Ablauf einer qualifizierten medizinischen Rehabilitation am Beispiel der Neurologischen Abteilung der Klinik am Osterbach in Bad Oeynhausen 

Stehen bei einer Kur Begriffe wie: Erlebnisqualität, Genuss, Spaß, Erleben und körperliches Wohlbefinden im Vordergrund, spielen bei einer Rehabilitation (Reha) andere Kriterien die entscheidende Rolle. Um dies zu verdeutlichen sei hier ein typischer Rehabilitation sablauf in der Neurologischen Abteilung der Klinik am Osterbach geschildert. 

Nach Anreise und Begrüßung des Patienten wird ein Rehabilitationsplan erstellt.

Grundlage ist das sogenannte neurologische Reha - Assessment. Es geht dabei um die Erfassung, Interpretation und Bewertung der körperlichen, kognitiven und psychischen Schädigungen (Impairment).

Dabei ist unbedingt der psychosoziale Kontext zu berücksichtigen i. S. eines ganzheitlichen Konzeptes, d. h. wie ist die Teilhabe am Alltag und im Erwerbsleben, wie ist die Krankheitsverarbeitung.

Im nächsten Schritt werden die aus den Schädigungen resultierenden Fähigkeitsstörungen (Handicaps) erfasst, die Rehabilitation sziele (Nahziele, mittelfristige, langfristige Ziele) mit dem Patienten und/oder den Angehörigen besprochen und abgestimmt.

Der Patient erhält anschließend einen Therapieplan mit den verordneten Therapien. In den jeweiligen Therapieabteilungen erfolgt dann eine fachspezifische Diagnostik mit Ausarbeitung von konkreten Übungsprogrammen und Techniken. 

Wöchentlich treffen sich alle behandelnden Therapeuten zu sogenannten Teambesprechungen. Für den einzelnen Patienten wird u. a. besprochen:

  • Wie ist das Reha potenzial? Wie ist die Prognose?
  • Müssen die Ziele modifiziert werden? Wie ist die Alltagsrelevanz?
  • Sollen die Therapiedichte oder die Inhalte der Therapie verändert werden?
  • Ist eine Verlängerung erforderlich?
  • Wie ist der soziale Kontext? Was muss für die Entlassung organisiert werden?
  • Sind Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung oder Belastungserprobung erforderlich?
  • Welche Hilfsmittel sind erforderlich?

Die Angehörigen werden  in den gesamten Rehabilitation sprozess mit einbezogen, inklusive speziellen Schulungsseminaren. Steht die Entlassung fest, wird die Nachsorge eingeleitet. Dies kann ein individuell ausgearbeitetes Hausaufgabenprogramm sein, die Vermittlung und Benachrichtigung der weiterbehandelnden Therapeuten und die Verordnung von Hilfsmittel umfassen, oder aber die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung sein.

Zuletzt erfolgt die Abschlussuntersuchung und die Besprechung der Ergebnisse mit dem Patienten.

Damit ist aber für das therapeutische Team die Behandlung noch nicht abgeschlossen. Einerseits werden noch umfassende Therapieberichte erstellt, andererseits wird abschließend der gesamte Rehabilitation sprozess gemeinsam beurteilt.

  • Wurden alle Ziele erreicht?
  • War der Patient zufrieden?
  • Wie war die Teamarbeit?
  • Gab es Komplikationen oder Zwischenfälle?
  • Wurden die Interessen der Kostenträger berücksichtigt?

Diese abschließende Prozessanalyse ist sehr wichtig, denn es ist uns bewusst, dass in diesem komplexen Prozess jederzeit Störungen auftreten können.

Um die hohe Qualität des Rehabilitation sprozesses zu gewährleisten, wurde im Jahr 2000 ein Zertifiziertes QM System in unserer Klinik eingeführt, das durch jährliche externe Überprüfungen die Qualität des Prozessablaufs überwacht und sichert.

Dr. med. W. Jütte

Abteilung für Neurologie

mit neurologischer Psychosomatik