Die Psychosomatik der Magenschmerzen

Magenschmerzen sind sehr verbreitete Beschwerden. Unter Magenschmerzen leidet nahezu jeder Mensch irgendwann einmal im Verlaufe seines Lebens.

Magenschmerzen: Krankheitsbild

Häufig liegen die Ursachen in übertriebenem Genussmittelgebrauch (Zigaretten, Alkohol, Kaffee), in Schmerzmittelmissbrauch (ASS) oder sind die Folge der Aufnahme übermäßiger oder zu fetter Nahrung, deren Verdauung schwierig ist.

Obwohl Magenschmerzen häufig ein harmloses Symptom sind, sollten sie, insbesondere wenn sie wiederholt und regelmäßig, lang andauernd oder mit großer Intensität auftreten, vom Arzt diagnostiziert und behandelt werden.

Ursachen für die Magenschmerzen können Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre oder sogar Tumore sein, obwohl in den meisten Fällen (bei ca. 40 - 60 % der Patienten in allgemeinärztlichen Praxen) die Ursachen für unklare Oberbauchbeschwerden, unter denen man auch Magenschmerzen einordnet, funktioneller Natur sind.

Magenschmerzen bei einem Magengeschwür sind meist scharf umschrieben, bei anderen Magenerkrankungen eher diffus. Gibt es einen charakteristischen Verlauf der Schmerzempfindung im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme, so sind die Ursachen oft in einem Ungleichgewicht der Säure- und Schleimhautproduktion zu finden.

Vor einer Mahlzeit nehmen die Magenschmerzen oft zu; nach der Nahrungsaufnahme, die zur Bindung der Magensäure führt, vermindern sich die Magenschmerzen.

Die Ursachen von Magenschmerzen zu finden, ist oft schwierig. Meist wird ein wahrscheinlicher Zusammenhang unterstellt, der schwer überprüfbar ist.

Für die Bezeichnung funktioneller Oberbauchbeschwerden - zu diesen zählen auch Magenschmerzen - werden häufig auch folgende Begriffe verwendet:

  • Dyspepsie
  • Gastritis (Magenschleimhautentzündung)
  • Magenneurose
  • Reizmagen
  • nervöser Magen
  • Gastropathie
  • oder vegetative Dystonie.

Die unten aufgelisteten Beschwerden gehen häufig mit funktionellen Oberbauchbeschwerden einher:

  • Mundtrockenheit
  • Schlechter Mundgeruch
  • Zungenbrennen
  • Schluckbeschwerden
  • Krampf- und Druckgefühle
  • Aufstoßen
  • Sodbrennen
  • Blähungen
  • Appetitstörungen
  • Übelkeit und Erbrechen.

Sind gravierende organische Ursachen für die Magenschmerzen ausgeschlossen worden, muss man bei den dann als funktionell zu bezeichnenden Magenbeschwerden immer auch an seelische Verursachungen denken.

In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass mit lang andauernden funktionellen Oberbauchbeschwerden häufig depressive Verstimmungen oder auch ausgeprägtere depressive Erkrankungen einhergehen.

Der Volksmund kennt verschiedene Redewendungen und Sprachbilder, die den Zusammenhang zwischen meist belastenden Erfahrungen und Reaktionen des Magens beschreiben. Menschen, die unter Magenschmerzen leiden, sagen häufig, es sei ihnen „etwas auf den Magen geschlagen“. Andere Äußerungen sind: „Ich bin sauer.“ - „Es liegt mir etwas wie ein Stein im Magen.“ - „Ich schlucke alles herunter.“ - „Es ist zum Kotzen.“ - „Etwas kotzt mich an.“ - „Es dreht sich mir der Magen um".- Etwas ist schwer zu verdauen".- „Das ist mir übel aufgestoßen".

Die meisten dieser sprachlichen Wendungen im Zusammenhang mit dem Auftreten von Magenschmerzen benennen Zusammenhänge zwischen Erfahrungen der Überlastung (Stress), Gefühlen von Wut, Ärger und dem Auftreten der Beschwerden.

Menschen mit häufig auftretenden funktionell bedingten Magenschmerzen sind oft sehr verantwortungsbewusst, engagieren sich für andere und zeigen eine ausgesprochene Helferhaltung.

Sie reagieren sehr empfindlich auf die ungerechte Behandlung ihrer Mitmenschen und setzten sich für die Rechte anderer ein, während es ihnen sehr schwer fällt, eigene Wünsche und Bedürfnisse adäquat zu äußern und durchzusetzen. Dies weist meist auf Defizite auf dem Gebiet soziale Kompetenzen hin. Auf dem Gebiet der Selbstfürsorge, was unter anderem bedeutet, sich genügend für sich nehmen zu können und Befriedigung auf diesem Wege zu erlangen, gibt es ebenfalls Defizite. Oft liegen uneingestandene nicht zu befriedigende und übergroße Wünsche nach Zuwendung zu Grunde, die niemals nach außen getragen werden, und zu enttäuschenden Interaktionen mit Mitmenschen führen.

Magenschmerzen: Funktion des Magens

Um zu verstehen, wie die ungünstige Verarbeitung von Stress und den angesprochenen Gefühlen zur Entstehung von Magenschmerzen beiträgt, ist es aufschlussreich, sich die anatomischen Besonderheiten des Magens anzusehen: Der Magen ist ein unpaarig angelegtes Hohlorgan mit dreischichtiger muskulärer Wand, auf deren Innenseite eine schützende Schleimhaut liegt. Die Schleimhaut hat die Aufgabe, die Magenwände gegen die hochaggressiven Magensäfte (neben verschiedenen Enzymen überwiegend Magensäure) zu schützen.

Den Magenschmerzen liegt häufig eine nervöse Fehlsteuerung zu Grunde. Diese führt zu einem Ungleichgewicht zwischen den schützenden und den aggressiven Faktoren des Magens. So kann eine zu gering ausgeprägte Schleimhaut durch die Magensäfte gereizt oder geschädigt werden, was zur Entstehung einer Magenschleimhautentzündung oder eines Magengeschwürs beiträgt. Auch ist denkbar, dass die Tätigkeit der Magenmuskulatur beeinträchtigt ist.

Häufig auftretende „starke“ Gefühle, die keinen angemessenen Ausdruck finden, können zum Auftreten eines chronisch gesteigerten Erregungsniveaus beitragen und damit auch zur Veränderung der Innervation des überwiegend parasympathisch gesteuerten Magengewebes.

Veränderungen der muskulären Tätigkeit des Magens, Veränderungen der Säureproduktion sowie der Schleimhautproduktion können zu einem Ungleichgewicht führen, in deren Folge es zum Auftreten von Magenschmerzen kommt.

Magenschmerzen: Therapie

Zur Behandlung funktionell bedingter Magenschmerzen gehören neben medikamentöser und physikalischer Behandlung diätetische Maßnahmen, aber auch die psychotherapeutische Behandlung.

Ziel der psychotherapeutischen Maßnahmen ist zunächst die Bewusstwerdung innerer chronischer Konflikte, die Unterstützung des Patienten bei der Verbesserung selbstfürsorglicher Verhaltensweisen sowie die Förderung sozialer Kompetenzen, die es dem Patienten erlauben, einen anderen Umgang mit Stressbelastungen wie auch mit Gefühlen von Wut, Ärger, Neid und Gier zu finden.

Bei häufig auftretenden Magenschmerzen sind langfristig neben einer medikamentösen Behandlung auch Veränderungen im Verhalten und in der allgemeinen Lebensführung notwendig.

Zu Beginn sollte eine sorgfältige Analyse des Zusammenhangs zwischen auslösenden Faktoren und dem Auftreten der Magenschmerzen durchgeführt werden, wie dies auch in der stationären Psychotherapie in der Hardtwaldklinik II umgesetzt wird. Essgewohnheiten sollten verändert werden.

Regelmäßige, dosierte Nahrungsaufnahme in einer angenehmen Umgebung ist empfehlenswert. Der Genussmittelgebrauch sollte überprüft und auch hier ein maßvoller Genuss angestrebt werden.

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