Angestoßen durch eine Visitation der Deutschen Rentenversicherung Bund im Februar 2004, wurde in der Hardtwaldklinik II eine ergotherapeutische Abteilung aufgebaut. Eine erste Projektphase diente der Information der Klinikmitarbeiter über Ergotherapie als Behandlungsverfahren und über spezielle Indikationen im Rahmen der psychosomatischen Rehabilitation. Hierfür konnten erfahrene Rehabilitationsmediziner als externe Referenten gewonnen werden. Diese trugen die Konzeption ihrer Klinik vor, unter besonderer Berücksichtigung ergotherapeutischer Behandlungselemente. Der leitende Ergotherapeut der Klinik am Homberg, stellte ergotherapeutische Techniken in Form eines Werkstattberichtes vor. Noch im Jahre 2004 wurde in der Klinik eine berufsübergreifende Arbeitsgruppe eingesetzt. Hier wurden Kriterien erarbeitet für eine Differenzierung zwischen den in der Klinik langjährig etablierten Kreativtherapien einerseits und der neu zu etablierenden Ergotherapie andererseits.

Im September 2005 begann die Phase der Entwicklung differenzierter ergotherapeutischer Behandlungskonzepte. Zugeschnitten auf die spezifischen Bedingungen der psychosomatischen Rehabilitation in der Hardtwaldklinik II, wurden sukzessive acht Gruppenkonzepte entwickelt, die in einer Experimentierphase alle klinisch erprobt wurden.

In der jetzigen Phase der routinisierten Anwendung ergotherapeutischer Diagnostik und Therapie beschäftigt die Hardtwaldklinik II drei Mitarbeiter. Es stehen der Ergotherapie drei Funktionsräume zur Verfügung und acht ergonomisch eingerichtete PC-Arbeitsplätze. Um Rehabilitanden in ihrer Fähigkeit zur Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gesellschaft zu unterstützen, greift die Ergotherapie in der Hardtwaldklinik II auf ein in Kanada entwickeltes Praxismodell CMOP zurück (Canadian Model of Occupationel Performance). Im Mittelpunkt dieser ergotherapeutischen Betrachtungsweise steht das Individuum mit seinen täglichen Handlungsdurchführungen. Dieses Modell betont den wichtigen Zusammenhang zwischen sinngebender Betätigung und persönlicher Gesundheit.

Ergotherapeutische Einzelbereitung bzw. Einzeltraining sind in der Hardtwaldklinik II möglich; konzeptuell stehen allerdings Gruppenangebote im Vordergrund. Nachfolgend werden die aktuellen Gruppenangebote der Ergotherapie vorgestellt.

1. „Berufs- und alltagsbezogenes Kompetenztraining“

Dies Gruppe wendet sich an Rehabilitanden, die aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen bzw. arbeitsmarktbedingt wichtige Kompetenzen für den Arbeitsalltag verloren haben. Therapeutisch werden die Lebensbereiche Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit angesprochen. Die Schwerpunktsetzung ist dabei im Hinblick auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Gruppenteilnehmer variabel. Elemente dieser Gruppe können beispielsweise alltagsstrukturiende Maßnahmen sein, aber auch Fragen der beruflichen Orientierung, bis hin zum gezielten Training eines Bewerbungsgespräches.

2. „Konzentrationstraining“

Beim Konzentrationstraining handelt es sich um ein offenes Gruppenangebot. Konzentrationstraining kann entweder in klassischer Form durchgeführt werden durch das Bearbeiten von Arbeitsblättern in der Gruppe, oder an insgesamt acht PC-Arbeitsplätzen mittels der standardisierten Cogpack-Software. In der Hardtwaldklinik II ergibt sich die Indikation für ein ergotherapeutisches Konzentrationstraining seltener durch neuropsychologische Defizite im engeren Sinne. Häufigste Indikationsstellungen sind konzentrative Beeinträchtigungen bei unterschiedlichen Formen depressiver Erkrankung.

3. „Projektgruppe“

Projektgruppen werden geschlossen durchgeführt mit entweder stärkerer gestalterischer oder handwerklicher Ausrichtung. Eine Indikation zur Teilnahme besteht insbesondere bei Antriebsarmut, bei Defiziten bezüglich der Planung und der Strukturierung von Arbeitsabläufen, bei negativer Selbsteinschätzung bzgl. der eigenen Arbeitsleistung und bei Problemen im kollegialen Umgang. Ziel dieser Gruppe sind die Steigerung von Motivation und Antrieb, die Verbesserung planerischer und strukturierender Fähigkeiten, sowie schließlich eine Verbesserung von Selbstwertgefühl und Teamfähigkeit.

4. „Klinikinterne berufliche Belastungserprobung“

Die interne Belastungserprobung wird in der Hardtwaldklinik II in Kleingruppen durchgeführt, jeweils nachmittags über einen Zeitraum von vier Stunden. Viele Rehabilitanden zeigen sich sehr verunsichert in der Selbsteinschätzung ihrer Arbeits- und beruflichen Leistungsfähigkeit. Die Teilnahme an der internen Belastungserprobung soll ihnen zu einer besseren Einschätzung und Bewertung von Fähigkeiten und noch bestehenden Funktionseinschränkungen verhelfen.

Nach jetzt mehr als zwei Jahren der routinisierten Anwendung ergotherapeutischer Diagnostik und Behandlungstechniken in der Hardtwaldklinik II, ist die Ergotherapie aus dem Behandlungsspektrum der Klinik nicht mehr wegzudenken. Die ergotherapeutischen Angeboten werden von Rehabilitanden sehr gut angenommen und im Rahmen der internen Befragung auch entsprechend positiv bewertet. Therapeutische Mitarbeiter schätzen vor allem die präzisen Rückmeldungen bezüglich des Verhaltens von Rehabilitanden in alltagsnahen Belastungssituationen. Die Ergotherapie liefert somit einen wichtigen und inzwischen als unverzichtbar erachteten Beitrag für die sozialmedizinische Einschätzung der Arbeits- und beruflichen Leistungsfähigkeit unserer Rehabilitanden.

 

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