Was ist eine Geräuschüberempfindlichkeit ?

Mit Geräuschüberempfindlichkeit bezeichnet man das Symptom der „Überempfindlichkeit“ gegen Lautstärke, diese kann sowohl gegenüber Lautstärke als Ganzes bestehen und/oder gegenüber einzelnen Tönen (Frequenzen) z.B. sehr hohen Tönen.

Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass zunehmender Lärm und Krach in unserer heutigen Zeit die meisten Menschen sehr stark in ihrem Empfinden belästigen. Allein in Schulen hat sich innerhalb eines Jahrzehnts in Deutschland die typische Klassenraumlautstärke von 40–50 dB (A) auf 50–60 dB (A) erhöht (Untersuchungen der Universität Oldenburg).

Problematik einer Geräuschüberempfindlichkeit

Dies zeigt sich besonders dann, wenn diese Lautheitserscheinungen nicht toleriert bzw. akzeptiert werden können. Halten solcherlei Geräusche dann auch noch an, kann man ohne Zögern von starken psychophysischen Belastungen sprechen, die das seelische Gleichgewicht empfindlich stören können. Hierin wird ansatzweise schon deutlich, wie eng die Mechanismen unseres Hörens mit dem Gefühlszentrum verknüpft sind; vielleicht sogar stärker als jede andere Sinneswahrnehmung.

Dieses schon bei normal Hörenden entstehende Unbehagen kann bei Hörwahrnehmungsgestörten und/oder durch Geräuschüberempfindlichkeit betroffene Menschen einen starken Leidensdruck auslösen und mündet schlimmstenfalls in sozialem Rückzugsverhalten oder gar sozialer Isolation. Somit können dann durch eine unbehandelte Geräuschüberempfindlichkeit auch psychosoziale Konflikte in der Mensch-Umwelt-Beziehung ihren ungewollten Lauf nehmen.

Um aber nicht weiter dem Negativaspekt Vorschub zu leisten, muss man wissen, dass Geräuschüberempfindlichkeit kein unausweichliches Schicksal ist, sondern sehr gute Aussicht auf Beschwerdefreiheit besteht.

Die Geräuschüberempfindlichkeit ist definiert als nervöse Feinhörigkeit infolge übermäßiger Erregbarkeit der Hörnerven. Die Ursachen, die zu einer Geräuschüberempfindlichkeit führen, sind häufig in einer Überbelastung im Alltag zu sehen, sodass eine akustische Fehlverarbeitung resultieren kann. Häufig wird sie als Begleitsymptom von Tinnitus beobachtet. Das Ausmaß kann HNO-ärztlich festgestellt werden.

Bei der Geräuschüberempfindlichkeit handelt es sich um eine Lautstärkewahrnehmung an sich normaler Alltagsgeräusche, die durch physiologische und psychische Mechanismen in der zentralen Hörverarbeitung überproportional verändert ist. Durch die subjektiv wahrgenommene Lautheit geht die Geräuschüberempfindlichkeit sehr oft einher mit einer Furcht vor Hörschädigung. Dadurch wird ein emotional sehr negativer Eindruck mancher Hörerfahrungen verstärkt, die schließlich aus Angst vermieden werden. Hieraus entsteht dann ein sog. Teufelskreis einer sich selbst verstärkenden Angst, die nicht selten psychosoziales Konfliktpotenzial nach sich zieht.

Die zumeist selbst inszenierte Abneigung gegen die als „Lärm“ wahrgenommene Lautheit wirkt symptomatisch: Um dem Ganzen zu entgehen, greift der Betroffene sehr leicht zu Gehörstöpseln (z. B. Oropax) und hofft, dem nervigen Krach dadurch ein Ende zu setzen. Dieses beim Hörwahrnehmungsgestörten durchaus natürliche und nachvollziehbare Verhalten wirkt sich allerdings auf den weiteren Verlauf der Geräuschüberempfindlichkeit nachteilig aus. Solcher Art Lärmschutzmaßnahmen, die wie in anderen, oftmals sehr lauten Arbeitsbereichen üblich und gesundheitsfördernd sind, können sich im Falle einer Geräuschüberempfindlichkeit eher kontraproduktiv auswirken, als dass sie sich langfristig normalisieren könnte. Hierin sind dann auch schon Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten für die Betroffenen mit einer Geräuschüberempfindlichkeit erkennbar, die eben nicht auf eine Vermeidung von Lautheitsempfinden hinzielt, sondern im Gegenteil sich Schritt für Schritt den „Furcht einflößenden“ Geräuschen auszusetzen und ganz bewusst und behutsam dessen Hörvermögen umtrainieren hilft.

Therapie einer Geräuschüberempfindlichkeit

Für die Therapie einer Geräuschüberempfindlichkeit steht neben dem gesamten HNO-ärztlichen Diagnostikspektrum (u. a. Messung der Lautheitstoleranz über die sogenannte Unbehaglichkeitsschwelle) eine psychologische/psychotherapeutische Betreuung bereit, die sich im Rahmen von Retrainingmaßnahmen der Gesamtproblematik „Geräuschüberempfindlichkeit“ annimmt.

Ähnlich wie bei der Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) wird eine Umschulung des Lautheitsempfindens einer Überempfindlichkeit angestrebt, um u. a. die irrationale Vorstellung einer Schädigung durch normale Alltagsgeräusche als Auslöser für den Leidensdruck umzubewerten. Darüber hinaus ist ein spezielles Hörwahrnehmungstraining zur Desensibilisierung der Erregbarkeit übersensibler Geräuschfilter für eine langfristige Verbesserung sehr hilfreich.

NICHT DIE DINGE SELBST SIND ES, DIE UNS BEDRÜCKEN ODER LEIDEND MACHEN, SONDERN NUR UNSERE VORSTELLUNG DAVON (Epictet)

Ihr Team des Stimm- und Sprachheilzentrum in der Klinik Am Osterbach

Tinnitusfachabteilung