Der regelmäßige Herzschlag ist subjektives Empfinden von Leben und Lebendigsein. Das Herz kann relativ langsam, schnell oder unregelmäßig schlagen. Als normal nimmt man einen Puls von 60 bis 100 Schlägen pro Minute an. Auch Gesunde haben jedoch häufig einen langsameren Puls, z. B. in Entspannungsphasen. Sportler haben manchmal einen langsamen Puls (bis zu 40 Schlägen pro Minute), ohne dass es zu Krankheitserscheinungen führt. Bei körperlicher Belastung oder im Stress steigt der Puls oft an („Trainingsfrequenz“, z. B. 180 Schläge pro Minute minus Lebensalter), um den Körper genügend mit Sauerstoff zu versorgen. Auch Herzgesunde verspüren gelegentlich ein Herzklopfen oder Herzstolpern. Im EKG kann man dies als Aussetzer oder Extraschläge nachweisen.

Der Herzrhythmus unterliegt in hohem Maße dem Einfluss des vegetativen oder auch autonomen Nervensystems mit seinem Anspannungspol, Sympathikus und seinem Erholungspol, Parasympatikus bzw. Vagus. Bei einem Ungleichgewicht dieses Systems können vermehrt Herzrhythmusstörungen auftreten.

Wenn diese Herzrhythmusstörungen als unangenehm empfunden werden, wobei die meisten Menschen sie nicht oder kaum wahrnehmen, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Eine genauere Bestimmung der Art von Herzrhythmusstörungen ist nur mit dem EKG, evtl. mit einem Langzeit-EKG über 24 Stunden möglich. Hiermit können harmlose Formen von ernsteren Störungen unterschieden werden.

Vor allem ist es notwendig festzustellen, ob andere Herzerkrankungen vorliegen. So können Herzrhythmusstörungen z. B. auf eine Veränderung der Herzkranzgefäße (coronare Herzkrankheit, KHK) hinweisen. Auch Herzmuskelentzündungen oder Herzklappenschädigungen können Herzrhythmusstörungen auslösen. Diese könnten eine Minderung der Pumpleistung, eine Herzschwäche, auslösen oder sogar zum Herzstillstand führen. Diese Komplikation ist der Grund zu dem viel geäußerten Rat, vor Aufnahme eines körperlichen Trainings, z. B. Joggen, zunächst den Arzt aufzusuchen, um eine Herzerkrankung auszuschließen. Weitere Ursachen für Herzrhythmusstörungen sind Stoffwechselstörungen, Schilddrüsenerkrankungen (Überfunktion), übermäßiger Gebrauch von Genussgiften (Alkohol, Coffein, Nikotin), oder auch angeborene Störungen.

Zur Therapie, vor allem bei Herzgesunden, sind Maßnahmen zur Stabilisierung des vegetativen Nervensystems günstig. Erreicht wird dies durch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training und Tiefenmuskelentspannung nach Jacobson (PMR), mäßiges körperliches Ausdauertraining, genügend Schlaf, evtl. Reduktion von Genussmitteln.

Höhergradige Herzrhythmusstörungen oder solche bei einer Herzkrankheit können medikamentös behandelt werden, vor allem mit dem sogenannten Betarezeptorenblockern. Als eingreifende Maßnahmen bei potentiell lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen verschiedene Herzschrittmachersysteme zum Einsatz.

Die Psychotherapie kann vor allem bei den als quälend erlebten, aber ärztlich als funktionell bzw. nicht bedrohlich eingeschätzten Herzrhythmusstörungen hilfreich eingesetzt werden. Sie kann bei der Feststellung und Korrektur ungünstiger Verhaltensweisen helfen. Oftmals sind diese dem besten Willen ja kaum zugänglich; wer kennt nicht die sogenannten Silvesterwünsche. Solche ungünstigen Verhaltensweisen sind öfter Teil anderer Erkrankungen wie depressiven Verstimmungen, Angsterkrankungen etc. Neben tiefenpsychologisch orientierten Verfahren bietet die Verhaltenstherapie sehr wirksame Programme, z. B. als Stressbewältigungstraining. Hierzu gehören auch die genannten Entspannungsverfahren die eine eigenverantwortliche „Basis-Psychotherapie“ bei regelmäßiger Anwendung ermöglichen.

In der Hardtwaldklinik II werden Herzrhythmusstörungen bei der ärztlichen Mitbehandlung berücksichtigt mit der Möglichkeit fachärztlich-internistische Diagnostik und Beratung.

Meist sind funktionelle Herzrhythmusstörungen Teilsymptome eines breiteren, psychosomatischen (körperlich-seelischen) Leidens. Durch ihren appellativen Charakter haben sie jedoch gute Signalwirkung, um den Patienten auf tiefere Störungen aufmerksam zu machen wie etwa ein klapperndes Geräusch in einem Automotor. Nach Abklärung körperlicher Ursachen und weiter bestehender Beeinträchtigung oder Verängstigung ist eine psycho-somatische Untersuchung und Therapie notwendig, zunächst ambulant, dann aber auch stationär möglich, wie in der Hardtwaldklinik II durchgeführt.

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