Die Psychosomatik des Zähneknirschens

Für viele Menschen stellt das Zähneknirschen eine unbewusste Gewohnheit dar. Sie sind sich dessen möglicherweise solange nicht bewusst, bis ihnen jemand sagt, dass sie während des Schlafens ein lautes Knirschgeräusch produzieren. Das Zähneknirschen im Schlaf kann zu schmerzhaften oder lockeren Zähnen führen und manchmal den umgebenden Knochen und das Zahnhaltegewebe zerstören.

Einige Patienten schaffen es im Laufe der Jahre, ihre Schneidezähne abzuschleifen, Scharten hineinzuwetzen oder ihre Eckzähne abzuhobeln. Viele Beschwerden wie Verspannungen, Kiefergelenkschmerzen, Nacken- und Rückenschmerzen usw. sind nicht selten Folge einer fehlerhaften Bisslage (Verzahnung).

Das Ermitteln und Beseitigen solcher Fehlbelastungen im Gebiss vor oder nach Eingliedern von Zahnersatz, führt oft zu Verschwinden der Beschwerden.

Die Zähne des Menschen sind auch ein Gradmesser seines seelischen Zustandes. Ein großer Anteil des Pressens, Beißens und Zähneknirschens sind seelischen Ursprungs. Die Spannungen ungelöster Probleme, Belastungen, Ärger und Sorgen übertragen sich nicht nur auf Schulter-, Nacken- oder Stirnmuskulatur, wo sie Kopfschmerzen, Seh- und Konzentrationsstörungen sowie schmerzhaften Muskelhartspann hervorrufen.

Mögliche Therapien beim Zähneknirschen im Schlaf:

Beide Kiefergelenke stellen das Scharnier für den Unterkiefer dar. Sie enthalten Strukturen (Gelenkscheibe aus Faserknorpel, Gelenkkapsel, Gelenkköpfchen), die auf Dauerbelastung empfindlich reagieren können. Solche ungewöhnlichen Belastungen treten beim Knirschen, Pressen sowie bei Fehlbelastungen und Fehlkontakten der Zähne aber auch bei einem funktionsuntüchtigem Zahnersatz auf. Diese Fehlkontakte werden durch eine Funktionsanalyse aufgedeckt. Mögliche Folgen von Fehlkontakten der Zähne sind Schäden oder Zerstörung der Gelenkscheibe, Knorpelschäden, Entzündungen im Gelenk oder in der Kapsel (Arthritis), knöcherne Verformungen des Gelenkkopfes. Die Behandlung kann erst nach ausführlicher Anamnese und Funktionsanalyse erfolgen. Häufig werden so genannte Aufbissschienen verwendet.

Zusammenhänge von Stress und Zähneknirschen

Das Zähneknirschen ist definiert als vorwiegend nächtliches Pressen und Reiben der Zähne, welches Zahnschäden und Kiefer- oder Gesichtsschmerzen zur Folge haben kann. Bruxismus bedeutet einfach: Unwillkürliches Knirschen und Pressen der Zahnreihen zu nicht funktionellen Zwecken. Ursachen sind neben "Aufbissstörungen" psychoreaktive Faktoren und Stress. Bisherige Befunde verschiedener Arbeitsgruppen zeigen eine differentielle elektromyographische Reaktion von Bruxisten (im Vergleich zu Kontrollpersonen) unter einer Belastungsbedingung mit Leistungscharakter. Weiterhin zeigen sich Zusammenhänge zwischen psychometrischen Belastungsmaßnahmen und der Anzahl abradierter Flächen auf einer diagnostischen Aufbißschiene.

Psychosomatiker empfehlen, den Zusammenhang von Stressverarbeitung und Zähneknirschen in der Therapie zu berücksichtigen.

Die Therapie gegen Zähneknirschen ist komplex, da es relativ wenige eindeutig und schnell wirksame Therapiemöglichkeiten gibt. Aufgrund der beschriebenen psychisch-nervlichen Mitverursachung der Erkrankung ist es besonders sinnvoll, die Ursachen des Zähneknirschen mit psychosomatisch-psychotherapeutischen Methoden zu behandeln. Das bedeutet, dass im Rahmen der Psychotherapie die zugrunde liegenden Konflikte, negativen Gefühle und Belastungen (z. B. häufige Angst, unbewusste Aggressivität) aufgedeckt und dem Patienten bewusster gemacht werden, damit der Betroffene allmählich lernt, mit diesen Gefühlen anders umzugehen und konstruktivere und sinnvollere Lösungsmöglichkeiten zu finden. So werden in einer sinnvollen Psychotherapie sowohl lebensgeschichtliche Ursachen und erlernte Verhaltensmuster sowie auch die aktuelle Lebenssituation des Bruxismus-Patienten mit einbezogen. Psychotherapeutische Einzel- und Gruppenverfahren im ambulanten und stationären Setting sind dazu sinnvoll, ebenso wie das Erlernen von Entspannungstechniken und eventuell eine veränderte Lebensführung.

In der Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten werden solche psychotherapeutischen Behandlungen in vielfacher Weise im stationären Rahmen angeboten, so dass auch Patienten mit Zähneknirschen hier eine umfassende, ursachenorientierte und sinnvolle Therapiemöglichkeit finden können. Im Rahmen tiefenpsychologischer, analytisch orientierter und verhaltenstherapeutischer Gruppentherapien sowie auch in den nonverbale Verfahren mit einbeziehenden Gruppen (Konzentrative Bewegungstherapie als körperorientiertes Verfahren sowie Musik- und Gestaltungstherapie) können der Erkrankung zugrunde liegende Belastungen und Konflikte aufgedeckt und bearbeitet werden, in patientenzentrierten therapeutischen Einzelgesprächen wird dies individuell ergänzt.

Im stationären Rahmen der Klinik wird dies auf sinnvolle Weise mit Möglichkeit zu körperlicher Betätigung, dem Erlernen eines Entspannungsverfahrens (Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) und ergänzenden physikalischen und physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll kombiniert. Eine kontinuierliche ärztliche Beratung und Betreuung einschließlich einer medizinischen Basisdiagnostik sind hier gegeben, sodass sich die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und -ansätze zur Therapie des Zähneknirschen sinnvoll ergänzen können. Der Patient bzw. die Patientin mit Bruxismus können hier aktiv an einem Gesundungsprozess mitarbeiten. Da psychische Entwicklungsprozesse aber generell Zeit brauchen, wird häufig und in vielen Fällen auch eine längerfristige ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung im Anschluss an die stationäre Behandlung diese sinnvoll ergänzen. 

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