Diagnostik in der Neuropsychologie

Die Diagnostik in der Neuropsychologie besteht aus dem psychologischen Gespräch und der Untersuchung mit Hilfe neuropsychologischer Leistungstests. Das Gespräch erlaubt erste wichtige Eindrücke zur Wachheit, dem Antrieb, der Kommunikationsfähigkeit und dem Leidensdruck. Einige Patienten sind in ihrer Stimmung gedrückt, weinerlich verstimmt, andere eher unruhig und ängstlich, wieder andere euphorisch und positiv gestimmt. Aus dem diagnostischen Gespräch können erste Hinweise bezüglich des geistigen Leistungsvermögens entnommen werden. Diese ergeben sich aus den Angaben des Patienten und dem beobachteten Verhalten. Weiterhin wird  erfasst, inwieweit der Patient zu seiner eigenen Person, der Situation und örtlich und zeitlich orientiert ist.

An dieses Erstgespräch schließt sich dann die neuro psychologische Testdiagnostik an, die die erwähnten geistigen Funktionen wie der allgemeinen intellektuellen Leistungsfähigkeit, der Konzentration, der Aufmerksamkeit, der Lernfähigkeit, der Denkprozesse sowie der speziellen neuropsychologischen Störungen beinhaltet. Häufig geht es auch um die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit oder der Fahreignung. Je nach Belastbarkeit werden entweder standardisierte Testverfahren mit Papier und Bleistift bzw. am Computer oder nicht standardisierte Verhaltensbeobachtungen und Funktionsproben durchgeführt.

Wir legen Wert auf eine kurze und aussagefähige diagnostische Phase, um möglichst schnell eine Therapieplanung erstellen und in den therapeutischen Prozess einsteigen zu können.

Therapie in der Neuropsychologie

Unsere Behandlungen orientieren sich vor allem an verhaltenstherapeutischen und lernpsychologischen Grundprinzipien.

Grundlagen sind Erkenntnisse aus der Hirnforschung über die Plastizität der Gehirns. Das Gehirn ist fähig, vielfältige Sinneseindrücke im Verlauf des Lebens aufzunehmen und zu verarbeiten. Es ist aber auch in der Lage ausgefallene Funktionen zu kompensieren, da es in jedem Alter lernen, neu lernen und auch umlernen kann.

Die Vorgänge im Gehirn kann  man sich bildhaft als Analogie eines komplexen Straßennetzes vorstellen: Das Gehirn verfügt etwa über 100 Milliarden Nervenzellen, die untereinander über Verschaltungen in Verbindung stehen. Von diesen Verbindungen oder auch „Straßen“ werden auch von hochintelligenten, geistig geforderten und regsamen Menschen nur etwa ein Fünftel genutzt. Die sozusagen „nicht befahrenen“ Nerven und Nervenverbindungen bilden die theoretische Reserve, auf die der Mensch, z.B. nach einem Schlaganfall zurückgreifen kann.

Durch gezielte neuropsychologische Therapie wird eine mögliche funktionelle Restitution unterstützt oder Kompensation verfügbar gemacht.

Der Akzent unserer Therapie wird jeweils auf die Störungen und Schädigungen gesetzt, die für den Patienten zu maximalen Beeinträchtigungen im Lebensalltag führen.

Bei Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit arbeiten wir je nach Alter und Störungsbild des Patienten computergestützt, in natürlichen Situationen oder mittels heilpädagogischer Methoden. Durch das gezielte Training in der Neuropsychologie lassen sich geistige Leistungen erheblich verbessern.

Für fast alle Bereiche gibt es spezielle Trainingsmethoden mit einer Vielzahl von Übungsaufgaben. So lernen z. B. Patienten mit Aufmerksamkeitsstörungen systematisch, ihre Aufmerksamkeit nur auf eine Aufgabe zu richten, sich nicht ablenken zu lassen um über immer längere Zeiträume konzentriert arbeiten zu können. Bei Gesichtsfeldeinschränkungen oder der Vernachlässigung einer Raumhälfte wird der Patient trainiert, auch diesen Bereich systematisch mit seinen Augen abzusuchen, um Objekte in der Umwelt wahrzunehmen. Wichtig ist in erster Linie, die Bewusstwerdung dieses Handicaps. Bei reduzierter Gedächtnisleistung wird systematisch diese Funktion computergesteuert oder spielerisch geübt z. B. durch „Memory“, durch Nacherzählen von Bildergeschichten oder durch die Wiedergabe eines Textes oder Zeitungsartikels. Bei Störungen der Handlungsplanung kann mittels Übungsaufgaben (z. B. Erstellen eines Tagesablaufes nach Vorgabe, oder einer Computer-Strategie-Aufgabe) diese Funktion trainiert werden.

Insgesamt ist aber auch die „Zeit“ ein wichtiger Faktor für den Patienten. Nach einem Schlaganfall braucht das Gehirn eine gewisse Zeit um sich neu zu organisieren. Wichtig ist die Motivation des Patienten zu „seiner Rehabilitation“ und das aktive Mitmachen in den verschiedenen Therapien, dann werden gute Fortschritte wahrscheinlich.

Zusätzlich hat das Training in der Neuropsychoplogie auch noch positive Nebeneffekte: Der Schlaganfallkranke erlebt, welche Ressourcen und Potentiale er hat und er kann seine Fähigkeiten z. B. am Computer selbst überprüfen. Der Patient erlernt den Umgang mit einem ihm vielleicht fremden Medium - dem Computer -  und nimmt sich aktiv und selbstwirksam wahr.

Sigrid Bettenbrock

Diplom-Psychologin