Haarausfall durch seelische Störungen kommt häufig vor. Die Haut und Haare (Hautanhangsgebilde) stehen im Zusammenhang mit dem jeweiligen seelischen Befinden. Eine alte Erfahrung sagt, die Haut sei Spiegel der Psyche. Dies betrifft psychiatrische Erkrankungen und psychosomatische dermatologische Störungen (Alopecia areata und diffuser Haarausfall). Es folgt eine Zusammenstellung zum Thema Haarausfall mit einer Übersicht über psychosomatische Aspekte.

Haar ist ein hervortretendes Merkmal des Menschen. Die Kulturgeschichte zeigte, dass die Menschen den Haaren schon lange besondere Bedeutung beigemessen haben. Früher galten sie als Sitz der Psyche und der Lebenskraft und als Symbol körperlicher Stärke, weltlicher Macht und magischer Kräfte. Auch heute ist das Haar Zeichen von Individualität. Es soll den Menschen nicht nur verschönern, es bestimmt auch den Eindruck, den man von seiner Persönlichkeit hat.

Nach wie vor soll es nicht nur Respekt, sondern manchmal auch Furcht einflößen. Die Krieger im alten Griechenland hatten auf Helmen Haarbüschel angebracht, um Feinde in Furcht und Schrecken zu versetzen. Bei primitiven Völkern erfüllten zum Teil große Haaraufbauten die gleiche Funktion für die Herrschenden und Krieger. Heute noch geht es Punkern mit grellfarbiger Haartracht neben der Ablehnung der gesellschaftlichen Normen und ihrer Weltanschauung um vergleichbare Absichten.

Neben normalen und kuriosen Modeerscheinungen aber folgen die verschiedenen Haartypen wie Kopfhaare, Wimpern, Augenbrauen oder Körperhaare einer genetisch vorbestimmten Entwicklung und einem eigenen Zyklus. Abnorme Behaarung kann die individuellen Merkmale eines Menschen verändern, sich auf sein Wohlbefinden und seine zwischenmenschliche, gesellschaftliche und berufliche Position nachteilig auswirken und zu großer psychischer Belastung werden.

Dass Haarausfall auch außerhalb der reinen Organmedizin (Fachgebiet der Dermatologie) ein großes Thema ist, zeigen moderne Analysen schädigender Einwirkungen, die das Haar gleichsam zu einer Art Abbild des Lebens machen, das objektive Informationen liefern kann. So kann die organische Haarausfall - Analyse nicht nur viel zum Verständnis der Haarforschung beigetragen, sondern hilft auch über Rauschdrogen-Konsum, Medikamenteneinnahme und Blutgruppenmerkmale zu informieren. Haare haben gleichsam ein Langzeit-Gedächtnis und sind damit für vielerlei Funktionen interessant. Der ausgewachsene Mensch hat etwa 5 Millionen Haare, davon aber nur etwa 100.000 auf dem Kopf. Das Kopfhaar wächst 10mm/ Monat, bleibt 4 Jahre und fällt dann aus (80-100 Haare pro Tag).

Haarausfall: Haarerkrankungen

Dass Haare erkranken können, wird in der Allgemeinheit neben vorzeitigem Haarausfall und Glatzenbildung vor Allem durch rasches Ergrauen symbolisiert. Dass Haare schneller als üblich, also z.B. nach einigen Monate oder Wochen ergrauen können, ist möglich. Dies hängt damit zusammen, dass nur noch luftgefüllte (also nach außen sichtbar nur noch weiße) Haare und nicht normal pigmentierte Haare nachwachsen. So bleiben am Schluss überwiegend weiße Haare übrig und der Mensch ist in relativ kurzer Zeit grau geworden.

Noch schneller geht es bei bestimmten Haarerkrankungen, wenn plötzlich viele pigmentierte Haare ausfallen und nur noch die weißen übrig bleiben. Aber auch das hat dann nichts mit plötzlichem Ergrauen zu tun, sondern geht hier auf einen Ausfall der pigmentierten Haare zurück. Da nicht wenige Haar-Erkrankungen auch einen seelischen Anteil haben, sollen im Folgenden Hinweise zur Psychosomatik kranker Haare gegeben werden.

Zu den wichtigsten Haar-Erkrankungen unter psychosomatischen Gesichtspunkten gehören die Alopecia areata sowie der diffuse und/oder androgenetische Haarausfall.

Die Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall) ist eine recht häufige Haarerkrankung und äußert sich durch plötzliche kahle Hautstellen auf der Kopfhaut, im Bartbereich oder an anderen Körperteilen. Durch flächenhafte Ausbreitung können bis zu handtellergroße kahle Stellen auftreten. Meist heilen sie spontan ab. Manchmal droht vollständiger Haarverlust. Männer sollen häufiger betroffen sein als Frauen, vor allem beim Ausbruch des Leidens im Kindesalter und möglicherweise bevorzugt bei Dunkelhaarigen. Nach anderen Untersuchungen gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Am häufigsten sei die Krankheit im 2. - 3. Lebensjahrzehnt. Die Ursachen sind vermutlich vielschichtig, teils Vererbung, teils organischer Natur (Schilddrüsenerkrankung, Colitis ulcerosa, Polymyalgia rheumatica, Mangelernährung oder auch Dauerwellen), teils psychosomatisch (Störungen im Autoimmunsystem, abhängig von emotionalem, d.h. seelischem Stress).

Bei einer Störung im Immun-System könnten die körpereigenen Immunzellen die Haarwurzeln irrtümlich als fremd identifizieren und ggf. angreifen. Die Folge sind eine Entzündung und damit Haarausfall. Warum, das bleibt unklar. Möglicherweise hängt es auch mit Haarpigmenten zusammen. Erfahrungsgemäß sind im besonderen Maße pigmentierte Haare betroffen, während graue von der Entzündung eher verschont bleiben sollen. Seelische und psychosoziale Störungen scheinen Entstehung und Verlauf von kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) deutlich zu beeinflussen. Früher wurde sogar von plötzlichem Haarausfall aufgrund einer Extrembelastung berichtet. Heute weiß man, dass es oft länger bestehende Probleme sind. Nicht wenige Betroffene scheinen aufgrund erblicher Belastung oder frühkindlicher Entwicklungsstörungen empfindlicher auf emotionalen Stress zu reagieren.

Oft wurde auf das Vorkommen von Ängstlichkeit und Depressivität hingewiesen, sogar auf Psychosen und Verhaltensstörungen. In manchen Fällen häufen sich Schüchternheit, Unsicherheit, Zwanghaftigkeit, Passivität sowie Minderwertigkeitsgefühle. Nicht wenige Betroffene sind unfähig, ihre Emotionen durch Sprache oder entlastende Handlungen auszudrücken. Vor allem bei Kindern scheint die Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall) in Zusammenhang mit einem schmerzhaften realen oder auch symbolischen Verlusterlebnis zu stehen. Manchmal wird auf eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung hingewiesen, die beim Betroffenen in eine zu enge Abhängigkeit geführt habe. Eine große Belastung sind auf jeden Fall die sichtbaren Folgen des Haarausfalls. So kann der kleinste reale oder vermutete Verlust der Haare je nach Selbstwertgefühl und sonstigen Eigenheiten zu erheblichen Konsequenzen führen. Noch schlimmer wird es, wenn nicht nur die Kopfhaare, sondern auch Augenbrauen, Wimpern und Barthaare ausfallen. Nicht wenige Betroffene haben aber im Laufe dieser leidvollen Erkrankung gelernt, damit halbwegs gelassen umzugehen und vor allem ihre Umgebung daran zu gewöhnen, was diese in der Regel auch bereitwillig tut. Wenn dies nicht der Fall ist, kann eine entsprechende Behandlung (siehe unten) notwendig werden.

Therapie bei Haarausfall: Hier kommt der Psychotherapie/Psychosomatik (siehe unten) eine große Bedeutung zu. Aufgrund einer mehr oder weniger typischen Entwicklung werden einer - insbesondere psychoanalytisch orientierten - Psychotherapie gute Erfolge zugeschrieben. Patienten mit weniger ausgeprägten Fähigkeiten zur Introspektion ("Innenschau") können aber auch von Selbstsicherheitstraining und stützenden Therapien profitieren. Wichtig ist eine frühzeitige Behandlung im Kindes- und Jugendalter, um schwerwiegendere Langzeitfolgen zu verhindern. Man befürchtet: Je früher die Krankheit auftritt, desto schlechter sind die Heilungsaussichten, vor allem unbehandelt.

Der diffuse Haarausfall kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten ist der sogenannte "androgenetische" Haarausfall, der - häufiger beim Mann als bei der Frau - vor allem in den letzten Lebensjahrzehnten vorkommt, meist genetisch determiniert und nur wenig beeinflussbar ist (Geheimratsecken und Hinterhauptsglatze beim Mann, Ausdünnung im Bereich der Schläfenbeine bei der Frau).

Auch hier sind die Ursachen auf viele Möglichkeiten verteilt.

Selbst eine Reihe von organischen Krankheiten kann zu diffusem Haarausfall führen: Heuschnupfen, Schwangerschaft, Geburt, Klimakterium (Wechseljahre), Diabetes mellitus, Hypo- und Hyperthyreose (Fehlfunktion der Schilddrüse), Colitis ulcerosa, nach verschiedenen Infektionskrankheiten (Typhus, Scharlach, Syphilis, Pilzinfektionen u.a.), nach einer Reihe von Medikamenten (Pille oder Marcumar), auch nach örtlich schädigenden Einwirkungen (z. B. Dauerwelle) usw.

Diffuser Haarausfall ist aber auch nach gemütsmäßiger Erschütterung möglich. Dort kann er sogar länger anhalten als beispielsweise nach fieberhaften Erkrankungen. Bei emotionalem Stress kann es schon 2 - 4 Monate dauern, bis das Leiden richtig bewusst wird, um dann noch einmal ein halbes Jahr und mehr zu verunsichern. In der Mehrzahl der Fälle aber ist der Haarausfall nur vorübergehend. Nur in sehr ernsten Belastungssituationen sowie bei häufigen Rückfällen droht ein Totalausfall.

Die seelischen und psychosozialen Folgen sind schon beim "normalen" Haarausfall schwerwiegend. Und dort kann man sich noch relativ langsam darauf einstellen. Viel beeinträchtigender ist ein schneller und dramatischer Verlauf, der dann ohnehin emotional labile Menschen trifft, die schon länger unter entsprechenden Belastungen litten, um dann noch schlechter damit fertig zu werden.

Therapie: Es ist schon schwer, den Haarausfall zu akzeptieren, dessen Gründe man kennt (s. o.). Noch schwieriger wird es bei unbewussten Beeinträchtigungen. Entscheidend ist das "darüber reden", ggf. eine Psychotherapie (siehe unten), die dann auch Rücksicht auf die depressive Verarbeitung des Haarverlustes nimmt.

Haarausfall bei psychiatrischen Erkrankungen

Gemütsstörungen (Depression und Manie)

Bei der gleichen Person wechselnd kann das Haar bei der manisch-depressiven Erkrankung und bei der ausschließlich depressiv verlaufenden Schwermut bzw. rein manischen Hochstimmung verändert sein - und das mitunter tatsächlich "über Nacht".

Bei der Depression droht eine Vielzahl von körperlichen Beeinträchtigungen. Dabei können Haut und Haar besonders betroffen sein. So wird das Haar oft plötzlich über Wochen oder Monate, gelegentlich auch in einer ungewöhnlich raschen Zeitspanne, spröde, struppig, kurz.

Nicht selten ist auch ein meist diffuser Haarausfall. Das ist für die Betroffenen ein besonders belastender Aspekt, sieht man sich doch täglich und zwar handfest mit seinem "körperlichen Verfall" konfrontiert, den man auch noch unwiderruflich wähnt.

Der Haarausfall durch Depressionen geht jedoch nach Abklingen zurück.

Das Gegenteil findet sich dann bei einer Manie, der krankhaften Hochstimmung in seelischer, psychosozialer und sogar körperlicher Hinsicht. Hier wirken die Patienten um Jahre verjüngt. Das beweist tatsächlich auch ihr äußeres Erscheinungsbild: "blühendes Aussehen", temperamentvolle, und dabei doch natürliche, geschmeidige Bewegung, lebhafte Mimik, straffe Haut, leuchtende Augen usw. Vor allem aber gesundes, insbesondere glänzendes Haar, das sich gut legt und die insgesamt vorteilhafte Erscheinung gleichsam noch positiv abrundet.

Haarausfall bei Schizophrenie

Das Haar kann sich gelegentlich auch beim Schizophrenen verändern, wie beim Depressiven.

Haarausfall bei Alkoholismus

Beim Alkoholkranken kommt es neben anderen charakteristischen Merkmalen an der Haut gelegentlich zu einer ungewöhnlich dichten Kopfbehaarung, wobei das Haar (besonders beim weiblichen Geschlecht) zunehmend struppig und brüchig werden kann.

Therapie: Die Veränderung des Haares unter seelischen Störungen, vor allem durch manische und depressive Zustände, kann nur über die Veränderung der zugrunde liegenden Erkrankung beeinflusst werden. Das sind in der Regel neben Psycho- und Soziotherapie medikamentöse Maßnahmen.

DAS HAAR UND SEIN SEELISCHER EINFLUSS

Der menschliche Eindruck entsteht oft über den „Ersten Eindruck“ (in Sekunden-Schnelle), Gesicht, Bewegung, Kleidung sowie von der schwer definierbaren, weil letztlich von jedem in subjektiver Weise persönlich registrierten Aura von, Sympathie/Antipathie. Und vom Haar, und dies nicht zu gering. Dabei ist das Haar im Grunde schwer einzuordnen. Denn kein anderer Körperteil des Menschen ist so wandlungs- und damit aussagefähig, und sei es auch nur für einen begrenzten Zeitrahmen.

Darüber hinaus sind Haare wichtige und bei entsprechendem Kenntnisstand durchaus sichere Informationsträger, die Auskunft über unseren Gesundheitszustand, über Alter, Geschlecht und kulturelle sowie sprachliche Herkunft geben. Und natürlich informieren sie über soziale Gruppenzugehörigkeit und den Stand und Rang innerhalb einer gesellschaftlichen Ordnung. Darüber gibt es seit Jahrtausenden zahlreiche völkerkundliche und individuelle Beispiele. Haare sind wie Schlüsselreize für den ersten Eindruck. Sie lösen unmittelbare und eindeutige Sympathie- oder Antipathie-Bewertungen aus. Dies insbesondere beim weiblichen Geschlecht. Doch auch die Männer sind hier nicht ausgenommen. Das geht soweit, dass ein negativer Haar-Eindruck viele andere Merkmale unterdrückt.

HAARAUSFALL UND PSYCHOSOZIALE FOLGEN

Es wurde schon gefragt, welchen Stellenwert Äußerlichkeiten für die Beurteilung einer Persönlichkeit haben? Vor allem in zwischenmenschlichen, partnerschaftlichen, sexuellen, familiären, nachbarschaftlichen, beruflichen Situationen. Äußerlichkeiten spielen keine so große Rolle, werden die Meisten antworten. Es kommt auf "Innere Werte" an. In Wirklichkeit hat der äußere Aspekt einen großen Einfluss, besonders wenn man zu den weniger Bevorzugten in dieser oder jener Hinsicht gehört. Und dazu zählt auch das Haarkleid im Allgemeinen und die Kopfbehaarung. Denn welche Bedeutung Haare für den Menschen haben, merkt man spätestens dann, wenn sie sich lichten.

In der Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten

werden psychotherapeutische Behandlungen in vielfacher Weise im stationären Rahmen angeboten, so dass auch Patienten mit Haarausfall (Alopecia areata oder diffusa) hier eine umfassende, ursachenorientierte und sinnvolle Therapiemöglichkeit finden können. Im Rahmen tiefenpsychologischer, analytisch orientierter und verhaltenstherapeutischer Gruppentherapien sowie auch in den nonverbale Verfahren mit einbeziehenden Gruppen (Konzentrative Bewegungstherapie als körperorientiertes Verfahren sowie Musik- und Gestaltungstherapie) können der Erkrankung zugrunde liegende Belastungen und Konflikte aufgedeckt und bearbeitet werden, in patientenzentrierten therapeutischen Einzelgesprächen wird dies individuell ergänzt.

Im stationären Rahmen der Klinik wird dies auf sinnvolle Weise mit Möglichkeit zu körperlicher Betätigung, dem Erlernen eines Entspannungsverfahrens (Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) und ergänzenden physikalischen und physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll kombiniert. Eine kontinuierliche ärztliche Beratung und Betreuung einschließlich einer medizinischen Basisdiagnostik sind hier gegeben, so dass sich die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und -ansätze zur Therapie bei Haarausfall (Alopecia areata oder diffusa) und auch seiner Folgen sinnvoll ergänzen können. Der Patient bzw. die Patientin mit Haarausfall (Alopecia areata oder diffusa) können hier aktiv an einem Gesundungsprozess mitarbeiten. Da psychische Entwicklungsprozesse aber generell Zeit brauchen, wird häufig und in vielen Fällen auch eine längerfristige ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung im Anschluss an die stationäre Behandlung diese sinnvoll ergänzen.

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