischen/psychosomatischen Medizin dabei in der Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten eingesetzt wird.

Diagnostik beim Asthma bronchiale:

Beim Asthma bronchiale liegt eine Übererregbarkeit des Bronchialsystems vor. Allergische, entzündliche und genetische sowie psychologische Ursachen können gemeinsam wirken.

Häufig auftretend ist eine ganz oder teilweise Obstruktion (teilweiser Verschluss, Einengung) der tieferen Atemwege durch gereizte Schleimhäute. Diese Einengung ist die Folge eines Spasmus (Krampfes) der glatten Bronchialmuskulatur in den Lungen, einer geschwollenen Schleimhaut und einer Schleimzurückhaltung. Dadurch kann eingeatmete Luft nicht mehr schnell genug ausgeatmet werden. Durch den Rückstau, der nicht schnell genug abgeatmeter Luft kann es auf Dauer zu einer Lungenüberblähung (Emphysem) kommen. Das Lungen-Herz-System wird als Ganzes zunehmend überlastet und geschädigt.

Es handelt sich beim Asthma bronchiale um eine schubweise auftretende Erkrankung. Im symptomfreien Zeitraum ist die Lungenfunktion des Asthmatikers so gut wie normal.

Asthma bronchiale: Als Grobeinteilung werden zunächst unterschieden:

Allergisches Asthma bronchiale und nicht allergisches Asthma bronchiale, Feineinteilungen in unterschiedliche Allergietypen bzw. nicht allergische Asthmatypen (z.B. Anstrengungsasthma, Infektasthma, psychogenes Erregungsasthma) kommen hinzu.

Asthma bronchiale kommt in jedem Alter vor, Kinder haben es häufig. Früh erkrankte Patienten haben eine über 50% Spontanheilungsrate. 0,3% - 3% sterben an einem akuten Asthmaanfall.

Bei Menschen unter 40 Jahren kommen die allergischen Fälle häufiger vor, danach die nicht allergischen Fälle.

Psychologische Einflussfaktoren spielen bei fast allen Formen eine wichtige Rolle. Asthma mit ausschließlich psychologischen Auslösefaktoren ist ebenfalls bekannt.

Die Asthmatherapie gliedert sich in eine hochdifferenzierte internistische Komponente und eine ebenso bedeutsame psychotherapeutische Komponente.

Dies liegt darin begründet, dass Asthma bronchiale zu den sogenannten Organkrankheiten mit psychosozialer Komponente gezählt wird. Diese Krankheitsgruppe, auch Psychosomatosen genannt, ist gekennzeichnet durch eine große Wechselwirkung zwischen psychologischen und organmedizinischen Ursachen.

Bei Asthmapatienten werden v. a. Selbstständigkeits-/Abhängigkeitskonflikte beobachtet. Die Problematik kreist in der Regel um eine ungelöste ambivalente Mutterbindung.

Verschiedene Theorien (z. B. von Alexander) vermuten einen tiefen Wunsch des Asthmapatienten nach beschützt werden. Sowohl die zurückweisende Mutterbindungen in der Kindheit, als auch die überbeschützende und einengende Mutter sind in der Literatur wiederholt beschrieben worden. Beide Extreme der für Kinder sehr bedeutenden Mutterbeziehungen können als Ambivalenzkonflikt eine hohe innere Anspannung erzeugen, aus dem Wunsch sich ganz anzuvertrauen bei gleichzeitiger großer Angst verschlungen zu werden.

Emotionale Äußerungen von Wut, Ärger und Zorn werden bei Asthmatikern verdrängt. Die Unterdrückung dieser negativen Gefühle, aber auch von positiven Gefühlen wie Zärtlichkeit, erzeugt aus dem Ambivalenzkonflikt im symbolischen Sinne ein „Luft anhalten“.

Dies spiegelt sich auf körperlicher Ebene bei den Asthmatikern durch die behinderte Ausatmung wider.

Verschiedene andere Beobachtungen bei Asthma-Patienten beziehen sich auf deren Charaktereigenschaften. Bekannt sind eine generelle aggressive Hemmung mit Ausdruck eigener Affekte und Impulse, eine Tendenz zu mehr zwanghaften Anteilen wie übertriebene Sauberkeit, Eigensinn, Sparsamkeit und Eigenwilligkeit.

Psychologische Auslöser für Asthma-Anfälle können Situationen sein, die den Ambivalenzkonflikt auf feindlich-aggressivem Verhalten/zärtlich-hingebungsvollem Verhalten mobilisieren. Offene Affekt-Äußerungen können Überängste aus der starken Mutterbindung mobilisieren mit der Befürchtung, dass diese verinnerlichte Mutterbeziehung gefährdet wird, was als subjektive existentielle Bedrohung erlebt.

Die Komplexität der möglichen Ursachen und zu Grunde liegenden Konflikte bedarf einer multimodalen Therapie. Damit ist ein vielschichtiger therapeutischer Ansatz gemeint, der nicht im Sinne einer zu starken Verallgemeinerung ein starres Ursachenmuster annimmt, sondern sich dem betroffenen Menschen so individuell wie möglich annähert.

In einer kombinierten psychotherapeutisch-organmedizinischen Therapie kann der Arzt sich v.a. auf die Mutterbindungsproblematik beziehen und auf eine Nähe-Distanz-Problematik eingehen.

Das Wissen um eine mögliche Konfliktsituation beim betroffenen Asthmatiker kann die nötige Medikamentenmenge erheblich reduzieren (besonders Cortison). Damit steigt wiederum die Mitarbeitsbereitschaft des Betroffenen.

Therapie des Asthma bronchiale in der Hardtwaldklinik II

In der Hardtwaldklinik II kommen neben einer intensiven internistischen Therapie eng verknüpft psychotherapeutische Methoden zur Anwendung. Aufgrund der oben beschriebenen körperlich-seelischen Verursachung der Erkrankung ist es sinnvoll, die Ursachen des Asthma bronchiale mit entsprechend psychosomatischen und psychotherapeutischen Methoden zu behandeln.

Das bedeutet, dass im Rahmen der Psychotherapie die zugrunde liegenden Konflikte, negative Gefühle und Belastungen, wie Ängste und unbewusste Aggressivität aufgedeckt und dem Patienten bewusster gemacht werden. Der Betroffene soll allmählich lernen, mit diesen Gefühlen anders umzugehen und konstruktivere und sinnvollere Lösungsmöglichkeiten zu finden. In einer Psychotherapie werden sowohl lebensgeschichtliche Ursachen und erlernte Verhaltensmuster, wie auch die aktuelle Lebenssituationen des Asthma-Patienten mit einbezogen. Als wirksam haben sich erwiesen eine Kombination aus psychotherapeutischen Einzel- und Gruppenverfahren, kombiniert mit dem Erlernen von Entspannungstechniken und einer veränderten Lebensführung.

In der Hardtwaldklinik II werden diese psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlungen im stationären Setting konkret umgesetzt.

Im Rahmen tiefenpsychologischer, analytisch orientierter und verhaltenstherapeutischer Gruppentherapie, sowie so genannter übender Kreativtherapie, konzentrativer Bewegungstherapie, Gestaltungstherapie oder Musiktherapie können diese zugrunde liegende Belastungen und Konflikte aufgedeckt und bearbeitet werden.

Im Schutz der patientenzentrierten therapeutischen Einzelgespräche werden die verschiedenen Überlegungen und Konfrontationen aus dem Gruppengeschehen erklärt und durchgearbeitet.

Ergänzt wird die Therapie durch Gesundheitsberatung, Umstellung der Lebensführung, durch Erlernen von Entspannungsverfahren, vor allem Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson und Autogenes Training sowie physikalische und physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten und aktive Sporttherapie.

Die fachärztliche Beratung und Betreuung schließt medizinische Basisdiagnostik und entsprechende medikamentöse Behandlung ein. Ziel ist die Koordination der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und Ansätze zur wirkungsvollen Therapie des einzelnen Asthma-Patienten.

Da psychische Entwicklungsprozesse nicht nur Wochen, sondern in der Regel Monate an Zeit brauchen, wird eine längerfristige ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung im Anschluss an die stationäre Therapie empfohlen und mit dem Patienten besprochen.

Die Überlegenheit der Kombination psychosomatischer und organmedizinischer Therapie bei den Psychosomatosen und besonders bei Asthma bronchiale hat sich gut bewährt. 

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