Körperwahrnehmung mit traumatisierten Patientinnen und Patienten

Warum ist Körperwahrnehmung mit traumatisierten Patienten so wichtig?

Der Körper ist der Ort der Traumatisierung, deshalb ist es sehr wichtig ihn mit einzubeziehen. Durch eine Traumatisierung kann die eigene Körperwahrnehmung, also das Empfinden und Wahrnehmen des eigenen Körpers gestört werden.

Die Körperwahrnehmung ist eine achtsame Arbeit mit dem Körper, bei der es vor allem ums Spüren geht, zum Beispiel von Verspannungen, Schon- und Körperhaltungen, Schmerzen, bestimmten Bewegungsmustern und dem Kontakt zum Boden.

Im Aufmerksam werden und Hinspüren wird die Körperwahrnehmung entwickelt. Anregende und dehnende Bewegungen beleben die Körperfunktionen wie Atmung und Kreislauf. Besonders bei der Atemtherapie wird darauf geachtet alle Bereiche intensiv zu beatmen und seinem Körper auch den dafür nötigen Raum zu geben. Achtsamkeit und sorgsames Umgehen mit sich selbst werden gleichermaßen geübt.  Ebenso ist es für die Patienten eine neue Erfahrung, dass sie „negative“ Gefühle wie z.B. Wut, Zorn, Angst, oder Traurigkeit nicht wegschaffen oder unterdrücken müssen, sondern durch das Annehmen und ein damit Umgehen besser mit sich und der Umwelt in Kontakt treten.

Die Erfahrung, eine Traumatisierung aktiv angehen zu können, selbst etwas zur eigenen Heilung beizutragen und damit mehr Eigenverantwortung und Eigensteuerung  zu übernehmen, stärkt das Bewusstsein für die eigene Kraft und Kompetenz. Das richtige Maß für die Übung und die dem eigenen Körper angemessene Bewegung muss jede/r Patient/in für sich selbst herausfinden.

Diesbezüglich ist die Körperwahrnehmung, die Wahrnehmung der eigenen körperlichen und emotionalen Grenzen ein weiterer sehr wichtiger Aspekt unserer Arbeit. „Wann und wo macht sich mein Körper bemerkbar, wie fühlt es sich an und wie kann ich darauf eingehen?“ Als weiterer Schritt folgt: Wege finden, seine Grenzen zu wahren und auch anderen  Grenzen aufzeigen. Ziel ist es, diese Erfahrungen in den Alltag zu transferieren  und mit Anforderungen der äußeren Gegebenheiten, sowie mit den inneren Voraussetzungen konstruktiver umgehen zu können.

Außerdem bekommen die Patienten durch bessere Körperwahrnehmung die Möglichkeit zu erfahren, dass ihr Körper trotz aller schrecklichen Erfahrungen und Traumatisierung ein Ort der Freude, voller Energie, Kraft und Stärke ist.

Durch die ständige Betreuung der jeweiligen Berufsgruppen (TherapeutInnen, Physiotherapie, Physikalische Therapie, Pflegeteam, etc.) während des Aufenthalts in unserer Abteilung sind die Vorraussetzungen für Körperwahrnehmung und eine intensive Körperarbeit gegeben.

Diana Ellermann

Abteilung Psychotherapeutische Medizin mit Psychotraumatologie