Bei einem Kehlkopfkarzinom sowie bei Tumoren, die sich im Halsbereich ausdehnen, kann es dazu kommen, dass der gesamte Kehlkopf entfernt werden muss (Kehlkopfentfernung).

Das bedeutet, dass es zu einer Veränderung der Atemwege kommt. Hierbei wird die Luftröhre vollständig anatomisch getrennt von der Speiseröhre. Am unteren Hals endet jetzt der neue Atemweg in der nach außen verlegten Luftröhre (Tracheostoma). Durch eine Kanüle wird in der ersten Zeit dieses Stoma stabilisiert.

Durch die Kehlkopfentfernung tritt eine dauerhafte Veränderung des Luftweges ein, das heißt dass Mund, Nase und Rachen für die Atmung nicht mehr benötigt werden. Die Atemluft kann nun nicht mehr im Nasen-Rachenraum vorgewärmt, angefeuchtet oder gefiltert werden, da sie auf verkürztem Weg angesaugt wird. Durch die kühlere und ungefilterte Luft wird die Schleimhaut der Luftröhre, der Bronchien und der Lunge mehr gereizt. Dadurch kommt es zu vermehrter Schleimabsonderung.

Durch die Kehlkopfentfernung kommt es zu einem völligen Stimmverlust.

Unter logopädischer Anleitung hat der kehlkopflose Mensch die Möglichkeit, verschiedene Ersatzstimmfunktionen zu erlernen.

Stimmgebung mittels Ructus (Ösophagusstimme)

Die Lunge diente vor der Operation als Windkessel zum Sprechen und die Stimmlippen im Kehlkopf als Tonerzeuger.

Bei der Ösophagusstimme übernimmt die Speiseröhre die Aufgabe des Windkessels und der sich an ihrem oberen Ende befindende Speiseröhreneingang die Aufgabe des Tonerzeugers. Dieser wird mittels der Luft in Schwingung versetzt.

Die dazu benötigte Luft kann durch verschiedene Techniken in die Speiseröhre transportiert werden:

  • Schluckmethode
  • Injektionsmethode
  • Aspirationsmethode

Dann wird die Luft dosiert in einer Art Rülpsen wieder abgegeben und wie bei der normalen Stimmbildung, im darüber liegenden Ansatzrohr zu einem Laut geformt. Die Speiseröhrenstimme klingt rau, ihr Umfang ist klein, jedoch ausreichend für eine lautsprachliche Kommunikation.

Stimmgebung mittels Shunt-Ventil (chirurgische Stimmrehabilitation)

In die Trennwand zwischen Luft- und Speiseröhre wird operativ ein Einwegventil eingesetzt (Öffnung von der Luftröhre zur Speiseröhre).

Diese Prothese ersetzt zwei Funktionen:

  • Regulierung der Luftzufuhr von der Lunge in den Rachen, womit die Ausatemluft sofort als Sprechluft verwendet werden kann
  • Schutzfunktion für die Luftröhre beim Schlucken

Stimmgebung mittels elektronischer Sprechhilfe

Apparative Sprechhilfen stehen für kehlkopflose Menschen nach einer Kehlkopfentfernung zur Verfügung, wenn diese die Ersatzstimme nicht in ausreichendem Maße erlernen können. Die elektronischen Sprechhilfen können ersatzweise oder auch zusätzlich verwendet werden.

Die elektronische Sprechhilfe ist ein Ersatz für die Stimmlippen als Tonerzeuger. Dieser Tongenerator kommt ohne Luft aus. Das Atmen durch das Stoma erfolgt völlig unabhängig von der Ersatzstimmgebung.

Die Ansatzstelle der elektronischen Sprechhilfe befindet sich am Hals. Die Schallschwingungen des Gerätes werden über die Halshaut auf den Vokaltrakt fortgeleitet und durch Artikulation in eine Ersatzstimme umgewandelt.

Das Stimmergebnis ist sehr künstlich, man meint, eher einen Computer sprechen zu hören.

Diese Sprechhilfe setzt ein know-how der Bedienung voraus, ist aber gerade in Notsituationen, die z.B. einer schnellen telefonischen Verständigung bedürfen der Ösophagusersatzstimme oder Stimmgebung mit Shunt Ventil überlegen.

Wir bieten Ihnen an der Klinik am Osterbach, individuell betreut, die Möglichkeit, sich nach einer Kehlkopfentfernung verständigen zu lernen. Gerade die Ösophagusersatzstimme kann auch nach vielen Jahren der Kehlkopfentfernung noch erlernt werden.

Sollten Sie Fragen haben, freuen wir uns, Ihnen weiterhelfen zu können

Ihr Team des Stimm- und Sprachheilzentrum in der Klinik Am Osterbach