Die Psychosomatik des Ulcus duodeni

Bei dem Krankheitsbild Ulcus duodeni (= Zwölffinger darmgeschwür) spielt wissenschaftlich anerkannterweise neben rein körpermedizinischen Anteilen auch die psychosoziale Komponente eine wichtige Rolle. Es ist eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Die Erkrankungshäufigkeit liegt bei ca. 150 Personen pro 100000 Einwohner. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Neben einer ausgeprägten Schmerzsymptomatik können erhebliche Komplikationen auftreten. Z. B. Ulcusblutung, Perforation, Penetration. Im Folgenden soll kurz darauf eingegangen werden, wie das Krankheitsbild entsteht, welche Symptomatik auftreten kann und wie das Fachgebiet der psychotherapeutischen/ psychosomatischen Medizin dabei in der Hardtwaldklinik II eingesetzt wird.

Beim Ulcus duodeni liegt ein Schleimhautdefekt vor. Dabei können unterschiedliche Ursachen eine Rolle spielen. Psychische Faktoren spielen z. B. neben bakteriellen Infektionen oder Übersäuerung eine Rolle.

Bei über 80% der betroffenen Patienten liegt bei Ulcus duodeni eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori vor. Dieser Keim tritt jedoch auch bei vielen Gesunden auf. D.h. Der Keim ist nicht die alleinige Ursache, sondern wirkt wohlmöglich nur in Kombination mit zusätzlichen Risikofaktoren wie z.B. psychosozialem Stress, Nikotinabusus o.ä.

Eine weitere recht häufige Ursache für das Ulcus duodeni kann der Gebrauch schleimhautschädigender Medikamente, z.B. verschiedener Schmerzmittel (NSAR) sein.

Genetische Faktoren spielen auch eine wichtige Rolle. Z.B. die Blutgruppe 0 und das HLA-Antigen B5.

Das innere Gleichgewicht schützender und aggressiver Faktoren (physiologisch und psychologisch) ist durcheinander geraten. Vegetative Abläufe wie Motorik, Durchblutung, Schleim- und Säureproduktion sind mitverantwortlich.

Heftige Oberbauchschmerzen stehen als Symptom im Vordergrund. Sie treten episodisch auf und können verbunden sein mit einem Druck-, Völlegefühl, Inappetenz und Brechreiz.

Es kann zu blutigem Erbrechen kommen und zu Teerstühlen. Die Blutverluste können zu einer Anämie (Blutarmut) führen. Durch verminderte Sauerstofftransportfähigkeit entstehen Müdigkeit und Erschöpfung.

Direkte hochspezifische Symptome lassen sich jedoch nicht in jedem Fall benennen. Vielmehr kann eine Vielzahl unterschiedlicher Beschwerden auf ein Ulcus duodeni hinweisen. Manchmal kann sogar eine Herzsymptomatik ähnliche Beschwerden wie o.g. bewirken und muss daher ausgeschlossen werden.

Eine genaue differenzierte Diagnostik des Ulcus duodeni mit z.B. Anamnese, Labor, Sonographie, Gastroskopie, Bakteriennachweiß usw. ist nötig.

Erste organmedizinische Behandlungsschritte wären dann die z. B. die Einhaltung eines geregelten Tagesablaufs, Zeit zum Essen, Vermeiden scharfer Gewürze, Nikotin- und Alkoholkarenz. Es sollte Kaffee auf nüchternen Magen vermieden werden.

Beim Nachweis des o.g. genannten Bakteriums kommt dann eine sogenannte Tripeltherapie (Kombination von Antibiotika und Säurehemmstoffen) über 7 Tage in Frage.

Ohne Nachweis des Bakteriums werden Säurehemmer und Säureschutzpräparate eingesetzt.

Drei bedeutende psychologische Auslösefaktoren für ein Ulcus duodeni sind zu nennen:

1. Stresssituationen z. B. gesellschaftlicher Art, Arbeitsplatzverlust, Erdbeben o.ä.

2. Geborgenheitsverlust durch z.B. Ablösungsprozess, Verlassen des Elternhauses, Scheidung.

3. Zuwachs an Verantwortung, z.B. beruflicher Aufstieg, Selbst- und Fremdüberforderung

Aktive und passive Ulcus-Persönlichkeiten wurden beschrieben:

Beim aktiven Typus können z. B. Abhängigkeitswünsche durch gegensätzliches Verhalten unterdrückt werden. Dabei kommt es leicht zur Selbstüberforderung.

Dies könnte ein Individuum sein, welches kaum Hilfe von Außen akzeptieren kann und sich mit Verantwortung überfordert. Der Ehrgeiz könnte den Menschen aufzehren und z. B. Arbeitskollegen empfänden die Person als unangenehm und konkurrierend.

Beim passiven Typus werden z. B. Versorgungsbedürfnisse oft enttäuscht.

Bei diesen Menschen werden die regressiven Wünsche offener benannt. Die Realität enttäuscht oft und erzeugt inneren Stress.

Therapie des Ulcus duodeni in der Hardwaldklinik II:

Die Therapie des Ulcus duodeni ist vielschichtig, da es verschiedene organmedizinische und psychogenetische (psychologisch bedingte) Ursachen gibt. Die Betroffenen müssen häufig erst mit der Zeit lernen, dass neben guten und schnell wirkenden medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten längerfristige psychotherapeutische Ansätze sinnvoll sind. Es gibt einige medikamentöse Therapiemöglichkeiten und zugelassene Medikamente (z.B. sogenannte Tripeltherapie), die jedoch vielen Patienten mit Ulcus duodeni noch keine ausreichende Linderung bringen.

Aufgrund der oben beschriebenen psychisch-nervlichen Verursachung der Erkrankung ist es darüber hinaus besonders sinnvoll, diese Ursachen der Ulcus duodeni -Erkrankung mit psychosomatisch-psychotherapeutischen Methoden zu behandeln. Das bedeutet, dass im Rahmen der Psychotherapie die zugrunde liegenden Konflikte, negativen Gefühle und Belastungen (z. B. häufige Angst, unbewusste Aggressivität) aufgedeckt und dem Patienten bewusster gemacht werden, damit der Betroffene allmählich lernt, mit diesen Gefühlen anders umzugehen und konstruktivere und sinnvollere Lösungsmöglichkeiten zu finden. So werden in einer sinnvollen Psychotherapie sowohl lebensgeschichtliche Ursachen und erlernte Verhaltensmuster sowie auch die aktuelle Lebenssituation des Ulcus duodeni -Patienten mit einbezogen. Psychotherapeutische Einzel- und Gruppenverfahren im ambulanten und stationären Setting sind dazu sinnvoll, ebenso wie das Erlernen von Entspannungstechniken und eventuell eine veränderte Lebensführung.

In der Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten werden solche psychotherapeutischen Behandlungen in vielfacher Weise im stationären Rahmen angeboten, so dass auch Patienten mit Ulcus duodeni hier eine umfassende, ursachenorientierte und sinnvolle Therapiemöglichkeit finden können. Im Rahmen tiefenpsychologischer, analytisch orientierter und verhaltenstherapeutischer Gruppentherapien sowie auch in den nonverbale Verfahren mit einbeziehenden Gruppen (Konzentrative Bewegungstherapie als körperorientiertes Verfahren sowie Musik- und Gestaltungstherapie) können der Erkrankung zugrunde liegende Belastungen und Konflikte aufgedeckt und bearbeitet werden. In patientenzentrierten therapeutischen Einzelgesprächen wird dies individuell unterstützt.

Im stationären Rahmen der Klinik kann auf sinnvolle Weise mit Diätberatung durch Fachpersonal, mögliche Ernährungsumstellung, Möglichkeit zu körperlicher Betätigung, mit Erlernen eines Entspannungsverfahrens (Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) und ergänzenden physikalischen und physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten qualifiziert geholfen werden.

Eine kontinuierliche ärztliche Beratung und Betreuung einschließlich einer medizinischen Basisdiagnostik und auch der Möglichkeit zu einer medikamentösen Behandlung ist hier gegeben, so dass sich die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und -ansätze zur Therapie des Ulcus duodeni sinnvoll ergänzen können. Der Patient bzw. die Patientin mit Ulcus duodeni können hier aktiv an einem Gesundungsprozess mitarbeiten. Da psychische Entwicklungsprozesse aber generell Zeit brauchen, ist häufig und in vielen Fällen auch eine längerfristige ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung im Anschluss an die stationäre Behandlung angebracht.

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