Informieren Sie sich auch über unsere weiteren Artikel rund um die Stationäre Psychotherapie:

1. Chancen und Schwierigkeiten

2. Indikation

3. Untersuchungsergebnisse

4. Therapieprobleme

5. Patientenprobleme

6. Stationäre Psychotherapie

Untersuchungsergebnisse der stationären Psychotherapie

Ergebnisse der Behandlungsdokumentation (BEDOK)

An der psychosomatisch/psychotherapeutischen Klinik Schömberg wurde im Rahmen einer Behandlungsdokumentation BEDOK (Lamprecht et al 1986, Schmidt et al 1989) die klinisch-psychotherapeutische Arbeit hinterfragt. Im Rahmen der kontinuierlichen Erhebung von Behandlungsdaten ergaben sich im Jahre 1990 u. a. folgende Untersuchungsergebnisse (N = 1556):

Alter der Patienten 44,6 Jahre

Verweildauer 52,7 Tage

Krankheitsdauer über 5 Jahre 50,7%, über 10 Jahre 33,9%

Anteil der „Psychotherapiepatienten“ 69,9%

Patienten mit Suchtproblematik 23,1%

Anteil der Rentenantragssteller 7,4%

Anteil der Frauen 57,2%

Untersuchungsergebnisse durch die „Zauberberg“-Studie

Die Wirksamkeit stationärer Psychotherapie lässt sich an den beobachtbaren Veränderungen messen. Im Rahmen einer prospektiven Beobachtungs-Verlaufs-Studie – der so genannten „Zauberberg“-Studie – wurden 364 Patienten in der Klinik Schömberg über insgesamt vier Messzeitpunkte hinweg per Fragebogenmethodik untersucht (bei Aufnahme, vor Entlassung, ein bzw. drei Jahre nach Entlassung; vgl. z. B. Lamprecht und Schmidt 1990, Schmidt 1991). Die Untersuchungsergebnisse der Patientenstichprobe repräsentiert eine Population, die mehrheitlich wohl kaum den Zugang zu einem niedergelassenen Psychotherapeuten oder zu einer universitären Spezialabteilung gefunden hätte:

etwa 67% der Patienten fühlten sich zur Behandlung „geschickt“,

über 60% besaßen höchstens einen Hauptschulabschluss

etwa 40% wiesen eine Erkrankungsdauer von über 10 Jahren auf und können

somit als chronifiziert bezeichnet werden;

und 10.7% der Patienten waren Rentenantragssteller.

Um ein möglichst umfassendes Bild über kurz- und längerfristige Behandlungs- und Untersuchungsergebnisse und deren Bedingungen (Stichwort: Einflussfaktoren) zu gewinnen, wurden eine Fülle von Prädikator-, Behandlungs- und Kriterienvariablen in die Studie einbezogen (insgesamt über 500 Untersuchungsvariablen). Erfasst wurden Ergebniskriterien, die teils monetär bewertbar sind, sich teils aber einer solchen Bewertung entziehen; gemessen wurden sowohl singuläre Kriterien, d. h. Einzeldimensionen subjektiver und quasiobjektiver natur, die isoliert betrachtet werden können (z. B. Veränderungen in Bezug auf Beschwerden, Leistungsfähigkeit, Arbeitsunfähigkeitszeiten, Medikamentenkonsum, Inanspruchnahme medizinischer Leistungen) als auch multiple Ergebniskriterien, welche im Sinne von aggregierten Gesamtindices umfassendere Gradmesser für die Nützlichkeit der untersuchten Behandlungen darstellen (vgl. Schmidt 1991; Schmidt et al 1987).

Die katamnestischen Erfassungsquoten lagen bei 61,3% (1-Jahres-Katamnese) bzw. 56,3% (3-Jahres-Katamnese); knapp 70% der Patienten haben sich zumindest an eine der beiden Nacherhebungen beteiligt.

Auf die Vielfalt der komplexen Befunde kann hier nur hingewiesen werden, exemplarisch genannt seien aber einige Untersuchungsergebnisse der Einzelbefunde:

  • etwa 2/3 der Patienten beurteilten in beiden Katamnesen ihre Beschwerden als gebessert;
  • bei etwa jedem vierten Patienten waren die Beschwerden unverändert vorhanden oder wieder aufgetreten;
  • bei knapp 5% hatten sie sich subjektiv verschlechtert.

Beim Vergleich der drei 12-Monatszeiträume (PRÄ (1 Jahr vor der Behandlung), POST-1 (1 Jahr nach der Behandlung) und POST-2 (zum Zeitpunkt der 3-Jahres-Katamnese) ergaben sich unmittelbare, statistisch hoch signifikante Reduktionseffekte im kostenrelevanten Bereich, die – mit Tendenz in Richtung Abschwächung – auch im POST-2-Zeitraum noch anhielten: Im Direktvergleich der Zeiträume PRÄ und POST-2 zeigten sich folgende Untersuchungsergebnisse:

ein Rückgang der durchschnittlichen Krankschreibungstage von 57,7 Tage

(PRÄ) auf 38,5 Tage (POST-2); entsprechend einer Reduktion um 33,3%;

ein Rückgang der durchschnittlichen Krankenhaustage von 12,5 (PRÄ)

auf 6,9 Tage (POST-2); entsprechend einer Reduktion um 44,9%;

ein Rückgang der Anzahl von Arztbesuchen bei 42,8%

im POST-2-Zeitraum. Bei 31,2% konnte keine Veränderung beobachtet

werden, bei 26% nahmen die Arztbesuche zu;

ein Rückgang im Medikamentenkonsum bei 51,3%

im POST-2-Zeitraum. Bei 35,1% blieb der Konsum unverändert, bei 13,6%

nahm er zu.

Während die Merkmale Geschlecht, Schulabschluss, Kostenträger und Hauptdiagnosen keinen Einfluss auf die Ausprägung des (multiplen) Behandlungsergebnisses haben (in Abhängigkeit unterschiedlicher Kategorien zeigen sich hier keine statistisch bedeutsamen Mittelwertsunterschiede), hängt das Ergebnis jedoch offensichtlich mit verschiedenen Ausprägungsgraden der Variablen Alter, Dauer der Hauptsymptomatik, Status Rentenantragssteller, Aufenthaltsdauer und Inanspruchnahme von Gruppentherapie ab, d. h.:

  • Patienten mit einer Aufenthaltsdauer über 6 Wochen zeigen z. B. nach der Entlassung günstigere Untersuchungsergebnisse als Patienten mit kürzerer Verweildauer;
  • bei längerer Verweildauer ist hingegen kein markanter „Zugewinn“ beobachtbar,
  • desgleichen zeigen Patienten, welche gruppentherapeutisch behandelt wurden, günstigere Ausprägungen im multiplen Ergebniskriterium als Patienten ohne Gruppentherapie

Zusammengefasst dokumentieren die Untersuchungsergebnisse der „Zauberberg“-Studie, dass sich die stationäre psychosomatisch/psychotherapeutische Behandlung kurz- oder längerfristig Kosten senkend im monetären Bereich auswirkt und darüber hinaus eine Vielzahl von auch längerfristigen Veränderungen beobachtet werden können, welche u. a. den subjektiven Einstellungs- und Verhaltensbereich betreffen. 

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