Unter Schwindel versteht man eine körperliche Missempfindung, die sich in unterschiedlicher Form zeigen kann. Sie kann als Drehschwindel oder als Gleichgewichtsstörung empfunden werden. Subjektiv wird Schwindel unterschiedlich wahrgenommen. Einerseits als Körperschwankung oder als Schwankung der Umgebung bis hin zu einem Gefühl eines „komischen Schwebegefühls im Kopf“. Der Schwindel ist ein Phänomen, das im Gegensatz zu anderen Belastungen wie Angst und Depression nicht rein psychisch erlebt wird, sondern immer auch als eine körperliche Form der Beeinträchtigung. Schwindel wird somit sowohl psychisch als auch körperlich als irritierend und beeinträchtigend erlebt. Er kann über den seelischen und körperlichen Gleichgewichtsverlust auch einen moralischen Verlust des Gleichgewichtes ausdrücken.

Etwa 60 % aller Patienten erleben irgendwann einmal ein Schwindelsymptom. Der Anteil der psychisch verursachten Schwindelsymptome beträgt ca. 25 bis 30 %. Bei etwa 40 % aller körperlich bedingten Schwindelsymptome spielen psychische Faktoren für die subjektiv empfundene Intensität des Schwindels und für den Verlauf der Symptomatik eine wesentliche Rolle, z. B. bei einer länger dauernden Schwindelsymptomatik. Der psychisch bedingte Schwindel beeinträchtigt die Lebensqualität von Betroffenen nicht weniger als eine organische Krankheit. Psychische Ursachen werden oft nicht erkannt oder erst nach langer Suche nach körperlichen Symptomen, vor allem wenn bereits eine lange Schwindelsymptomatik vorliegt.

Psychische Störungen, die psychogenen Schwindel verursachen:

Einem organischen nicht erklärbaren Schwindel können vielfältige psychische Störungen zugrunde liegen. Wenn Schwindel als Symptom allein und ohne Begleitung weiterer psychischer oder organischer Symptome auftritt wird er als monosymptomatisch bezeichnet und kann in engem Zusammenhang mit einer Angsterkrankung oder einer Depression stehen, aber auch als Ausdruck einer somatoformen Störung, d. h. einer psychischen Störung, die sich körperlich ausdrückt. Insbesondere bei älteren Patienten treten Schwindel - Zustände auf, wenn eine depressive Störung vorliegt. Bei 78 % aller Betroffenen tritt Schwindel neben anderen psychischen und körperlichen Symptomen auf, z.B. parallel zu einer Angststörung oder einer Depression. Man spricht dann z.B. vom Schwindel als einem Angstkorrelat (der Schwindel begleitet den wahrgenommenen Angstaffekt). Ebenfalls kann eine depressive Erkrankung von einer Schwindel - Symptomatik begleitet sein, genauso wie eine somatoforme Störung. Sowohl bei organisch als auch psychisch bedingten Schwindel - Zuständen können sich - als Reaktion auf dieses Symptom - depressive Störungen entwickeln. Bei organisch bedingten Schwindel - Zuständen kann das zur Fehldiagnose eines psychogen bedingten Schwindels führen.

Erscheinungsformen von Symptomen bei psychogenem Schwindel:

Der psychisch verursachte Schwindel kann monosymptomatisch, also allein, oder verbunden mit anderen Symptomen auftreten. Charakteristisch für einen monosymptomatischen Schwindel (also psychogen bedingten Schwindel) ist das Empfinden eines „Schwankschwindels“ oder eines diffusen Schwindel s. Der Betroffene fühlt sich dann „wie betrunken“, als habe er ein „Leeregefühl im Kopf“ oder spürt „Gangunsicherheit“. Der „Dauerschwindel“ ist dabei häufiger als ein „Attackenschwindel“ und kann an Intensität zu- oder abnehmen. Prinzipiell können aber alle Schwindelarten, d. h. auch ein Dreh - Schwindel mit subjektiver Fallneigung, psychisch bedingt sein. Typische Auslösersituationen für den Beginn einer Schwindelsymptomatik sind Angstsituationen z. B. in Menschenmengen, bei Gedränge, in Fahrstühlen, in Verkehrsmitteln, beim Steckenbleiben im Stau. Begleitend zum Schwindel können Symptome wie Angst, Herzrasen, Engegefühl, Atemnot, Mundtrockenheit auftreten.

Oft tritt der Schwindel an Stelle eines entsprechenden Angstsymptoms auf oder als Ausdruck von Schuld- und Schamgefühlen. Dabei wird der eigentlich zugrunde liegende psychische Zustand erfolgreich verdrängt und durch den Schwindel ersetzt. Die „Ausschaltung“ des zugrunde liegenden psychischen Zustandes bringt zunächst vorübergehend eine psychische Entlastung. Die zugrunde liegende Angst oder Scham wird dann nicht bewusst wahrgenommen. Gleichwohl tritt eine z. B. zugrunde liegende Angst anders in Erscheinung, z.B. in Form der Angst zu fallen oder zu sterben, sich hilflos zu fühlen und ausgeliefert oder beschämt zu sein. Häufig ist die Vorstellung, an einer psychischen Störung zu leiden, mit Schamgefühlen und Angst verbunden, nicht ernst genommen zu werden oder als Simulant zu gelten, unerträglich.

Es ist auch eine Wechselwirkung zwischen Schwindel und Angst zu beobachten. Insbesondere bei agoraphobischen Ängsten treten Schwindelsymptome auf. Dabei nehmen bestimmte Personen gewisse körperliche Veränderungen stärker wahr als andere, reagieren empfindlicher auf Veränderungen und können sich dagegen schlechter abschirmen. Es folgt oft eine „katastrophisierende Verarbeitung“, die eine phobische Reaktion und Angstsymptome und damit einhergehend Schwindel auslösen kann. Dieser phobischen Reaktion auf gewisse körperliche- und Wahrnehmungsveränderungen liegen häufig verschiedene psychische Störungen zugrunde. Oft sind es depressive Symptome, die sich in Antriebsmangel, Rückzugsverhalten, Schlafstörungen, Appetit- und Lustlosigkeit äußern. Die Patienten machen dann, ähnlich wie bei Angststörungen, häufig den Schwindel für die damit verbundenen Einschränkungen durch die Depression verantwortlich.

Eine wichtige Rolle können auch vorangegangene Belastungs- und Konfliktsituationen spielen, z. B. Verlusterlebnisse durch Tod eines Angehörigen oder eines Freundes oder der Verlust des Arbeitsplatzes usw. Ebenso können familiäre oder berufliche Konflikte Auslöser eines phobischen Schwankschwindels sein. Der zeitliche Beginn der Symptomatik kann in direktem Zusammenhang mit solchen Ereignissen stehen, der Schwindel kann aber auch mit einer mehrwöchigen Verzögerung auftreten. Fast immer ist dem Betroffenen selbst ein Zusammenhang nicht bewusst. Oft steht am Beginn einer Schwindelsymptomatik ein traumatisches Ereignis, eine gestörte Beziehung oder unlösbare und unerträgliche Konfliktsituationen. Bei länger bestehender Symptomatik kommt es sekundär zu Konditionierungsprozessen, d. h. die psychosomatische Reaktion oder der Schwindelanfall tritt auch unabhängig von der auslösenden Situation auf. Oft wird dadurch der auslösende Konflikt verdeckt, was die Diagnose erschwert. Manchmal werden Gefühlszustände wie Gefühle der Selbstentfremdung (Depersonalisation) als Schwindel erlebt. Betroffene schildern dann häufig diffuse Schwindelgefühle oder Benommenheit, ein Schwebegefühl im Kopf oder ein Gefühl als ob man nicht wirklich da sei.

Psychischer Schwindel infolge von leichten organischen Verletzungen:

Psychisch bedingter Schwindel kann sich nach ursprünglich organischer Erkrankung, z. B. durch eine geringfügige Verletzung wie HWS-Schleuder-Trauma entwickeln, nicht selten mit einer zeitlichen Verzögerung. Da eine Störung des Labyrinthsystems durch ein Schleudertrauma nach etwa sechs bis acht Wochen in der Regel vom zentralen Nervensystems ausgeglichen werden kann, spricht man bei einem Dauerschwindel, der über Monate oder Jahre hinweg empfunden wird, von einer psychogenen Verursachung oder Fixierung. Dabei kann anfangs der Schwindel organisch begründet sein, geht später jedoch in einen psychogen bedingten Schwindel über. Die Art des Schwindels kann sich verändern z. B. vom Dreh- zum Schwankschwindel oder zum diffusen Schwindel.

Therapie beim psychogenen Schwindel:

Die Therapie beim psychogenen Schwindel richtet sich nach der psychosomatischen und psychischen Störung, in deren Rahmen er auftritt. Dabei wird nach den Ursachen und den Zusammenhängen der Lebensumfeldbedingungen beim Entwickeln des Schwindelsymptoms gefragt und an der Lösung der dabei beteiligten inneren und äußeren Konflikte gearbeitet.

Die Hardtwaldklik II in Bad Zwesten verfügt über ein vielfältiges Angebot an Therapiemöglichkeiten, die auf verschiedene Weise dazu beitragen können, den psychischen Störungen, die einer Schwindel - Symptomatik zugrunde liegen zu bewältigen und damit verbundene Symptome und Schwierigkeiten zu verbessern. Es werden verschiedene Aspekte des sozialen Umfeldes, der persönlichen Leidens- und Lebensgeschichte beleuchtet und mit Hilfe integrativer therapeutischer Maßnahme versucht, neue Sichtweisen und Lösungswege und vielleicht auch eine neue innere und äußere Orientierungen zu finden. Es können auch neue Anstöße für eine ambulante Weiterbehandlung gegeben werden.

Das therapeutische Angebot der Hardtwaldklinik II zur Bewältigung Ängsten, Depressionen und deren Begleitsymptome wie Schwindel setzt sich zusammen aus einzeltherapeutischen Sitzungen, tiefenpsychologisch fundierten, analytisch orientierten Gesprächsgruppen und verhaltenstherapeutischen Gruppen, kreativtherapeutischen Gruppen wie Bewegungs-, Gestaltungs- und Musiktherapie, physiotherapeutischen und physikalischen Maßnahmen, balneophysikalischen Maßnahmen und Entspannungsverfahren. Begleitend werden sportliche und Freizeit-Aktivitäten sowie informative Vorträge zu verschiedenen Themen angeboten.

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