Entstehung der Otosklerose

Unter der Otosklerose versteht man eine Schallleitungsschwerhörigkeit, die auf einer lokalen Stoffwechselstörung beruht. Dabei kommt es zu zunehmender Verwachsung der knöchernen Fixierung des Steigbügels, des kleinsten Gehörknöchelchens, der die Übergangsstelle vom Mittelohr zum Innenohr bildet. Es entstehen die typischen Symptome einer Schwerhörigkeit und/oder Tinnitus (Ohrgeräusche), da die Schallübertragung über vermehrtes Gewebe erschwert wird. Bei weit fortgeschrittener Otosklerose kann zusätzlich zu der Schallleitungsschwerhörigkeit eine Innenohrschwerhörigkeit auftreten.

Eine genet. Belastung ist für die Otosklerose hinlänglich nachgewiesen. Die Otosklerose betrifft vorwiegend Patienten zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und tritt überwiegend einseitig auf. Auslöser für ein Voranschreiten der Otosklerose bzw. der Symptome sind häufig eine Schwangerschaft oder die Einnahme von weiblichen Hormonen, die die Knochenaktivität anregen. Das erklärt auch das häufigere Auftreten der Otosklerose bei Frauen als bei Männern (7:3).

Die sich zeigende Symptomatik bei der Otosklerose

Die von Otosklerose betroffenen Menschen leiden an einer fortschreitenden Schwerhörigkeit und bei Auftreten von Tinnitus unter möglichen Konzentrationsstörungen, Nervosität, ggf. Schlafstörungen.

Diagnose und Therapie der Otosklerose in unserem Hause

Bei Patienten mit Otosklerose erfolgt eine komplette Hördiagnostik mit Tinnitusanalyse nach aktuellen Richtlinien. Dazu gehören auch eine allgemeinkörperliche Untersuchung einschließlich Blutdruckdiagnostik, EKG und Lungenfunktion, bei Bedarf auch die Ableitung elektrischer Hirnströme (EEG), Laboruntersuchungen mit Untersuchung der Blutfettwerte.

Die Messung der Hörschwelle umfasst bei Otosklerose Erkrankten auch die Messung der Unbehaglichkeitsschwelle; ferner erfolgen eine Kontrolle der Trommelfellelastizität (Tympanogramm), Bestimmung der Innenohreigenaktivität (otoakustische Emissionen) und der Hörnervenleitzeit. Durch diese Untersuchungen können andere Ursachen von Schwerhörigkeit, insbesondere Tumore des VIII. Hirnnervs zu einem hohen Prozentsatz ausgeschlossen werden.

Nach dem Hörbefund richtet sich eine mögliche Empfehlung zur Hörgeräteerprobung. Die Schallleitungsschwerhörigkeit kann gegebenenfalls über eine Operation aufgehoben werden. Sollte dieses Vorgehen sinnvoll für den Betroffenen sein, werden Behandlungsmöglichkeiten bei Wunsch von uns empfohlen. Andernfalls versuchen wir, dem Betroffenen über eine Hörgeräteerprobung und Hörwahrnehmungsübungen das Hören zu erleichtern. Durch verbessertes Hören kann u.a. die akustische Aufmerksamkeit auf Umgebungsgeräusche gerichtet werden und damit die Konzentration auf den möglichen Tinnitus abnehmen.

Therapiekonzept bei Tinnitus

Das Therapiekonzept ist ausgelegt in Anlehnung an die Tinnitus-Retraining Therapie, der zur Zeit erfolgreichsten Behandlungsmethode von Ohrgeräuschen.

Ein Tinnitus-Retraining-Team (HNO-Arzt, Psychologe, Akustiker) behandelt den von Tinnitus betroffenen Otosklerose -Patienten im Haus. Eine enge persönliche ärztliche und therapeutische Betreuung ist Voraussetzung für ein gemeinsames Angehen des Problems der Otosklerose. Sport und physiotherapeutische Maßnahmen sorgen für die allgemeinkörperliche Muskeltonusregulierung. Die HWS erfährt besondere Zuwendung über krankengymnastische Einzeltherapie. Bei ernährungsabhängigen Stoffwechselkrankheiten (z.B. Diabetes) steht eine Diätberatung zur Verfügung.

In psychologischer verhaltenstherapeutischer Einzeltherapie werden persönliche Schwierigkeiten, z.B. Hilflosigkeits- und Ohnmachtsgefühle, Ängste bis hin zu Depressionen bearbeitet. Psychologische Gruppentherapien dienen der Weitergabe von Stressbewältigungstechniken wie Autogenem Training oder PMR sowie Qi Gong (letzteres durch Sporttherapeuten) oder Yoga (durch Yoga-Therapeutin).

In einer Tinnitusgruppe werden bei Otosklerose -Patienten Wege der bewussten Abkopplung von Tinnitus erarbeitet, um Tinnitus durch die neu zu erlernende Wahrnehmung anderer Lebenseindrücke außer den Ohrgeräuschen als nicht störend zu empfinden. Die Hörwahrnehmung wird verbessert unter Einsatz von Geräusch- oder Hörapparaten (s.o.) und speziellem Hörtraining.

Die Chance des Tinnitusbetroffenen liegt darin, zu einer besinnlicheren Lebensführung mit mehr Raum und Rücksicht auf die eigene Person, sowie zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen und dem neu erlebten Selbstwert zu gelangen.

Otosklerose -Patienten, die aufgrund ihrer starken Schwerhörigkeit ihre Arbeit verlieren können, werden insbesondere auf ihre persönlichen Chancen einer beruflichen Rehabilitation hingewiesen nach Ausschöpfen aller Möglichkeiten einer Hörverbesserung.

Besonderheiten der Behandlung der Otosklerose an der Klinik-am-Osterbach

In der Klinik am Osterbach bestehen nebeneinander die jeweils selbständigen Fachabteilungen der Neurologie, Psychotherapeutischen Medizin und der HNO-ärztlich geleiteten Tinnitusfachabteilung mit dem Stimm- und Sprachheilzentrum. Dies ermöglicht eine interdisziplinäre Versorgung der Patienten. Zielorientiert und rasch können z.B. jene Otosklerose -Patienten, die mit Tinnitus schwer betroffen sind, zusätzlich von Konzepten der neurologisch-psychiatrischen Gruppenbehandlung profitieren.

Wir freuen uns, Sie in unserem Haus begrüßen zu können.

Ihr Team des Stimm- und Sprachheilzentrum in der Klinik Am Osterbach