Wie entsteht Mobbing?

Bei der Entstehung von Mobbing spielen die Arbeitsbedingungen bzw. die gesamte Arbeitssituation eine zentrale Rolle.

Die wichtigsten für Mobbing, hier einzuordnenden Arbeitsmerkmale lauten: Transparenz, Partizipationsmöglichkeiten, qualitative Unterforderung, Betriebsklima (als ganzes), Vorgesetztenverhalten und Sozialklima (betrifft die Kollegenebene).

Entscheidend ist, dass die Arbeitssituation im jeweiligen Team im Großen und Ganzen als negativ erlebt wird: Sowohl mangelnde Transparenz (der Zuständigkeiten, Abläufe und Aufgaben) als auch mangelnde Partizipationsmöglichkeiten werden erlebt. Die Aufgabeninhalte werden häufig als unterfordernd beschrieben. Der zwischenmenschliche Umgang (betrifft Vorgesetztenverhalten und Sozialklima) wird als belastend dargestellt. Einhergehend mit vorgenannten Merkmalen wird das Betriebsklima als „schlecht“ erlebt.

Mangelnde Partizipationsmöglichkeiten und vor allem qualitative Unterforderung stehen der Realisierung arbeitsbezogener Bedürfnisse (z.B. mit entscheiden dürfen, sich die Arbeit selbst einteilen können, gefordert werden) entgegen. Um diese sehr wichtigen Bedürfnisse dennoch befriedigen zu können, wird nach anderen, nicht festgeschriebenen („inoffiziellen“) Wegen gesucht. Letzteres umso mehr, wenn die Arbeitssituation zusätzlich durch belastendes Vorgesetztenverhalten und durch ein schlechtes Klima im Kollegenkreis (belastendes Sozialklima) beeinträchtigt ist, da diese Bedingungen häufig nachhaltige Aggressionen und Ängste der Beschäftigten entstehen lassen.

Mangelnde Transparenz der innerbetrieblichen Abläufe und Zuständigkeiten ermöglicht es, „alternative“, nicht legitime Wege einzuschlagen, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen.

Mobbing kann als ein Weg verstanden werden, frustrierte arbeitsbezogene Bedürfnisse doch noch befriedigen zu können (wenn auch auf Kosten anderer) - anders ausgedrückt: Die beeinträchtigten Entfaltungsmöglichkeiten der Arbeitnehmer können über den Mobbing -„Weg“ wiederhergestellt werden. Darüber hinaus tritt das eigene (auf die Arbeitssituation bezogene) Leid, indem ebensolches anderen zugefügt wird, vorübergehend in den Hintergrund.

Besteht Motivation zur Ausführung von Mobbing handlungen (Voraussetzung: mangelnde Befriedigung wichtiger arbeitsbezogener Bedürfnisse) und hält sich die Wahrscheinlichkeit für deren „Entlarvung“ und Sanktionierung in Grenzen (Voraussetzung: mangelnde Transparenz), dann stellt sich die Frage, gegen wen im Team die Mobbing handlungen gerichtet werden.

In diesem Zusammenhang ist das Verhältnis der Teammitglieder untereinander sehr wichtig. Obwohl dieses oben als belastend beschrieben wurde (belastendes Sozialklima), gibt es immer noch so etwas wie einen Teamgeist oder eine innere Verbundenheit der Teammitglieder. Widersetzt sich jemand deutlich diesem Gruppengefüge (entweder in seinem Verhalten oder allein durch äußere Merkmale), so wird diese Person für die Gruppe zum Problem, da sie die (gerade in schwierigen Zeiten notwendige) Integrität der Gruppe gefährdet. Folglich wird versucht, die frustrierten arbeitsbezogenen Bedürfnisse auf Kosten des „auffälligen“ Teammitglieds durch Mobbing doch noch zu befriedigen.

Wie die ausgewählte Person dann mit den an sie gerichteten Mobbing handlungen umgeht, entscheidet schließlich darüber, ob ein Mobbing prozess entsteht und die ausgewählte Person krank wird.

Mobbing handlungen werden von den Betroffenen als Stressoren erlebt und haben damit Einfluss auf die Leistungsfähigkeit, Gesundheit und auch Arbeitsfähigkeit der betroffenen Personen.

Therapeutische Hilfe bei Mobbing

Die Neurologische Psychosomatik in der Klinik am Osterbach bietet diesen Personen Hilfe an. Im Rahmen des angewandten psychotherapeutischen Konzeptes wird sich intensiv mit dem Erleben von Stressphänomenen befasst. Das individuelle Stresserleben der Mobbing  PatientInnen wird analysiert, hinterfragt, und alternative Umgangsweisen mit Stressoren werden gemeinsam mit den PatientInnen erarbeitet und erprobt. Außerdem wird die konkrete Situation besprochen, um den Betroffenen einen Ausweg aus seiner Lage aufzuzeigen.

Dr. phil. J. Schnecke

Diplom-Psychologe