Eine Atemstörung ist häufig ein Symptom bzw. gilt als wesentliche Ursache für eine Stimmfunktionserkrankung. Betroffen von dieser Atemstörung ist sowohl die Ruheatmung als auch die Sprechatmung.

Die Ursachen, die zu einer Atemstörung führen können, sind vielfältig:

  • Funktionelle Stimmstörungen
  • Stottern
  • Lähmung der Kehlkopfmuskeln z.B. nach einer Schilddrüsen-Operation
  • Gaumenspalten mit vermehrtem Luftabfluss durch die Nase
  • Lungenerkrankungen, Herz- und Gefäßerkrankungen und dadurch herabgesetzte
  • Atemkapazität der Lunge (sog. Vitalkapazität)
  • Atemhemmung bei Angst oder psychischer Belastung

Bevor auf die Symptomatik der Atemstörung eingegangen wird, soll zunächst der natürliche Atemablauf erläutert werden:

Die Atmung besteht aus der Einatmung, der Ausatmung und der Atempause.

Der Hauptatemmuskel für den Atemvorgang ist das Zwerchfell. Dieses liegt zwischen dem Brust- und Bauchraum, hat eine kuppelartige Form und ist mit den Rippenbögen fest verwachsen.

Bei der Einatmung senkt sich das Zwerchfell ab, in den Lungen entsteht ein Unterdruck und die Luft strömt durch die Nase ein. Die Bauchdecke wölbt sich bei der Einatmung etwas vor, da das Zwerchfell die Organe des Bauchraums verdrängt.

Bei der Ausatmung hebt sich das Zwerchfell wieder, in den Lungen entsteht ein Überdruck, so dass die Luft wieder hinausgepresst wird. Die Rippen senken sich und die Bauchdecke flacht wieder ab.

Zwischen der Ausatmung und der nächsten Einatmung besteht eine Atempause, in der alle beteiligten Atemmuskeln entspannt sind. Der erneute Einatemimpuls kommt automatisch und muss vom Menschen nicht bewusst gesteuert werden.

Ist dieser natürliche Atemablauf nun durch eine Erkrankung oder durch Folgen einer Verletzung, eines Traumas oder einer Operation gestört, kann es zu einer Atemstörung und damit folgenden Symptomen kommen:

  • Zu flache und hohe Atmung mit Hebung des Schultergürtels
  • Verspannungen der Atemmuskulatur
  • Erhöhte Atemfrequenz bis hin zu Hyperventilationsgefahr
  • Unausgeglichener Atemrhythmus
  • Eingeschränkte Vitalkapazität
  • Verkürzte oder überzogene Phrasenlänge beim Sprechen
  • Unökonomischer Luftverbrauch beim Sprechen
  • Unphysiologische Mundatmung
  • Erhöhtes Sprechtempo
  • Atemgeräusche bei der Einatmung und Ausatmung (keuchend, schnappend, hauchend)
  • Atemstillstände z. B. in Zusammenhang mit Stottern
  • Verkürzte Ausatem- und Tonhaltedauer

Das Vorliegen einer Atemstörung, die fast immer mit einer Stimmerkrankung einhergeht, kann durch eine ärztliche Untersuchung bei einem Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder einem Phoniater (Facharzt für Stimmerkrankungen) festgestellt werden. Über eine sog. Kehlkopfspiegelung können die Stimmlippen eingesehen und die Glottisweite beurteilt werden. Die Glottisweite zeigt an, ob sich die Stimmlippen für eine ökonomische und unbelastete Atmung weit genug öffnen können.

Die Therapie einer Atemstörung erfolgt durch Atemtherapeuten bzw. wenn eine Stimmerkrankung vorliegt, durch Atem-, Sprech- und Stimmlehrer und Logopäden im Rahmen einer logopädischen Therapie.

Das Therapieziel ist dabei das Anbahnen einer ökonomischen Atem- und Stimmtechnik. Über allgemeinkörperliche Tonusregulierung, Verbesserung der Körperhaltung und Übungen zur Atem-Wahrnehmung wird die physiologische Brust-Bauch-Atmung angebahnt, wodurch der Patient dann wieder in den natürlichen Atemrhythmus zurückfinden kann. In Verbindung mit ausgesuchten Stimmübungen kann dann die Stimmgebung wieder kräftiger und klangvoller werden und das Sprechen mit höherer Leichtigkeit gelingen.

Die Therapie einer Atem- und Stimmstörung wird zunächst ambulant in einer Logopädischen Praxis durchgeführt. Sollte sich nach maximal 20 ambulanten logopädischen Therapieeinheiten keine wesentliche Besserung eingestellt haben, ist eine stationäre Stimmheilmaßnahme in einem Stimm- und Sprachheilzentrum erforderlich. Bei einer Stimmheilmaßnahme ist der Abstand von der Alltagssituation therapeutisch bedeutsam neben den zusätzlichen Möglichkeiten allgemeinkörperlicher Tonusregulierung über Sport- und Physiotherapie, der Möglichkeit der Problembearbeitung über kognitiv verhaltenstherapeutisch psychologische Therapie sowie dem wichtigen Austausch mit Mitbetroffenen.

Ihr Team des Stimm- und Sprachheilzentrum in der Klinik Am Osterbach