Gesunder Schlaf ist nicht mit einer Narkose zu vergleichen. Wir sind erweckbar durch innere und äußere Reize. Es gehört zum normalen und gesunden Schlaf, dass wir einmal oder gar wenige Male in der Nacht erwachen, wir liegen meist nur kurze Zeit wach und schlafen wieder ein. Auslösend für das kurzzeitige Erwachen können sowohl innere als auch äußere Reize sein. Der Übergang von normalem Schlaf zu Schlafstörungen ist fließend. Wissenschaftliche Versuche einer Objektivierung sind nicht wirklich befriedigend. Einige wissenschaftliche Autoren sprechen dann von einer Schlafstörung, wenn die Einschlafphase mehr als 30 Minuten dauert oder Durchschlafstörungen die Schlafdauer auf eine Zeitspanne von unter 6 Stunden verkürzen.

Aus vielen Untersuchungen weiß man, dass die objektive Schlafdauer nur wenig darüber aussagt, ob sich ein Mensch am darauf folgenden Tag ausgeruht oder unausgeschlafen fühlt. Als Schlafstörung ist von daher weniger das Unterschreiten eines bestimmten Messwertes bezüglich der Schlafdauer zu bezeichnen, als vielmehr ein Missverhältnis zwischen individuellem Schlafbedürfnis und Schlafvermögen. Der Qualität des Nachtschlafes kommt entscheidende Bedeutung bei. Deswegen wird in der wissenschaftlichen Diskussion zunehmend von „nicht erholsamem Schlaf“ gesprochen, um die Bedeutung des subjektiven Erlebens zu unterscheiden.

Obwohl eindeutige Definitionskriterien für eine Schlafstörung weitgehend fehlen, kommen verschiedene Untersuchungen zu vergleichbaren Ergebnissen bezüglich der Häufigkeit von Schlafstörungen in der Allgemeinbevölkerung. Die Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) geht davon aus, dass nach der „Mannheimer Allgemeinarztstudie“ etwa 20% der Patienten in Allgemeinpraxen über Ein- und/oder Durchschlafstörungen über einen Zeitraum von zumindest 4 Wochen leiden. Frauen sind hiernach häufiger betroffen als Männer, ältere Menschen häufiger als jüngere.

Nach einer repräsentativen Umfrage einer Göttinger Arbeitsgruppe leiden 25% aller Westdeutschen zumindest zeitweilig an Ein- bzw. Durchschlafstörungen. Die gleiche Studie weist aus, dass etwa 11% ihren Schlaf häufig oder gar ständig als gestört erleben. Zu vergleichbaren Zahlen kommen Hajak und Rüther (in. H. J. Möller: Therapie psychiatrischer Erkrankungen). Die Autoren geben die Häufigkeit von Schlafstörungen in der Bevölkerung zwischen 20 und 30% an. Sie stellen bei 10 bis 15% eine schwere und damit vermutlich behandlungsbedürftige Schlafstörung fest.

Die gleiche Person kann sowohl an Störungen der Einschlafphase als auch an Durchschlafstörungen leiden. In vielen Fällen jedoch kann ein Schlafgestörter regelmäßig sehr rasch einschlafen um dann vorzeitig erstmals zu erwachen. Das Wiedereinschlafen ist gestört. Manche liegen über mehrere Stunden wach und können erst in den frühen Morgenstunden wieder einschlafen. Andere schlafen ab dem Zeitpunkt des erstmaligen Erwachens nur noch oberflächlich und nicht mehr wirklich erholsam. Die Wachphasen bei Durchschlafstörungen werden von den meisten Menschen als stark beeinträchtigend und zum Teil als quälend erlebt. Man konzentriert sich auf das Wiedereinschlafen, versucht dieses zu erzwingen. Diese psychische Verkrampfung fördert allerdings die Wachheit und verstärkt somit die Durchschlafstörungen.

Häufige Aspekte der Durchschlafstörungen sind:

  • Frühzeitiges erstmaliges Erwachen
  • Häufiges Kurzerwachen
  • Längeres nächtliches Wachliegen
  • Gedankliche Fixierung auf das Wiedereinschlafen
  • Angstvolle Erwartung nicht wieder einschlafen zu können
  • Unruhiger und oberflächlicher Schlaf
  • Vegetative Symptomatik wie vermehrtes Schwitzen und beschleunigter Herzschlag, vielleicht auch Atembeklemmungen
  • Depressive Verstimmungen, Gedankenkreisen und Problemgrübeln
  • Bewegungsunruhe, meist im Bereich der Beine

Symptome der Durchschlafstörungen am Tage sind:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Minderung des Konzentrationsvermögens
  • Minderung der allgemeinen psycho-physischen Leistungsfähigkeit
  • Gefühle allgemeinem Unwohlseins
  • Antriebsschwäche

Neben diesem meist vorhandenen Symptomen bei Durchschlafstörungen, können zudem eine vermehrte Reizbarkeit, eine mehr oder weniger stark ausgeprägte depressive Verstimmung oder auch Angstsymptome auftreten. Nicht selten beklagen Patienten, die an chronischen Durchschlafstörungen leiden, auch Muskelschmerzen oder andere Schmerzsymptome.

Die Durchschlafstörungen als solche werden von fast allen Betroffenen meist als quälend erlebt. Die Folgen ziehen oft erhebliche psycho-soziale Konsequenzen nach sich, insbesondere bei berufstätigen Menschen. Arbeitsverdichtung und steigende Leistungsanforderungen setzten den „ausgeschlafenen Mitarbeiter“ voraus. Der schlafgestörte Mitarbeiter hingegen ist in seiner körperlichen und insbesondere psychischen Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, was oft berufliche Probleme nach sich zieht, die ihrerseits in einem Teufelskreis die Durchschlafstörungen weiter verstärken. Ein Ausweg wird von vielen Menschen in der Benutzung von Schlafmitteln gesehen. Diese versprechen eine rasche Lösung des Problems, verschleiern in Wirklichkeit aber oft nur die Ursachen der Durchschlafstörungen und schaffen nicht selten neue Probleme. So ist paradoxer Weise bei nicht wenigen Menschen, die an chronischen Durchschlafstörungen leiden, die Ursache in dem gewohnheitsmäßigen Gebrauch von Schlafmitteln zu sehen. Man geht davon aus, dass sich bei etwa 5% aller Menschen mit chronischen Durchschlafstörungen eine Medikamentenabhängigkeit entwickelt hat.

Die Behandlung von Durchschlafstörungen setzt eine differenzierte Diagnostik voraus. Diese muss nicht sehr aufwendig sein. Eine spezielle Untersuchung in einem Schlaflabor ist nur in seltenen Fällen angezeigt. Als Basisdiagnostik gelten die ärztliche Anamneseerhebung, unter besonderer Berücksichtigung des Eruierens von Schlafgewohnheiten und schlafhemmenden äußeren Faktoren, eine gründliche körperliche Untersuchung und ein Basislabor. Eine psychotherapeutisch/psychiatrische Untersuchung ist bei hartnäckigen Durchschlafstörungen stets angebracht, weil in vielen Fällen Durchschlafstörungen Folge einer psychischen Problematik sind. So fehlen Durchschlafstörungen bei depressiven Verstimmungen von Krankheitswert kaum einmal, bei Angsterkrankungen und Suchterkrankungen bspw. sind Durchschlafstörungen sehr häufig.

Behandlungsmaßnahmen von Durchschlafstörungen lassen sich kategorisieren und in drei Gruppen einteilen:

  • Behandung körperlicher Faktoren: Hierzu gehört ggfs. die Behandlung einer Herzmuskelschwäche mit Ödembildung und eines Lungenasthma. Durch die verminderte Pumpleistung des Herzens lagert der Körper vermehrt Flüssigkeit ein (Ödeme), diese Ödeme sind, der Schwerkraft folgend, meist in der Knöchel- und Unterschenkelregion lokalisiert. Die nächtliche horizontale Lage erleichtert den Rückstrom der Ödeme und die Ausscheidung über die Niere. Ein Mensch mit einer Herzmuskelschwäche muss von daher im Regelfall nachts wiederholt zur Toilette gehen, um die Ödemflüssigkeit auszuscheiden. Beim Lungenasthma bspw. erklärt sich die nächtliche Atemnot über Schwankungen im Hormonspiegel (Cortisol), was über eine Veränderung der Bronchien und Bronchiolen zu einem Sauerstoffmangel führt.
  • Verbesserung der Schlafhygiene: Nicht selten resultieren Durchschlafstörungen auch aus Problemen der Schlafhygiene. Ungünstig ist es beispielsweise im Bett zu fernsehen oder gar bei laufendem Fernseher einzuschlafen. Selbst wenn das Einschlafen gelingt, wird die ständige optische und akustische Überreizung ein Wiedererwachen begünstigen. Die Einnahme schwerer Mahlzeiten am Abend und insbesondere der vermehrte Genuss von Alkohol können Ursachen für Durchschlafstörungen sein. Insbesondere Alkohol wird nicht selten als Ursache von Durchschlafstörungen verkannt, da alkoholische Getränke bekanntlich das Einschlafen fördern, die Schlafarchitektur wird allerdings beeinträchtigt. In der ersten Nachtphase kommt es meist zu einem bleiernem Schlaf. Der Abfall des Alkoholspiegels und das Anfluten von Abbauprodukten des Alkohols stören die Schlafarchitektur in der zweiten Nachthälfte oft empfindlich und führen in vielen Fällen zu Durchschlafstörungen.
  • Behandlung zugrunde liegender psychischer Probleme: Mehr als 80% aller Patienten mit ausgeprägten Durchschlafstörungen leiden vorübergehend oder länger anhaltend an psychischen Problemen. Am häufigsten sind Schlafstörungen in Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen. Bei einer schweren Depression ist das Schlafverhalten fast immer gestört. Typisch ist das Früherwachen. Quälende negative Gedanken halten vom Wiedereinschlafen ab. Bei Angsterkrankungen sind die Durchschlafstörungen oft verbunden mit Herzjagen, Schweißausbrüchen und Atemnot. Bei sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörungen brechen insbesondere nachts verdrängte Erinnerungen an schwer traumatisierende Erlebnisse auf. Der Schlaf ist häufig gestört durch Ängste und Alpträume. Bei Alkoholmissbrauch wird typischerweise die normale Abfolge von Schlafstadien gestört. Das Einschlafen gelingt meist schneller. Es werden nachweislich die für einen erholsamen Schlaf entscheidend verantwortlichen Tief- und REM-Schlafphasen unterdrückt. Es kommt zu einem unruhigen Schlaf, häufigen Alpträumen und einem frühen Erwachen. Die Behandlung der Durchschlafstörungen setzt in diesen und anderen Fällen eine Behandlung des ursächlichen Leidens an.
  • Die Therapie von Durchschlafstörungen ist in der Regel mehrgleisig und an den individuellen Erfordernissen ausgerichtet. Sie umfasst immer eine Schlafberatung, mit dem Ziel einer Reduktion ungünstiger Rituale und Schlafgewohnheiten und der Förderung gesünderer Lebensweisen. Insbesondere beim Vorliegen einer psychischen Problematik ist im Regelfall das Erlernen eines Entspannungsverfahrens angezeigt. Darüber hinaus ist in vielen Fällen eine fachpsychotherapeutische Behandlung angeraten, um tiefergehende seelische Probleme zu bearbeiten. Eine befristete medikamentöse Behandlung, mit geeigneten Substanzen ohne Abhängigkeitsproblematik, kann hilfreich sein.

Die Behandlung von Durchschlafstörungen in der Hardtwaldklinik II

Als psychosomatische Fachklinik mit mehr als 25-jähriger Tradition verfügt die Hardtwaldklinik II über vielfältige Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit Durchschlafstörungen. Die stationäre Unterbringung, ausschließlich in Einzelzimmern, ermöglicht es dem schlafgestörten Menschen aus einem konflikthaften häuslichen Milieu oder einer ihn überfordernden Arbeitssituation herauszutreten. Der äußere Abstand von Be- und Überlastungsfaktoren ist oft ein erster Schritt das Symptom zu überwinden. Mit dem Verlassen des gewohnten häuslichen Milieus müssen meist auch ungünstige Schlafgewohnheiten aufgegeben werden. So ist beispielsweise der Verzicht auf ein Fernsehgerät Voraussetzung für die Aufnahme in der Klinik. Obligatorisch erfolgt nach Aufnahme eine eingehende ärztliche Untersuchung. Körperliche Faktoren, die Durchschlafstörungen bedingen, können im Regelfall in der Hardtwaldklinik II mit behandelt werden. Es erfolgt eine individuelle Beratung über eine förderliche Schlafhygiene. Sportliche Maßnahmen und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die anderen Maßnahmen.

Der Schwerpunkt der Behandlung in der Hardtwaldklinik II liegt bei denjenigen Durchschlafstörungen, die durch psychische Probleme bedingt sind. Im vertraulichen Einzelgespräch, mit einem ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten, wird in jedem Fall abgeklärt, ob solche Faktoren maßgeblich verantwortlich sind für Auslösung und Aufrechterhaltung der Durchschlafstörung. Sind solche Faktoren zu identifizieren, wird in jedem Fall ein umfangreiches psychotherapeutisches Behandlungsangebot unterbreitet. Dies umfasst im Regelfall das Erlernen eines Standard-Entspannungsverfahrens, die Teilnahme an einer hochfrequenten Gruppentherapie (mindestens 6 Stunden pro Woche), begleitet durch Einzelgespräche, Visiten und ärztliche Sprechstunden.

Ergänzender Bestandteil einer stationären Behandlung in der Hardtwaldklinik II sind verschiedene Informations- und Vortragsveranstaltungen, die sich im engeren und weiteren Sinne mit der Frage von Schlaf- und Durchschlafstörungen beschäftigen. Gestufte sportliche Aktivitäten, Terrainwanderungen in freier Natur, Schwimmen (u. Saunieren) stellen weitere Angebote dar, stärker in Einklang mit dem eigenen Körper zu kommen und die Durchschlafstörungen zu überwinden.

Ein wesentliches Augenmerk wird in der Hardtwaldklinik II, unserem Grundverständnis als Rehabilitationseinrichtung folgend, auf die konkreten Auswirkungen der Durchschlafstörungen auf den privaten und beruflichen Alltag gelegt. In Zusammenarbeit mit Sozialpädagogen und klinikexternen Rehabilitationsberatern ermitteln wir frühzeitig, ob nach der stationären Behandlung noch ein Bedarf an weiteren Rehabilitationsmaßnahmen bestehen wird. Diese Frage stellt sich häufig z. b. bei Schichtarbeitern. Soweit möglich, werden Vorschläge für berufsfördernde Maßnahmen bereits während der stationären Behandlung eingeleitet. 

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