Eine Schwellung, Vergrößerung der Schilddrüse (Glandula thyreoidea) nennt man im Volksmund Kropf, in der internistischen Terminologie Struma. Die Ausprägung reicht von kaum sichtbar (nur bei zurückgelegtem Kopf) Stadium I, über deutlich sichtbare Formen, Stadium II, bis zu ausgeprägten Vergrößerungen, die andere Halsorgane durch Druck und Verdrängung beeinträchtigen, Stadium III.

Der Kropf verursacht Druckgefühl, Kloßgefühl im Hals, Schluckbeschwerden, Kleidungsstücke (Kragen, Krawatte) werden plötzlich als beengend empfunden. Erst bei höheren Stadien kommt es zu Luftnot, Heiserkeit, Beeinträchtigung der Durchblutungsverhältnisse.

In der Schilddrüse wird das Schilddrüsenhormon (Thyroxin) gebildet. Die normale Funktionslage mit ausreichender Hormonmenge wird als Euthyreose (eu= griechisch gut, normal) bezeichnet. Des Weiteren gibt es die Unterfunktion (Hypothyreose) und die Überfunktion (Hyperthyreose). Für die Bildung des Schilddrüsenhormons wird Jod benötigt, 180 bis 200 µg pro Tag. In Schwangerschaft und Stillzeit reicht der Bedarf bis 260 µg pro Tag.

Jod kommt besonders reichhaltig in Seefisch und Meeresfrüchten vor; das Binnenland gilt als Jodmangel-Gebiet. In der Literatur wird angegeben, dass die von der WHO empfohlene Jodaufnahme in Deutschland nur ca. 50 % beträgt. 30 % der Bevölkerung sind von Jodmangelerscheinungen betroffen. Diesem häufigen Phänomen begegnet man mit der Jodierung von Speisesalz. Im Gegensatz zu anderen Ländern hat sich dies in Deutschland nicht allgemein durchgesetzt. In der Schweiz z. B. konnte man jedoch hiermit die Werte um 90 % reduzieren.

Bei Jodmangel droht ein Mangel an Schilddrüsen-Hormon, das eine lebensnotwendige Funktion in vielen Stoffwechselprozessen hat. Als Gegenregulation wird die Schilddrüse zu vermehrter Aktivität (Syntheseleistung) angeregt - und somit zur Kropf -Bildung -, um das vorhandene Jod optimal auszunutzen. Dies geschieht durch ein Steuerhormon aus der Hypophyse (Hirnanhangdrüse), das TSH (Thyreoidea stimmulierendes Hormon). Dieses übt einen Wachstumsreiz auf die Schilddrüsenzellen aus, die sich vergrößern oder vermehren, womit die Schilddrüse sich vergrößert und einen Kropf bildet. Dies kann diffus geschehen oder bei längerer Krankheitsdauer mit Bildung von Knoten im Gewebe einhergehen. Beim häufigsten Fall der euthyreoten Struma wird noch genügend Schilddrüsenhormon gebildet um den Preis der Organvergrößerung (Kropf).

Die Diagnostik beim Kropf ist relativ einfach. Neben der klinischen Untersuchung wird vor allem der Spiegel des Regelhormons TSH gemessen, woraus man recht genau auf die Funktionslage der Schilddrüse schließen kann. Dies lässt sich durch Messung des Schilddrüsenhormons Thyroxin und seines Verwandten Trijodthyronin präzisieren; bei normalen Werten spricht man von Euthyreose. Die Schilddrüsengröße lässt sich mit der Sonografie genau bestimmen, was für Verlaufsbeobachtungen von Bedeutung ist. Anhand der Volumenabnahme des Kropf es kann der Erfolg der Behandlung abgelesen werden. Darüber hinaus kann die Gewebebeschaffenheit beurteilt werden auf diffuse oder knotige Veränderungen hin. Im letzteren Falle ist unter Umständen eine weiterführende Diagnostik mit der Szintigrafie (Anwendung kurzfristig radioaktiver Substanzen) oder die Punktion der verdächtigen Areale erforderlich.

Die Behandlung beim Kropf geschieht meist auf medikamentösem Wege.

1. Jüngere Patienten mit diffusem Kropf erhalten lediglich eine Jodidsubstitution (Ersatzgabe) in der Dosis von 200 µg pro Tag.

2. Ältere Patienten mit diffusem Kropf erhalten Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin). Beginnend mit 50 µg pro Tag erhöht man die Dosierung im Verlaufe einiger Wochen auf 100 µg pro Tag.

3. Man kann die Gabe von Jodid und L-Thyroxin kombinieren, wofür es fertige Handelspräparate gibt.

Die Behandlung muss ärztlich überwacht werden um nicht die Entwicklung einer Schilddrüsenüberfunktion zu übersehen. Der Behandlungsverlauf sollte 1 Jahr betragen, womit eine Reduktion der Schilddrüsengröße um ca. 30 % erwartet werden kann. Meist empfiehlt sich eine anschließende vorsorgliche Dauerbehandlung (Prophylaxe) mit einer reduzierten Jodid-Dosis von 100 µg pro Tag.

4. In folgenden Fällen wird die operative Schilddrüsenentfernung erwogen:

  • Großer Knoten- Kropf, Verdacht auf Bösartigkeit von Knoten, Kropf mit Autonomie, d.h. nicht beeinflussbare Hormonproduktion.

5. Die Radio-Jod-Therapie kommt zum Einsatz, wenn Gründe gegen die Operation sprechen, z. B. schlechter Allgemeinzustand. Dabei kommt die Bestrahlung und Verkleinerung der Schilddrüse durch Anreicherung von radioaktivem Jod im Organ zu Stande. Beim heutigen Stand der Operationstechniken kommt diese Methode jedoch nur noch relativ selten zur Anwendung.

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