Chronische Schmerzen: Bedeutung

Chronische Schmerzen sind besonders beklagenswert: Sie halten sehr lange an bzw. treten wiederholt auf. Gerade durch diese zeitliche Ausdehnung erfahren sie für die Betroffenen eine ganz besondere Bedeutung. 

So erscheint es verständlich, dass Betroffene sich in hohem Maße Gedanken über diese chronische n Schmerzen machen.

Die schmerzspezifischen Gedanken können angstbesetzt sein (z.B. „Wie lange muss ich das noch aushalten?“ oder „Was ist, wenn der Schmerz sich steigert?“); häufig werden Grübeleien bzgl. der Ursachen der Schmerzen angestellt, oft verbunden mit der „Hoffnung“, eine organische Ursache zu finden, deren Beseitigung zu einer unmittelbaren Schmerzbeseitigung führt. Dass die Betroffenen zumeist nicht von sich aus daran denken, dass die Schmerzen seelisch bedingt sein könnten, liegt auf der Hand: Wenn Schmerzen bestehen, muss es dafür auch eine „handfeste“, d. h. organische Ursache geben. Darüber hinaus wird organisch krank zu sein weniger als „Makel“ empfunden als psychisch „nicht ganz richtig“ zu sein.

Neben Angst und Besorgnis können anhaltend chronische Schmerzen im weiteren zeitlichen Verlauf zuweilen auch Verzweiflung, Selbstbemitleidung, Resignation und Hoffnungslosigkeit auslösen – mit der Folge, dass sich die Schmerzen dann steigern. Die genannten negativen Gedanken zu haben, erscheint nachvollziehbar, da chronische Schmerzen in der Regel nicht von allein verschwinden und Bewältigungsversuche (selbst durch das Hinzuziehen mehrerer Ärzte und unter Einsatz von Schmerzmitteln) häufig fehlschlagen bzw. zu keiner wesentlichen Besserung führen.

Chronische Schmerzen: Bewältigungsversuche

Ein häufig selbst durchgeführter Bewältigungsversuch (eine Schonhaltung einnehmen) und dessen Folgen wird im folgenden beschrieben:

Die PatientInnen versuchen alles daran zu setzen, die Schmerzintensität zu begrenzen – und setzen logischerweise an ihren Erfahrungen an: So wissen sie (ohne die Unterscheidung zwischen akuten und chronische n Schmerzen zu kennen), dass bei „normalen“ (also akuten) Schmerzen eine Schonung zur Linderung und schließlich zur Beseitigung der Schmerzen führt. Und auf diese Strategie greifen die PatientInnen dann häufig auch bei länger anhaltenden Schmerzen zurück. Auch wird diese Schonung oftmals auf soziale Aktivitäten bezogen, d.h. die Betroffenen reduzieren ihre sozialen Kontakte – soziale Isolation kann die Folge sein. Weiter kommt es häufig im Kontext der betriebenen Schonhaltung zu einem Verlust von Interessen. Eine ausgeweitete Schonhaltung kann letztendlich bedeuten, selbst die alltäglichen Aufgaben nicht mehr zu erledigen, bis schließlich die entsprechenden Fertigkeiten „verlernt“ werden und die Betroffenen den Eindruck haben, den alltäglichen, einfachen Anforderungen des Lebens nicht mehr gewachsen zu sein. Das kann dann soweit gehen, dass die Betroffenen sich nutzlos fühlen, was schließlich sowohl negative Gedanken und depressive Verstimmungen als auch die Schmerzintensität verstärkt.

Chronische Schmerzen: Folgen

Somit kann sich das Erleben chronische r Schmerzen spiralförmig weiterentwickeln: negative Gedanken und depressive Verstimmungen können das Einnehmen einer Schonhaltung nach sich ziehen, oftmals verbunden mit einem Verlust von Interessen. Schließlich kann bei den Betroffenen der Eindruck entstehen, den alltäglichen Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, was ein Gefühl der Nutzlosigkeit bedingen kann. Wichtig ist, dass die genannten Aspekte letztlich eine Steigerung der Schmerzintensität bedeuten und wiederum negative Gedanken, Depressionen etc nach sich ziehen.

Die Klinik am Osterbach befasst sich im Rahmen des angewandten psychotherapeutischen Konzepts intensiv mit dem Erleben von Schmerzphänomenen.

Chronische Schmerzen: Therapie

So findet innerhalb der Abteilung „Neurologische Psychosomatik“ in regelmäßigem Turnus u.a. eine eigens eingerichtete, über mehrere Behandlungseinheiten andauernde edukative Schmerzgruppe statt, die einen medizinischen und einen psychologischen Teil beinhaltet. Hier wird u.a. explizit auf die Umgangsweisen der PatientInnen mit chronische n Schmerzen eingegangen, mit dem Ziel einer entsprechenden Modifikation, so dass die PatientInnen schließlich konstruktiv mit ihren erlebten Schmerzen umgehen können.

Dr. Schnecke

Diplom-Psychologe