Psychische Veränderungen bei Morbus Parkinson

James Parkinson, ein Londoner Arzt und Apotheker (1755 bis 1824), veröffentlichte als erster im Jahre 1817 eine Abhandlung über die so genannte Schüttellähmung, die 1884 von Jean Marie Charcot, einem berühmten französischen Nervenarzt, als Parkinson – Erkrankung oder Morbus Parkinson bezeichnet wurde.

Mit der Feststellung: „the senses and the intellect being uninjured “ hatte James Parkinson seinerzeit ausdrücklich daraufhin gewiesen, dass psychische Störungen und Störungen des Intellekts nicht zu dem von ihm beschriebenen Krankheitsbild gehören.

Somit thematisierten Besprechungen des Krankheitsbildes Morbus Parkinson lange Zeit nur das Spektrum der motorischen Einschränkungen. In den letzten Jahren setzte sich jedoch die Erkenntnis durch, dass Veränderungen der Psyche die Parkinsonerkrankung häufig begleiten und gelegentlich sogar den motorischen Störungen vorauseilen. 

Im Einzelnen zeigen sich folgende Symptomenkomplexe bei Morbus Parkinson:

  • Kognitive Teilleistungsstörungen wie verlangsamte Informationsverarbeitung, visuell-räumliche Defizite, Störung der Gedächtnisfunktionen, Defizite bei den Exekutivfunktionen, verminderte Entschlusskraft, Defizite bei der Bearbeitung neuer Informationen, Störungen der Aufmerksamkeit, Defizite bei der Erarbeitung neuer Strategien und Rückgang der Spontanität.
  • Depression: Die Depression nimmt beim idiopathischen Parkinsonsyndrom mit circa 30 bis 60% Häufigkeit eine zentrale Rolle ein. Verkürzt kann die Symptomatik bei Morbus Parkinson eingeteilt werden in: Gedrückte Stimmung, Antriebsverminderung, Interessensverlust, Freudlosigkeit, Schuldgefühle, vermindertes Selbstwertgefühl, Suizidgedanken, Schlafstörungen und Appetitminderung. Im Vergleich zu anderen affektiven Erkrankungen werden beim Morbus Parkinson Patienten häufiger eher leichte Depressionen beobachtet, deren Schwere jedoch mit dem Alter der Patienten zunimmt. Gleichzeitig bestehen bei den Morbus Parkinson Patienten eine erhöhte Ängstlichkeit sowie vermehrte Hoffnungslosigkeit und Pessimismus, die in ihrer Ausprägung häufig vom Grad der körperlichen Behinderung abhängen.
  • Angst: In Kombination mit einer Depression, aber auch unabhängig davon, kann sich bei Morbus Parkinson Patienten in circa 40% der Fälle eine Angststörung entwickeln, neben der primären Angststörung tritt die Angst häufig als so genannte Sekundärangst auf, d. h. als Nebenwirkung der Morbus Parkinson Medikation, insbesondere der L-Dopa Therapie und/oder infolge der Begleitumstände der Grunderkrankung (z. B. Freezing, plötzliche Immobilität, Angst vor Hyperkinesen etc.).
  • Psychose: Psychotische Entgleisungen betreffen vor allem den älteren Morbus Parkinson Patienten bzw. Patienten, die schon längere Jahre an der Morbus Parkinson Erkrankung leiden, ursächlich muss in erster Linie immer an eine relative Überdosierung der Morbus Parkinson Medikation gedacht werden oder Entgleisung infolge Exsikkose, Infektionen oder Stoffwechselstörungen. Auch psychosozialer Stress (z. B. Umgebungswechsel, kann ursächlich eine Rolle spielen). Die Symptomatik zeigt sich in unterschiedlichen Graduierungen, beginnend mit lebhaften Träumen über illusionäre Verkennungen, Halluzinationen bis zum organischen Verwirrtheitszustand.
  • Demenz: Besonders gefährdet für eine Demenz sind Morbus Parkinson Patienten, bei denen die Parkinsonerkrankung sehr rasch voranschreitet, die erst im Alter erkranken, schwer motorisch beeinträchtigt sind oder die eine familiäre Belastung mit Demenz aufweisen. Die Angaben über die Häufigkeit von Demenzerkrankungen bei Morbus Parkinson Patienten unterliegen einer starken Diskrepanz. 

Zusammenfassend kann die Morbus Parkinson Erkrankung nicht als ausschließlich motorisches Phänomen aufgefasst werden, bei einem nicht unerheblichen Teil der Patienten mit Morbus Parkinson treten umschriebene milde kognitive Beeinträchtigungen, demenzielle Entwicklungen, Depressionen und Angstsymptome sowie psychotische Symptome auf.

Diese psychischen Alterationen können im Verlauf der Morbus Parkinson Erkrankung und mit zunehmenden Lebensalter des Patienten alleine oder in Kombination auftreten. Sie können die Versorgungssituation eines Parkinson-Patienten und die Lebensqualität zum Teil stärker beeinträchtigen als die motorischen Einschränkungen.

Daher sind erfolgreiche  Behandlungsstrategien erforderlich, um die zum Teil sehr komplexen Problemkonstellationen positiv zu beeinflussen. Neben Modifikation der aktuellen Morbus Parkinson Medikation  kommen bei der medikamentösen Strategie die neueren Antidepressiva und atypische Neuroleptika, gelegentlich Antidementiva und Nootropika zum Einsatz.

Bei den depressiven Störungen und Angstsymptomen können psychotherapeutische Verfahren den Verlauf positiv beeinflussen.

Da bekannt ist, dass die motorischen Symptome der Morbus Parkinson Erkrankung durch psychischen Stress verstärkt werden, sollte die Stressbewältigung verbessert werden. Entspannungsverfahren und das Training sozialer Fähigkeiten beeinflussen die Lebensqualität und den Verlauf der Morbus Parkinson Erkrankung ebenfalls positiv. 

Dr. W. Jütte

Arzt für Neurologie

Arzt für Psychiatrie

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