Die Psychosomatik bei Bluthochdruck

Beim Bluthochdruck wurde wissenschaftlich wiederholt nachgewiesen, dass neben rein körpermedizinischen Anteilen die psychosoziale Komponente eine wichtige Rolle spielt. Im Folgenden soll kurz darauf eingegangen werden, wie der Bluthochdruck entsteht, welche Symptomatik auftreten kann und wie das Fachgebiet der psychotherapeutisch/psychosomatischen Medizin in der Hardtwaldklinik II eingesetzt wird.

Bei Messwerten über 140/90 mmHg spricht man von einem Bluthochdruck. Etwa ein Viertel der Bevölkerung ist davon betroffen. Nur ein fünftel der Bluthochdruck-Patienten wird trotz erheblicher gesundheitlicher Konsequenzen bisher nicht medizinisch und/oder psychotherapeutisch behandelt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt den Bluthochdruck ein in:

  • Labiler Bluthochdruck: Die Blutdruckwerte sind nur bei körperlicher oder seelischer Belastung erhöht.
  • Bluthochdruck: Die Blutdruckwerte liegen über 160/95 mmHg.
  • Schwerer Bluthochdruck: Die Blutdruckwerte liegen über 160/115 mmHg.
  • Maligner Bluthochdruck: Die Blutdruckwerte liegen über 160/120 mmHg; Es treten Komplikationen an z.B. Augen und/oder Nieren auf.
  • Hypertensive Krise: Die Blutdruckwerte liegen über 200/120 mmHg; Es kommt zu neurologischen und/oder kardialen (Herz) Symptomen.

Der Bluthochdruck wird von der Weltgesundheitsorganisation weiterhin in drei unterschiedliche Stadien eingeteilt.

Beim Bluthochdruck im Stadium 1 liegen noch keine organischen Veränderungen vor. Das heißt, durch Therapie auf organmedizinischem und psychotherapeutischem Fachgebiet ist Hochdruck vollständig heilbar.

Beim Bluthochdruck im Stadium 2 liegen Organveränderungen vor. Dabei können eine Linksherzvergrößerung und/oder ein Fundus hypertonicus (Augenhintergrundserkrankung) und/oder eine Proteinurie (Eiweißausscheidung der Niere) auftreten.

Im Bluthochdruck Stadium 3 besteht ein nicht mehr rückgängig zu machendes Funktionsdefizit an den Blutgefäßen, mit Beteiligung des Herzens, des Gehirns, der Nieren und der Augen.

Ursachen von Bluthochdruck

Bei mehr als 90 % aller Formen von Bluthochdruck handelt es sich um primäre bzw. sogenannte essentielle Bluthochdruckformen. Das bedeutet, dass keine anderen bekannten organischen Ursachen für den Bluthochdruck vorliegen. Seelische Ursachen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Auf die möglichen seelischen Ursachen dieser Bluthochdruck-Formen wird im weiteren Text genauer eingegangen.

Bei den verbleibenden 10 % aller Bluthochdruck-Formen handelt es sich um die sogenannten sekundären Bluthochdruck. In der nachfolgenden Auflistung finden sich die möglichen Formen.

Die renale Form des Bluthochdruck (nierenbedingte Form). Sie kann nach Glomerulonephritiden (Nierenentzündungen) und/oder renovaskulär bei Stenosen (Verengungen) der Nierenarterien auftreten.

Die endokrine Form des Bluthochdruck kann z.B. bei Schilddrüsenfehlfunktionen und/oder anderen Drüsenfehlfunktionen (z.B. Nebennieren, Nebenschilddrüsen) auftreten.

Die neurologisch bedingte Form des Bluthochdruck kann z.B. durch Tumoren im Gehirn entstehen. Denkbar ist auch eine erhöhte Stimulation des Sympathikus (z.B. durch Stress) oder auch eine Veränderung des Karotissinus (Nervenknoten an den Halsschlagadern).

Die vaskuläre Form des Bluthochdruck kann z.B. durch Gefäßveränderungen oder Klappenschäden am Herzen selbst bedingt sein.

Die medikamentös bedingte Form des Bluthochdruck kann z.B. durch Verhütungsmittel, Schilddrüsenhormongabe, verschiedene Psychopharmaka usw. verursacht werden.

Viele andere Ursachen sind möglich: z.B. Alkoholkonsum, Fehlernährung, Adipositas usw.

Bei über 70 % aller Bluthochdruck-Erkrankungen liegt ein Bluthochdruck auch in der Ursprungsfamilie gehäuft vor.

Oft bestehen sogenannte Risikofaktoren in Form von Übergewicht, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, erhöhter Kochsalzgebrauch, Alkohol oder Rauchen, Bewegungsmangel.

Die Krankheitsvorgeschichte zeigt möglicherweise gehäuft auftretendes Nasenbluten, Sehrverschlechterungen oder Herzsymptome. Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen oder Ohnmachten können auftreten.

Der essentielle Bluthochdruck

Ein essentieller Bluthochdruck liegt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor bei wiederholt auftretenden Blutdruckwerten von über 160/95 mmHg. Bei der essentiellen Bluthochdruck-Form müssen nierenbedingte, hormonelle, gefäßbedingte oder medikamentöse Ursachen ausgeschlossen sein. Die essentielle Bluthochdruck-Form ist eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt und man nimmt an, dass über 20 % der Bevölkerung davon betroffen sind. Die Erkrankung verläuft, trotz der o.g. Anhaltspunkte, oft für viele Patienten zunächst unbemerkt. Symptome wie Herzschmerzen, Herzklopfen, Belastungs- und Ruheluftnot, Kopfschmerzen, Nasenbluten, verstärktes Schwitzen, erhöhte Erregbarkeit, Schlafstörungen stehen im Vordergrund. Bluthochdruck führt ohne rechtzeitiges Erkennen und frühzeitige medizinische und psychotherapeutische Behandlung zu erheblichen Folgeerkrankungen. Dabei stehen die Arteriosklerose, der Schlaganfall und der Herzinfarkt im Vordergrund.

Psychische und soziale Faktoren vom essentiellen Bluthochdruck

Neben vorhandenen genetischen und möglichen anderen organmedizinischen Ursachen spielen bei der Entstehung des Bluthochdruck psychische und soziale Faktoren eine wichtige Rolle. Anhaltende Ängste, chronische Erwartungsspannungen, Zeitnot und Stress dürften dabei vorrangig mitwirken. Charaktereigenschaften der betroffenen Patienten, welche schon in der Kindheit angelegt wurden, sind eine mögliche Basis, auf der sich die Erkrankung entwickeln kann. Zum Beispiel könnte ein überbetont angepasster Mensch seine inneren aggressiven Affekte (Gefühle) und Impulse nur ungenügend kanalisieren und so auf dem inneren Druck sitzen bleiben, der in Form des körperlichen Symptoms resultiert („Dampfkessel“). Auch unterdrückter Ärger und Wut, die in erhöhte innere Spannungszustände münden, können die Blutdruckerkrankung einleiten.

Die essentielle Form des Bluthochdruck gründet sich vorrangig aus der andauernden Erhöhung des Aktivitätsniveaus des sympathischen Nervensystems. Dieses Nervensystem ist evolutionsbiologisch eng verknüpft mit Flucht- und Aggressionsimpulsen. Der Organismus ist in Daueralarmbereitschaft. Diese ist nur im Fall des essentiellen Bluthochdruck's nicht mehr der eigentlichen Situation angemessen, jedoch im Unbewussten angelegt.

In einer Konfliktsituation, in der Selbstbehauptung und Aggression auftreten würde, wäre z.B. ein Hypertoniker möglicherweise durch soziale Kontrolle gehemmt weil die Situation es verböte. Der Konflikt kanalisiert sich sozusagen innerlich bei entsprechender Persönlichkeitsstruktur. Dabei wäre die Entwicklung eines angepassten Individuums denkbar, welches aber im Inneren angespannt bleibt und die Anspannung in den Bluthochdruck hinein kanalisiert.

Auch ist häufig eine gesteigerte Helferhaltung zu beobachten, weil ein entsprechender Mensch sich möglicherweise nicht traut abzugeben. Der Ärger darüber wiederum könnte mögliche aggressive Impulse verstärken. Es entwickelt sich eine negative Krankheitsspirale mit Verschlechterungstendenz des Bluthochdruck's.

Diagnostik und Therapie des essentiellen Bluthochdruck in der Hardtwaldklinik II

Psychotherapeutische Einflussmöglichkeiten setzen hier an. In der Hardtwaldklinik II wird eine intensive internistische Behandlung mit kontinuierlicher Psychotherapie verbunden. Bei vielen Patienten liegt ein wenig ausgeprägtes Konfliktbewusstsein vor. Man könnte sagen, der Konflikt wird nicht in Worten bewältigt, sondern im Körper auf das Symptom des Bluthochdruck's verschoben. Einen Zugang dazu erreicht die Psychotherapie. Als psychotherapeutische Maßnahmen kommen hauptsächlich konfliktsensibilisierende, analytisch orientierte Einzelgesprächs- und Gruppentherapien zur Anwendung. Kombiniert werden können damit kreativpsychotherapeutische Gruppen- und Einzelverfahren wie Konzentrative Bewegungstherapie (KBT), Gestaltungstherapie oder Musiktherapie. Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson und das Autogene Training wirken positiv unterstützend. Die Kombination dieser Methoden zeigt eine deutlich bessere Wirkung als die Anwendung rein organmedizinischer Vorgehensweisen.

Die organmedizinische Diagnostik des Bluthochdruck wird bei der bereits oben dargestellten Vielfalt von Ursachen ausführlich in der Hardtwaldklinik II durchgeführt und steht direkt neben der psychologischen Diagnostik und Aufarbeitung.

Vielfältige Laborkontrollen dienen zur Ermittlung von organischen Erkrankungen (z.B. Niere, Diabetes mellitus, Harnsäure, Blutfette) und von Risikofaktoren.

Ultraschalldiagnostik dient der Ermittlung von Gefäßveränderungen und /oder Nierenveränderungen.

Das Belastungs-EKG zeigt den Verlauf des Bluthochdruck unter Anstrengung und ermittelt eine mögliche Koronare Herzerkrankung.

Das Standard-EKG zeigt z.B. Herzvergrößerungen, Herzminderdurchblutungszeichen und/oder elektrische Leitungsstörungen an.

Die 24-Stunden-Blutdruckmessung misst kontinuierlich und kann z.B. einen sogenannten „Praxis-Bluthochdruck“ aufzeigen.

Neben den psychotherapeutischen Möglichkeiten der Hardtwaldklinik II kommen Allgemeinmaßnahmen zur Therapie des Bluthochdruck zur Anwendung.

Dabei geht es um die Information der Patienten über Risikofaktoren und deren Vermeidung. Einschränkung des Rauchens und des Alkoholgebrauchs werden angestrebt. Ernährungsberatung wird professionell von Fachpersonal umgesetzt. Gewichtsreduktion wird ggf. angestrebt und z.B. u.a. mit unserer Lehrküche eingeleitet. Der Salzkonsum wird eingeschränkt. Sportliche Tätigkeiten werden angewendet.

Nach Ausschöpfung der Allgemeinmaßnahmen und nach Behandlung der Ursachen bei einem sekundären Bluthochdruck wird die Blutdruck-Behandlung durch medikamentöse Maßnahmen ergänzt.

Die Kombination organmedizinischer und psychotherapeutischer Maßnahmen in der Hardtwaldklinik II ergibt erst die optimale Therapie des Bluthochdruck und zeigt deutliche bessere Langzeiterfolge als die Einzelmaßnahmen.

Der Bluthochdruck als individuell und gesellschaftliche ernstzunehmende Erkrankung bedarf dieses intensiven kombinierten organmedizinischen und psychotherapeutischen Vorgehens.

Informationen zu Krankheiten