HARDTWALDKLINIK II

Krankenhausabteilung

Das Behandlungskonzept

Unser Ausgangspunkt ist ein ganzheitliches Krankheitsmodell

Wir betrachten die gesundheitlichen Probleme unserer Patienten auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene. Unser ganzheitlicher Behandlungsansatz zielt auf alle drei Ebenen ab, wobei psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen meist im Vordergrund stehen. Die therapeutische Grundausrichtung der Krankenhausabteilung ist tiefenpsychologisch. Wir integrieren verhaltenstherapeutische und traumatherapeutische Maßnahmen wie z.B. Psychoeduktation, Imagination und Traumaexposition.

Psychosomatische Krankenhausbehandlung

Zwischenmenschliche Probleme haben eine große Bedeutung für die Entstehung psychischer bzw. psychosomatischer Erkrankungen. Wir verstehen die zur Behandlung führende Symptomatik meist als krankmachende Spätfolgen verinnerlichter Schwierigkeiten und Konflikte mit wichtigen Bezugspersonen oder  als direkten Ausdruck traumatisierender Beziehungserfahrungen.

Die Psychosomatische Krankenhausbehandlung ist deshalb für uns in erster Linie ein komplexes Beziehungsgeschehen. Anders als in der ambulanten Psychotherapie, sind bei der stationären Behandlung stets mehrere ärztliche und nicht ärztliche Therapeuten beteiligt. Die Zuständigkeiten sind klar geregelt. Es gibt eine feste Zuordnung zu den Therapeuten und Pflegenden, die für Sie als primäre Ansprechpartner fungieren.

Ärztlicher Bezugstherapeut

Eine zentrale Bedeutung im Behandlungsprozess kommt dem ärztlichen und psychologischen  Bezugstherapeuten zu. Er koordiniert die Diagnostik, erstellt einen individuellen Behandlungsplan, und führt unter ober- und chefärztlicher Supervision die Einzel- und gegebenenfalls auch die Gruppenpsychotherapie durch.

Die Behandlungsintensität ist individuell auf das jeweilige Problem abgestimmt. In der Regel gehen wir von täglichen ärztlichen bzw. psychologischen Therapiekontakten aus, Einzelgespräche finden zweimal die Woche statt. Ärztliche Sprechstunden bzw. Visiten führen wir samstags sowie sonn- und feiertags durch den diensthabenden Arzt der Klinik durch.

Beziehungskonstanz

Das Prinzip der Beziehungskonstanz berücksichtigen wir auch bei Gruppentherapien. Die halboffen durchgeführten Gruppen finden jeweils in fixer Kopplung von Gesprächsgruppenpsychotherapie und zugeordneten Kreativverfahren wie Gestaltungs- und Bewegungstherapie statt. Insgesamt gibt es wöchentlich fünfmal pro Woche Gruppentherapien.

Diese hohe Dichte fördert das Vertrauen der Gruppenteilnehmer untereinander als wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen therapeutischen Prozess.

Ärztliche und psychologische Gruppenpsychotherapeuten sowie Kreativtherapeuten, die an der gleichen therapeutischen Gruppe mitwirken, stehen in einem engen fachlichen Austausch. Dies gewährleistet einen kontinuierlichen Gruppenprozess.

Der Pflegedienst der Klinik führt die Bezugspflege durch. Nach Erhebung der Pflegeanamnese und Erstellen der Pflegeplanung, steht ein Mitarbeiter des Pflegeteams während des gesamten Behandlungsprozesses als vorwiegender Ansprechpartner zur Verfügung. Pflegekräfte übernehmen fachspezifische Aufgaben im Rahmen des Entspannungs- und Stabilisierungstrainings und erleichtern somit den Transfer therapeutischer Inhalte in den Stationsalltag.

Behandlungssettings

Nach erfolgter Diagnostik sind folgende Behandlungssettings in der Krankenhausabteilung möglich:

Konfliktorientiertes Setting

Für Patienten in ambulanter Psychotherapie deren Behandlungsprozess stagniert.

Trotz Krise besteht eine ausreichende Stabilität für eine intensive psychotherapeutische Bearbeitung der zu Grunde liegenden Konflikte. Diese geschieht in hoher Dichte von sowohl Einzel- als auch Gruppentherapie.

Um den Zugang zu innerem Erleben und Emotionen zu verbessern, kommt kreativtherapeutischen Verfahren ein besonderer Stellenwert zu. Zur Anwendung kommen sowohl die Kunst- und Gestaltungstherapie als auch die Konzentrative Bewegungstherapie.

Stabilisierendes Setting

Besonders für Patienten mit akuten Belastungsstörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Persönlichkeitsstörungen.

Das Leiden dieser Patienten besteht oftmals darin, dass sie von traumatischen inneren Bildern überflutet werden oder unter Verhaltensweisen oder Körpersensationen leiden, die auf ein traumatisches (Wieder)-Erleben zurückzuführen sind.

Inhaltlich geht es vorwiegend um Stabilisierung und Ressourcenorientierung. Die Therapeuten arbeiten mit klaren Vorgaben. Sie führen Übungen durch, die geeignet sind, die Kontakt- und Beziehungsfähigkeit zu steigern. Der Wahrung individueller Abgrenzungsbedürfnisse wird in besonderer Weise Rechnung getragen. Ist die Stabilisierung im ausreichenden Maße gegeben , kann gezielt Traumaexposition mittels EMDR stattfinden.

Krisenintervention

Bei krisenhafter Verschlimmerung einer Erkrankung führen wir eine zeitlich begrenzte Krisenintervention durch. Voraussetzung ist eine laufende ambulante Psychotherapie, die nach Krankenhausentlassung fortgeführt werden kann.

Die stationäre Therapie hat in diesem Fall die Zielsetzung einer Symptomentlastung und einer Klärung der akuten Konflikt- bzw. Krisensituation.

Intendiert ist ausdrücklich nicht die tiefergehende Aufarbeitung zu Grunde liegender innerer Konflikte. Dies bleibt der fortzuführenden ambulanten Psychotherapie vorbehalten.

Es können klärende Ehepaar- oder Familiengespräche in der Klinik geführt werden.

Spezielle Angebote

Aktuell bieten wir begleitend  ein Adipositas/Bewegungsbehandlungskonzept für Patienten bis 150 kg mit spezieller Ernährungstherapie, Lernmodulen in der Gruppe und speziellem Sportprogramm (Personal Training) an.