Die Psychosomatik des Morbus Crohn (Enteritis regionalis)

Krankheitsbild Morbus Crohn:

Der Morbus Crohn ist eine unspezifische, granulomatöse (=knötchenförmige Neubildung innerhalb des Darms) und entzündliche Erkrankung, die hauptsächlich Teile des Dünndarms befällt, aber auch an anderen Stellen des gesamten Verdauungstraktes auftreten kann. Die Rate von jährlichen Neuerkrankungen des Morbus Crohn zeigt eine zunehmende Häufung. Hauptsächlich tritt die Erkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf und betrifft häufiger Frauen als Männer. Außerdem wird eine familiäre Häufung beschrieben. 

Die körperliche Symptomatik des Morbus Crohn besteht aus dem Auftreten von 

  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Gewichtsabnahme
  • Fieber
  • Blutige Stühle
  • Analfissurfistel
  • Erbrechen
  • Gelenkbeschwerden
  • Rückenschmerzen

Die typischen körperlichen Komplikationen des Morbus Crohn können sein 

  • Fistelbildung
  • Darmperforationen
  • Zunehmende kolikartige Bauchschmerzen
  • Darmverschlüsse
  • Systemische Störungen wie Gelenkentzündungen, Augenentzündungen oder Folgen allgemeiner Mangelernährung

Aus psychischer Sicht sind unterschiedliche Auslöser für das Auftreten des Morbus Crohn denkbar. Der Ausbruch der Erkrankung kann nach Verlusterlebnissen der Betroffenen - beispielsweise durch Todesfälle von nahestehenden Bezugspersonen, aber auch nach Trennungserlebnissen - hervorgerufen werden. Denkbare Auslöser können aber auch die Übernahme größerer Verantwortung sein, sowie Kränkungserlebnisse, Zurückweisungen oder Überforderungsgefühle.

Mögliche psychische Ursachen für Morbus Crohn können bis in die Kindheit und das familiäre Umfeld der Betroffenen zurückverfolgt werden oder zeigen sich in der Persönlichkeit der Betroffenen selbst. So werden beispielsweise sehr enge Bindungen der Erkrankten an ihre Mütter in der kindlichen Entwicklung beschrieben, wobei die Mütter als ängstlich, aber auch dominierend und wenig emotionale Wärme gebend erlebt wurden. Die Väter der Betroffenen Morbus Crohn Erkrankten wurden im Gegensatz dazu häufig distanziert erlebt. In den Familien bestand oft ein enger familiärer Zusammenhang, in dem es für die Betroffenen kaum möglich war sich frei zu entwickeln. Das Äußern von Gefühlen war tabuisiert. Somit herrschten häufig Gefühle von Hilf- und Hoffnungslosigkeit vor.

Die möglichen Auswirkungen auf die Entwicklung der Persönlichkeit von Menschen, die später an Morbus Crohn erkranken, sind breit gestreut. Es kann zur Ausbildung einer betonten, nach außen gekehrten Selbstsicherheit mit scheinbar unabhängigem Verhalten kommen, zu einer Neigung, Probleme und Beschwerden eher zu verleugnen oder herunterzuspielen sowie aggressive Gefühle nur wenig zulassen zu können. Mitunter herrscht eine perfektionistische Haltung mit starken Kontrollbedürfnissen vor.

Aus psychischer Sicht kommt es symptomatisch nach dem Auftreten der körperlichen Symptome zur Ausbildung von ausgeprägten depressiven Gefühlen und Stimmungsschwankungen als Krankheitsfolge. 

Therapie des Morbus Crohn:

Die ambulanten wie stationären Therapiemöglichkeiten des Morbus Crohn  bestehen aus internistischen und psychotherapeutischen, ggf. auch notfallmäßigen chirurgischen Maßnahmen. Es kommen sowohl diätetische wie medikamentöse Therapien zur Anwendung.

Therapie des Morbus Crohn in der Hardtwaldklinik II:

Die stationäre Therapie des Morbus Crohn in der Hardtwaldklinik II besteht aus einer patientenorientierten internistischen Behandlung, in deren Rahmen auch eine individuelle medikamentöse wie diätetische Therapie erfolgen kann, in Kombination mit psychotherapeutischen Maßnahmen, die eng miteinander vernetzt sind. Stützende und konfliktzentrierte psychotherapeutische Einzelgespräche, aber auch Gruppentherapie kommen zur Anwendung. Kombiniert werden können damit kreativpsychotherapeutische Gruppen- und Einzelverfahren wie Konzentrative Bewegungstherapie (KBT), Gestaltungstherapie oder Musiktherapie.

Krankheitsbewältigung ist ein vorrangiges Thema. Ergänzend kommen Entspannungsverfahren wie Autogenes Training (AT) oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson  (PMR) hinzu, die unterstützend auf den psychotherapeutischen Prozess wirken. Parallel zur individuellen Beratung der Betroffenen kommen noch Allgemeinmaßnahmen zur Anwendung.

Besonderer Wert wird dabei auch auf eine enge Kooperation zwischen Klinik und niedergelassenen Fachkollegen gelegt, um eine möglichst umfassende Versorgung auch im Hinblick auf eine mögliche Fortsetzung der Therapie im ambulanten Setting zu gewährleisten.

Die Kombination organmedizinischer und psychotherapeutischer Maßnahmen ergibt eine optimale Behandlungsmöglichkeit des Morbus Crohn mit deutlich besseren Langzeitergebnissen gegenüber Einzelmaßnahmen.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

Ihr J. Böttner

Assistenzarzt

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