Kontaktgranulome gehören zu den organischen Stimmstörungen. Dabei handelt es sich um Ulzerationen (Geschwulstbildung) an den Stimmlippen.

Wie entsteht ein Kontaktgranulom?

Durch eine Schwäche des Vokalis-Muskels in den Stimmlippen, der für die Lautstärke und die Feinregulation der Stimme verantwortlich ist, kommt es zu einem hohen körperlichen Kraftaufwand bei der Stimmgebung. Der/die Betroffene versucht über Hilfsmuskulatur des Kehlkopfes zu Stimmkraft und Lautstärke zu gelangen. Die Folge ist, dass die Stimmlippen durch diese Fehlbelastung nicht mehr frei schwingen können und nur noch mit Druck zusammenschlagen. Durch dieses „Zusammenschlagen“ der Stimmlippen entstehen dann am Ort des höchsten Druckpunktes zunächst Schwellungen, dann kleine Schleimhautdefekte an den processus vocales im Bereich des Übergangs zum hinteren Stimmlippendrittel oder an den Stellknorpeln, die als Ansatz für verschiedene Kehlkopfmuskeln dienen. Bei weiterem Zusammenschlagen der processus vocales oder der Stellknorpel (sog. Hammereffekt) können die Schleimhautdefekte dann in ein Kontaktgranulom übergehen.

Die Ursachen für diese organischen Veränderungen an den Stimmlippen (entspricht im Volksmund Stimmbändern) können vielfältig sein. Hierzu einige Beispiele:

  • Hohe Stimmbelastung
  • Überbeanspruchung der Stimme (Sprechberufler)
  • Falsche Stimmtechnik (Sprechen mit Druck und hohem körperlichen Kraftaufwand)
  • Schwäche des Vokalis-Muskels (Stimmlippenmuskel)
  • Psychogene Faktoren, die zu Überforderung führen
  • Ösophagealer Reflux (Entzündung der Kehlkopfschleimhaut durch zurücklaufenden Magensaft)

Kontaktgranulom e treten nur bei Männern auf, sie entsprechen den Stimmlippenknötchen bei Frauen.

Symptomatisch gehen Kontaktgranulom e einher mit Heiserkeit, Schmerzen beim Schlucken, Sprechanstrengung und Missempfindungen im Hals wie Kratzen, Verschleimung und Trockenheitsgefühl.

Das Vorliegen eines Kontaktgranulom s kann durch eine ärztliche Untersuchung bei einem Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde oder Phoniatrie (Facharzt für Stimmerkrankungen) festgestellt werden. Über eine Kehlkopfspiegelung kann der Arzt den Kehlkopf des Patienten einsehen und abklären, ob es an den Stimmlippen organische Veränderungen gibt, die auf ein Kontaktgranulom hinweisen.

Die Therapie von Kontaktgranulom en umfasst zunächst die Verordnung von Stimmruhe, die Einleitung einer Stimmtherapie und ggf. psychologische Behandlung. Falls sich die Granulome über diese Maßnahmen nicht zurückbilden oder es sich um größere Granulome handelt, sollten diese nicht operativ abgetragen werden. Eine operative Maßnahme führt zu Rezidiven. Eine stationäre Stimmtherapie wäre in diesem Fall sinnvoll.

Die Inhalte der logopädischen Stimmtherapie umfassen Aufklärung über stimmhygienische Maßnahmen, die Schulung und Wahrnehmung der Atmung und des Körpers, Entspannungsübungen, Hörtraining sowie das Anbahnen einer ökonomischen Atem- und Stimmtechnik.

Die Therapie von Kontaktgranulom en erfolgt durch ausgebildete Stimmtherapeuten wie Logopäden und Atem-, Sprech- und Stimmlehrer und wird zunächst ambulant durchgeführt. Sollte sich nach maximal 20 ambulanten logopädischen Therapieeinheiten keine wesentliche Besserung eingestellt haben, ist eine stationäre Stimmheilmaßnahme in einem Stimm- und Sprachheilzentrum erforderlich. Hierbei wird die logopädische Einzeltherapie zum Anbahnen einer ökonomischen Stimmtechnik wesentlich erfolgreicher verlaufen. Bei einer Stimmheilmaßnahme ist der Abstand von der Alltagssituation therapeutisch bedeutsam neben den zusätzlichen Möglichkeiten allgemeinkörperlicher Tonusregulierung über Sport- und Physiotherapie, der Möglichkeit der Problembearbeitung über kognitiv verhaltenstherapeutisch psychologische Therapie sowie dem wichtigen Austausch mit Mitbetroffenen.

Sollten Sie weitere Fragen haben, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Sie.

Ihr Team des Stimm- und Sprachheilzentrum in der Klinik Am Osterbach