Die Zuckerkrankheit ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die auf einem absoluten oder relativen Mangel an Insulin beruht.

Insulin ist ein hormonartiger Eiweißstoff, der in der Bauchspeicheldrüse in abgegrenzten Zellinseln, nach ihrem Entdecker, Langerhanssche Inseln genannt, in den sogenannten B-Zellen produziert wird. Das Insulin ist für die Aufnahme der Glucose (Traubenzucker) in die Körperzellen erforderlich. Fehlt dieses oder sind die Körperzellen nicht genügend dafür ansprechbar, verbleibt die Glucose im Blut, was hohe Zuckerspiegel bewirkt. Der Zucker wird dann ungenutzt im Urin ausgeschieden und kann entsprechend mit Teststreifen gemessen werden.

Man unterscheidet zwei Hauptformen des Diabetes mellitus: Typ I und Typ II.

Diabetes mellitus Typ I

Dieser ist im wesentlichen genetisch bedingt. Er befällt meist jüngere Menschen, oft schon im Kindes- und Jugendalter. Es gibt in Deutschland ca. 200 000 Typ I Diabetiker. Der Ausbruch der Erkrankung wird durch Autoimmunphänomene bewirkt, d. h. das Abwehrsystem bildet Antikörper gegen körpereigene Substanzen, wodurch in relativ kurzer Zeit die genannten Langerhansschen Zellen zerstört werden. Dieser Prozess dauert manchmal nur einige Wochen oder Monate. Die Patienten klagen über Durst, große Urinmengen, Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, Juckreiz, verminderte Infektabwehr. Die Stoffwechselentgleisung führt schließlich unbehandelt zum Koma und zum Tode.

Diabetes mellitus Typ II

Der Diabetes mellitus Typ II betrifft meist ältere Erwachsene und ist vielfach ein Bestandteil des metabolischen Syndroms, auch Wohlstandssyndrom genannt. Weitere Faktoren dieses Symptomkomplexes sind Übergewicht, Bluthochdruck, Erhöhung der Harnsäure im Blut. Hierbei werden die Körperzellen mit zunehmendem Übergewicht weniger ansprechbar für Insulin, so dass anfangs sogar erhöhte Insulinspiegel im Blut auftreten. Später nimmt durch auto-immunologisch bedingte Zelluntergänge aber auch die absolute Insulinmenge ab.

Es gibt in Deutschland ca. 4 Millionen Typ II-Diabetiker, von denen etwa 700 000 Insulin benötigen.

Die Krankheit verläuft lange symptomarm, manchmal über Jahre und wird daher oft spät erkannt, wodurch sich bereits Spätschäden bei der Diagnosestellung eingestellt haben können. Die Patienten klagen über Müdigkeit, Leistungsverlust und verminderte Infektabwehr. Die Erkrankung fällt oft erstmals in einer routinemäßigen Blutuntersuchung auf.

Seltene Formen des Diabetes mellitus finden sich in der Schwangerschaft, bei schweren Bauchspeicheldrüsenentzündungen und manchen anderen Drüsenerkrankungen.

Die Diagnose wird durch Blutzuckerbestimmung gestellt. Mehrere Messungen des Nüchtern-Wertes über 120 mg/dl. (d. h. pro 100 ml Blut) sind beweisend. In Zweifelsfällen kann ein Belastungstest mit 75 g Traubenzucker, morgens nüchtern gegeben mit Messungen sofort und nach 2 Stunden (oraler Glucosetoleranztest), die Diagnose erhärten.

Die Behandlung des Diabetes mellitus

Diabetes mellitus Typ I:

Diese Form der Zuckerkrankheit ist nur mit Insulin behandelbar, das mit feinen Nadeln unter die Haut gespritzt wird (subcutan), meist am Bauch oder Oberschenkel. Es gibt verschiedene Behandlungstechniken oder „Regime“. Diese unterscheiden sich in der Insulinverteilung über den Tag, die Form von Diät und Blutzuckerkontrolle und die Art des eingesetzten Insulins.

Insulin kommt in 3 Formen zur Anwendung:

1. Unverzögertes Insulin - dieses wird auch Normal- oder Altinsulin genannt und wirkt 4 bis 6 Stunden. Bei seiner Anwendung ist zu beachten, dass die Wirkung nicht sofort einsetzt und somit ein sogenannter Spritz-Ess-Abstand eingehalten werden muss von 15 bis 30 Minuten vor der Mahlzeit. Diese muss dann aber auch unbedingt eingenommen werden, da sonst eine Unterzuckerung droht.

2. Verzögerungs-Insulin - dieses wird in mittellang oder langwirkenden Formen eingesetzt. Die Wirkung hält 12 bis 16 Stunden an.

3. Fixe Mischungen aus den o. g. Formen, z. B. 30% Nomalinsulin und 70% mittellang wirkendes Insulin. Es gibt aber auch viele prozentual anders zusammengesetzte Mischinsuline.

Folgende Behandlungskonzepte des Diabetes mellitus Typ I sind derzeit geläufig

1. Konventionelle Insulintherapie:

Bei dieser werden zwei Injektionen am Tag mit einer festgelegten Insulinmenge vorgenommen. Die Einhaltung einer speziellen Diät ist zur Vermeidung von Zuckerentgleisungen dringend erforderlich. Die Diät wird meist auf der Basis sogenannter Broteinheiten errechnet und über den Tag verteilt. 1 Broteinheit (BE) entspricht ca. 12 g. Kohlenhydraten. Ein normaler Tagesbedarf bei sitzender Tätigkeit ist z. B. 14 bis 17 BE auf 3 größere und 3 Zwischenmahlzeiten verteilt.

Die Diät lässt sich am besten in Schulungsprogrammen evt. mit einer Lehrküche erlernen.

2. Intensivierte Insulintherapie:

Gut motivierte Patienten können diese Anwendungsmethode erlernen , die den Insulinspiegel mehr an die natürliche Regulation anpasst und Abweichungen vom o. g. strengeren Diätplan ermöglicht. Hierbei muss der Patient mit einem Messgerät selbst den Blutzucker bestimmen, d. h. er muss aus dem Finger Blut gewinnen und auf einen Teststreifen geben. Aus dem ermittelten Wert und dem Umfang der beabsichtigten Mahlzeit muss der Pat. die benötigte Insulinmenge abschätzen und diese sich dann selbst subcutan verabreichen. Dies ist zu jeder Mahlzeit erforderlich. Einmal pro Tag wird darüber hinaus ein Verzögerungsinsulin gespritzt, das den basalen Tagesbedarf abdeckt.

Es ist leicht ersichtlich, dass diese Behandlungsform einen höheren Schulungsaufwand, Disziplin und eine gewisse Routine erfordert.

3. Insulinpumpentherapie:

Mittels einer externen Pumpe erfolgt eine kontinuierliche subcutane Normalinsulingabe. Je nach Ergebnis der Blutzuckerselbstmessung können schubweise Insulinmengen abgerufen werden. Diese Behandlungsform ergibt die günstigsten Profile des Stoffwechsels, z. B. bei Versagen der genannten anderen Methoden. Auch hier ist eine intensive Schulung erforderlich und der regelmäßige Kontakt zu erfahrenen Ärzten.

B. Die Behandlung des Diabetes mellitus Typ II

Hier ist eine weitere Einteilung zu erwähnen:

· Typ IIA gilt für Normalgewichtige

· Typ IIB gilt für Übergewichtige, die den überwiegenden Teil der Betroffenen stellen.

Für Patienten mit Diabetes mellitus Typ II B, als Übergewichtige, ist die Gewichtsnormalisierung von entscheidender Bedeutung. Hierdurch wird die erwähnte Insulinresistenz gemindert, der Medikamenten- oder Insulinbedarf verringert und eine Tendenz zur weiteren Gewichtszunahme durch insulinsteigernde Therapie (Insulinmast) verhindert. Als weitere Allgemeinmaßnahme sollte auf genügende körperliche Aktivität, z.

B. durch ein schonendes Ausdauertraining wie Laufen, Fahrradfahren, Schwimmen etc. geachtet werden.

Die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten des Diabetes mellitus Typ IIA und Typ B

1. Verzögerung der Kohlenhydrataufnahme im Darm durch einen Hemmstoff namens Acarbose (Glucobay â) oder Füll- und Quellstoffe, z. B. Guar. Diese Medikamente können Magen- und Darmbeschwerden wie Blähungen, Durchfall, Völlegefühl verursachen. Es kann eine Reduktion der Blutzuckerwerte nach dem Essen um 50 bis 60 mg/dl erwartet werden.

2. Metformin, z. B. Glucophageâ:

Diese Substanz hat verschiedene Wirkungen. Die Aufnahme von Glukose im Darm wird verzögert, die Zuckerneubildung in der Leber wird gehemmt, die Zuckeraufnahme in die Körperzellen, vor allem der Muskulatur, wird gefördert. Dieses Medikament hat in den letzten Jahren zunehmende Verbreitung gefunden, weil es keine insulinvermehrende Wirkung hat und somit keine weitere Gewichtszunahme fördert. Die Anwendung erfordert eine regelmäßige ärztliche Kontrolle, da bei schwereren Erkrankungen, vor allem der Niere und der Leber, auf ernste Nebenwirkungen zu achten ist.

3. Stimulation der Insulinsekretion durch Sulfonylharnstoffe, z. B. Glibenclamid (Eugluconâ):

Hierbei kann es zur Erhöhung der Insulinspiegel kommen mit ungünstigen Effekten auf das oft vorliegende metabolische Syndrom. Deshalb müssen die erforderliche Gewichtsreduktion und körperliche Aktivität nochmals besonders betont werden. Diese Substanzen sind sehr wirksam und stellten vor Jahren das wichtigste orale, in tablettenform wirksame Therapiekonzept dar.

Durch die stark blutzuckersenkende Wirkung ist auf die richtige Kalorienverteilung mit Zwischenmahlzeiten auch am Abend zu achten, um Unterzuckerungszustände zu vermeiden.

Bei schwer einstellbaren Erkrankungsformen kann eine Kombination der Sulfonylharnstoffmedikamente mit subcutan gespritztem Insulin erfolgen. Dieses wird auch bei Verschlechterung der Stoffwechselsituation durch hinzukommende schwere Erkrankungen oder Operationen erwogen werden.

Zwei neuere Therapiekonzepte sollen noch erwähnt werden:

4. Glitazone:

Diese verbessern die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin.

5. Glinide:

Diese führen ebenfalls zu einer kurzfristigen Insulinausschüttung, wie bei den Sulfonylharnstoffen, sollen aber das Risiko einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) vermindern.

Diese Ausführungen machen deutlich, dass anders als bei vielen anderen Erkrankungen bei Diabetes mellitus eine intensive Mitarbeit und zum Teil eigenständige Handhabung der Therapiemaßnahmen durch den Patienten erforderlich ist. Intensive Beratung, Schulung, Übung, regelmäßige Konsultation eines erfahrenen Arztes sind daher unerlässlich.

Das Ziel der Behandlung ist ein soweit wie möglich den Normalverhältnissen angeglichener Blutzuckerstoffwechsel oder -spiegel, in klinischem Jargon: ein geglättetes Blutzuckertagesprofil. Dies bedeutet, dass Blutzuckerspitzen über 180 mg/dl und Erniedrigung unter 60mg/dl vermieden werden sollen. Die sogenannte Unterzuckerung kommt im wesentlichen nur unter der laufenden Therapie vor und kann an Heißhunger, Schweißausbruch, Unruhegefühl, Stimmungsschwankungen, Bewusstseinstrübung, erkannt werden. Für diesen Fall ist es ratsam für den Diabetiker, immer einige Blättchen Traubenzucker bei sich zu haben. Das weitere Ziel der Behandlung ist es, die gefürchteten langfristigen Folgeerkrankungen oder Komplikationen des Diabetes mellitus zu verhindern oder zu vermindern.

In der Hardtwaldklinik II wird der Zuckerstoffwechsel bei der routinemäßigen Laboruntersuchung erfasst; dies gilt auch für einige der möglichen Komplikationen, z. B. der Nieren. Über weitere Laboruntersuchungen (Blutzuckertagesprofil, Erfassung des Langzeitparameters Hb A1C) kann die Situation präzisiert werden. Bei Komplikationen kann u. a. eine Ultraschalluntersuchung des Bauches durchgeführt werden. Neben der allgemeinärztlichen oder internistischen Beratung besteht die Möglichkeit zur Einbeziehung einer Diätassistentin. Hierdurch sind Modifikationen der Behandlung bei Diabetes mellitus möglich.

Eine schwerwiegende seelische Problematik wird sich sicherlich auch auf diese chronische, das weitere Leben begleitende Stoffwechselerkrankung auswirken. Einen günstigen Aspekt der hier im Vordergrund stehenden Psychotherapie für den Diabetes mellitus stellt die Krankheitsverarbeitung dar.

Hier sind zu nennen:

  • Verbesserte Akzeptanz der eigenen Situation
  • Verbesserung der Therapiemotivation und der
  • Bereitschaft für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

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