Bei dem Krankheitsbild Berufsdysphonie sind zwei Formen zu unterscheiden:

  • Die erste Form stellt eine Stimmerkrankung dar aufgrund einer beruflich bedingten Überlastung.
  • Bei der zweiten Form handelt es sich um eine Stimmerkrankung, bei der der Stimmapparat durch beruflich bedingte Einflüsse geschädigt wurde, wie z. B. Arbeitsunfälle oder Langzeiteinwirkungen durch schädliche Substanzen.

Auf beide Formen soll im folgenden eingegangen werden:

1.) Die berufsbedingte Stimmerkrankung (Berufsdysphonie) aufgrund von Überlastung betrifft vor allem Sprechberufler wie LehrerInnen, ErzieherInnen, SchauspielerInnen, Pfarrer, Call center agents, auch SängerInnen sowie andere Berufe, bei denen größere stimmliche Leistungen verlangt werden. Diese stimmliche Überlastung kann zu einer Hyperfunktionellen Dysphonie führen, die später in eine gemischte Dysphonie übergehen kann.

Als Ursache für eine Berufsdysphonie können mehrere Faktoren in Betracht kommen:

  • Unökonomische Atem-, Sprech- und Stimmtechnik
  • Ungünstige Raumverhältnisse (schlechte Akustik, Störgeräusche, trockene Luft)
  • Sprechen bei Lärm
  • Konstitutionell eingeschränkte Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit des Stimmapparates
  • Psychovegetative Faktoren
  • Konflikte (Mobbing)

Die Symptome einer Berufsdysphonie durch Überlastung zeigen sich in Form von Heiserkeit, Räusperzwang, Trockenheitsgefühl im Hals, Halsschmerzen, beschleunigtes Sprechtempo, nach hinten verlagerte Sprechweise und/oder einem eingeschränkten Sprechstimmumfang.

Berufsdysphonie bei Lehrern und anderen Sprechberufen ist nicht in der Liste der Berufskrankheiten aufgeführt und werden somit auch nicht als Berufskrankheit anerkannt. Dennoch kann eine Berufsdysphonie zur Berufsunfähigkeit führen.

Die Therapie einer Berufsdysphonie erfolgt durch ausgebildete Stimmtherapeuten wie Atem-, Sprech- und Stimmlehrer und Logopäden. Die Stimmtherapie kann ambulant in einer Logopädischen Praxis und/oder stationär in einem Stimm- und Sprachheilzentrum als Stimmrehabiliationsmaßnahme durchgeführt werden. Als Kostenträger kommen die Krankenkassen bzw. die Rentenversicherungsträger in Betracht.

2). Bei der Berufsdysphonie, bei der der Kehlkopf durch beruflich bedingte Einflüsse geschädigt wird, wird eine Unterscheidung in plötzliche Ereignissen und Langzeiteinwirkungen getroffen.

Zu den plötzlichen Ereignissen zählen Prellungen und Verletzungen des Kehlkopfs, Schleudertraumen der Halswirbelsäule, Hitzeeinwirkungen oder Inhalation plötzlich frei werdender Gase oder ätzender Stoffe, z.B. durch eine Explosion. Bei diesen Ereignissen liegt versicherungsrechtlich ein Arbeitsunfall vor. Die Verletzungsfolgen können sich in Stimmlippenblutungen, Kehlkopfhämatomen, Heiserkeit und Atemnot zeigen.

Zu den schädigenden Langzeiteinwirkungen auf den Kehlkopf zählen die Inhalation giftiger Substanzen, Stäube, Nebel sowie klimatische und thermische Faktoren. Missempfindungen in Hals und Rachen, Trockenheitsgefühl, Heiserkeit, Atembeschwerden und Entzündungszeichen am Kehlkopf können Folgen dieser Langzeiteinwirkung sein. Die Anerkennung als Berufskrankheit ist nur gegeben, wenn der betreffende schädigende Stoff in der Liste der Berufskrankheitenverordnung verzeichnet ist.

Therapeutisch wird mit ambulanter Therapie der Berufsdysphonie begonnen in Form logopädischer, ggf. zusätzlich auch psychologischer Therapie. Sollten sich nach maximal 20 ambulanten logopädischen Therapieeinheiten keine wesentliche Besserung eingestellt haben, ist eine stationäre Stimmheilmaßnahme der funktionellen Stimmstörung notwendig. Hierbei ist der Abstand von der Alltagssituation therapeutisch bedeutsam neben den zusätzlichen Möglichkeiten allgemeinkörperlicher Tonusregulierung und psychologischer Therapie sowie dem wichtigen Austausch mit Mitbetroffenen.