Inhalt:

  1. Faktoren bei stationärer Behandlung
  2. Mobbing: Abgrenzung zu Konflikten am Arbeitsplatz
  3. Mobbing - Handlungen
  4. Fünf Phasen des Mobbing
  5. Mobbing - Folgen
  6. Was kann man gegen Mobbing tun?

1. Faktoren bei stationärer Behandlung

Die „öffentliche Schädigung“ des Menschen im Mobbingprozess kann es notwendig machen, dass eine psychosomatische stationäre Aufnahme erfolgen muß. Der gemobbte Mensch braucht Distanzierung zu seinem äußerst belastenden Alltag. Im stationären Rahmen ist der Betroffene vor öffentlichem Druck geschützt, und seine Privatsphäre in diesen Belangen wird geschützt.

Der Betroffene kann in der Fachklinik in einem multiprofessionellen Team mit verschiedenen Ansätzen behandelt werden, u.a. mit: Berufskompetenzgruppe, nonverbale, ergotherapeutische Gruppentherapie, Einzelpsychotherapie, körpermedizinische Therapie, Organisation und Einleitung von berufsfördernden Maßnahmen, Konzentrationstraining. Als besonders hilfreich hat sich immer wieder die soziale Unterstützung durch Mitbetroffene in der Gruppensituation und im Kliniksetting erwiesen.

Bei den meisten Menschen finden sich mehrere innere und äußere Bedingungsfaktoren, die berufsbezogene Probleme verschärfen können. In der folgenden Liste sind einige Faktoren bzw. „Erklärungsmodelle“ gesammelt, die helfen können, einzelne Faktoren genauer zu betrachten und herauszuarbeiten:

  • Modell der psychischen Störung: Neurotische Störung, Persönlichkeits- bzw. Entwicklungsstörung
  • Belastungs- und Beanspruchungsmodell, Stressmodell, Traumamodell: Arbeitsbedingen und frühere Traumatisierungen
  • Individuelle Bewältigungsstrategien: Coping, Ressourcen, Fähigkeiten
  • Motivationsmodell: Motivation und Zufriedenheit
  • Medizinisches Modell: Körperliche Erkrankungen
  • Familiäre Probleme, (finanzielle) Existenzsorgen

2. Mobbing – Abgrenzung zu Konflikten am Arbeitsplatz

Mobbing ist ein extremer sozialer Stressor. Ohne konkret hierzu befragt worden zu sein, gaben ca. zehn Prozent von Patienten einer psychosomatischen Klinik spontan an, sie würden gemobbt. Und ca. ein Viertel berichteten von schwerwiegenden Problemen an ihrem Arbeitsplatz.

Der Begriff Mobbing stammt vom englischen Verb „to mob“, was so viel wie „bedrängen, anpöbeln, attackieren“ bedeutet. Der Ursprung des Wortes wird in der lateinischen Bezeichnung „mobile vulgus“ vermutet, auf deutsch „aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel“.

Aber nicht jede Streitigkeit oder Beleidigung an der Arbeitsstelle wird als Mobbing eingestuft.

Mobbing liegt dann vor, wenn jemand am Arbeitsplatz häufig und über einen mehrere Monate langen Zeitraum schikaniert, drangsaliert, benachteiligt oder ausgegrenzt wird.

Eine Definition von H. Leymann (1995) lautet: „Mobbing bezeichnet einen Prozeß der systematischen Ausgrenzung und Erniedrigung eines anderen Menschen, der von einer oder mehreren Personen betrieben wird. Diese Angriffe geschehen regelmäßig und über einen längeren Zeitraum.“

Mobbing findet also in einem festen sozialen Rahmen statt; konkret sind dies die festgeschriebenen Rahmenbedingungen des Arbeitslebens, die eine notwendige Voraussetzung für das Aufkommen von Mobbing darstellen.

3. Mobbing - Handlungen

In über 60 % sind es Gerüchte bzw. Unwahrheiten, in 57 % werden Arbeitsleistungen zum Nachteil des Arbeitnehmers falsch bewertet, in 56 % gibt es Sticheleien oder Hänseleien. Weiter kommen vor: die Verweigerung wichtiger Informationen, ungerechtfertigte Kritik an der Arbeit, Ausgrenzung und Isolierung, als „unfähig“ dargestellt werden, Beleidigungen und Arbeitsbehinderungen.

In etwa 18 % findet ein Arbeitsentzug statt.

4. Mobbing in fünf Phasen

Phase 1: Mit einzelnen Konflikten wird ungünstig umgegangen, sie werden nicht, z.B. mit einer Entschuldigung, beigelegt. Bei den Beteiligten entsteht eine gereizte Stimmung, das Verhalten ist gekennzeichnet durch Irritiertheit und Reizbarkeit.

Phase 2: (Diese Phase muß nicht zwingend durchlaufen werden.) Ein Konflikt wird zunehmend personifiziert. Jemand erlebt die eigene Machtposition als bedroht, und versucht, den Kontrahenten zu provozieren, um dessen Gesichtsverlust voranzutreiben. Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit wird zur Austragung des Konflikts genutzt.

Phase 3: Es kommt zur Eskalation, sodass niemand will mehr mit der gemobbten Person zusammenarbeiten will. Der Gemobbte wird unsicher und macht zunehmend Fehler. Man legt ihm nahe, sich einen anderen Arbeitsplatz zu suchen. Durch die anhaltenden Zurückweisungen und durch Isolation kann es zu (schweren) Erkrankungen kommen. Der Arbeitsablauf ist gestört. Oft nehmen sich jetzt Vorgesetzte der Angelegenheit an, die das Mobbing – Opfer als Störer wahrnehmen. Beim Betroffenen wird (oft) die Hoffnung auf eine Besserung und gerechte Behandlung enttäuscht.

In Phase 4 wird Kontakt zu Ärzten oder Psychotherapeuten aufgenommen.

Phase 5: Betroffene werden zunehmend isoliert – zum Teil räumlich, meistens aber sozial.

5. Mobbing - Folgen

Mobbing macht krank, meist in einem schleichenden Prozess. Der gemobbte Mensch befindet sich in einer existenziellen Krise. Ihm drohen bedeutsame Grundlagen seines Lebens wegzufallen. Seine soziale Integration, die wesentlich durch den beruflichen Bereich mitgetragen wird, ist bedroht; sein Identitätsgefühl, sein Vertrauen und Sicherheitsgefühl in sich und die Welt wird erschüttert, sein Selbstwertgefühl, seine Selbstverwirklichung und persönliche Entwicklung sind gefährdet.

Die Hauptsymptome bei Mobbing sind Schlafstörungen, Angststörungen und Depressionen. Mobbing verursacht am Anfang eine allgemeine Verunsicherung und Anspannung. Diese steigern sich allmählich zu Angstgefühlen und Schlafstörungen. Es können psychosomatische Beschwerden an verschiedenen Organen hinzukommen: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Herzbeschwerden, Atemstörungen. Weiter kommt es zu: Demotivation, Misstrauen, Nervosität, Rückzug, Gefühlen, ohnmächtig zu sein, innerliche Kündigung, Leistungs – Blockaden, Denk - Blockaden u.a.m..

In seiner Verunsicherung versucht der Gemobbte zunehmend mehr zu arbeiten, achtet ängstlich auf mögliche Fehler, macht Überstunden oder nimmt sogar Arbeit mit nach Hause, um den „gefühlten Teufelskreis“ zu durchbrechen. Oft kann er von der Arbeit nicht mehr „abschalten“, und sich immer schlechter konzentrieren. Es treten vermehrt Spannungen, z.B. in seiner Familie auf. Bald ist der Betroffene erschöpft, depressiv, verzweifelt, und hat nicht selten auch Selbstmordgedanken. Er fühlt sich zutiefst verunsichert, und auch beschämt und schuldig.

6. Was kann man gegen Mobbing tun?

Zur Planung eines angemessenen Vorgehens können zunächst die folgenden Fragen helfen:

Klärungsfragen zu den Auswirkungen des Mobbings:

  • Werden wehrlosmachende Methoden eingesetzt?
  • Ist mein Bewältigungsvermögen überfordert?
  • Haben meine bisherigen Lösungsversuche keine / eine Änderung herbeigeführt?
  • Ist mein Arbeitsplatz gefährdet?
  • Erlebe ich die Situation am Arbeitsplatz als krankmachend?

Klärungsfragen zum Konflikt selbst:

  • Gibt es (auch) einen sachlichen Konfliktstoff?
  • Welche gegenseitigen Erwartungen gibt es?
  • Gibt es Ansätze für eine Vermittlung und Schlichtung?
  • Gibt es unversöhnliche Gegensätze und Interessen?
  • Gibt es eigene Anteile, vielleicht sogar eigene Versäumnisse?

Folgende Teilziele sind anzustreben:

Betroffene sollten möglichst frühzeitig klare Grenzen ziehen.

Eine persönliche Stabilisierung des Betroffenen ist unbedingt notwendig.

Die Form der Zusammenarbeit bzw. die Interaktion von Mobber und Gemobbtem muß sich ändern.

Empirische Befunde belegen, dass am besten das Vermeiden von Eskalation weiterhilft. Wichtig für den Betroffenen ist es, sich frühzeitig Unterstützung zu holen: z.B. bei Kollegen, Vorgesetzten oder Mitgliedern von Interessensvertretungen. Wenn diese Unterstützung nicht ausreicht, braucht er auch Unterstützer außerhalb des Betriebes, wie z.B. Hausarzt, Psychotherapeut, Gewerkschaft, Rechtsanwalt, Mobbingberatungsstelle, Selbsthilfegruppe, Lebensberatungsstelle.

Hilfreich ist oft das Führen eines Mobbingtagebuchs. Man notiert Datum und Uhrzeit, was genau passiert ist, wer welche Handlung begangen hat, wer anwesend war (Zeugen), ob es gesundheitliche Reaktionen als Folge gab, und anderes mehr. Das erfordert zwar Disziplin. Allerdings hilft es, Beweise zu sichern, um später Zusammenhänge ersichtlich machen zu können. Dies kann wichtig werden für Richter, Rechtsanwälte, Ärzte oder andere Berater.

Weitere Maßnahmen können später sein:

  • Beschwerde beim Betriebsrat bzw. Personalrat einreichen,
  • Eingabe bei der Personalabteilung machen,
  • Rechtsberatung aufsuchen,
  • ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen,
  • sich einer Selbsthilfegruppe anschließen.

Literatur: Litzcke/Schuh: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz, Springer, 3. Aufl., 2005
Harrach, A.: Arbeitswissenschaftliche Psychosomatik. Arbeitsbedingte psychische und psychosomatische Störungen. In: Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen. Bd.2, Hrsg.: Teske, U. u. Witte, B.S.51-103. 2000, VSA - Verlag
Harrach, A.: Psychosomatische Berufstherapie. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 1998,42. 11-17.

Verfasser: U. Höhle / G. Mönnich