Der menschliche Stimmklang ist ein akustisches Phänomen, das weit über die Bezeichnung von „gute Stimme - schlechte Stimme“ hinausgeht.

Was ist wirklich gemeint, wenn wir z. B. hören: „Deine Stimme klingt aber heute schlecht“ bzw. „Dieser Sänger hat eine wirklich gute Stimme.“

Vielleicht kommen wir ins Stocken und müssen zunächst einmal überlegen, was denn wirklich gut bzw. schlecht in der Stimme klingt.

Eine gesunde Stimme verfügt über einen Stimmklang, den man mit folgenden Attributen differenziert beschreiben kann: kräftig, klangvoll, weich, resonanzreich, sonor, tragfähig, brillant.

Liegt jedoch eine Stimmerkrankung vor wie z. B. eine Funktionelle Dysphonie (Störung der Sprechstimme) oder eine (funktionelle Dysodie) Singstörung, ist zugleich auch der Stimmklang beeinträchtigt und der Erkrankte wird sicher häufig den Satz hören: “Deine Stimme klingt heute aber schlecht.“

Zu einem „schlechten“ Stimmklang würden Bezeichnungen passen wie: rau, heiser, gepresst, knarrend, verhaucht, brüchig, belegt, resonanzarm, nicht tragfähig, metallisch.

Im Folgenden soll der Begriff „Stimmklang“ weiter untersucht werden in Bezug auf die Sprech- und Singstimme.

Was ist Klang überhaupt? Ist Klang ein Ton oder ist Klang viel mehr als nur ein Ton?

Der menschliche Stimmklang setzt sich aus verschiedenen Klangparametern zusammen, d. h. es sind verschiedene Einzelaspekte, die den Klang ausmachen.

Der erste Klangparameter der Stimme ist der sog. Grundton. Dieser liefert die Tonhöheninformation. Der Grundton ist Teil des Primärklanges, also des Schalls, der direkt an den Stimmlippen erzeugt wird, akustisch aber nicht als Vokal (a,e,i,o,u) erkennbar ist. Die Arbeit an der Tonhöhe ist bei Stimmerkrankten oft mit Unsicherheiten und Ängsten besetzt, z.B. der Angst, den richtigen Ton zu verfehlen oder der Angst vor hohen Tönen überhaupt. Daher ist es ratsam, bei der Therapie am Grundton auf Tonhöhengenauigkeit zu achten, die zu schnelle Stimulation eines großen Tonumfanges auszusparen und stattdessen die Grundtonschwingung z.B über stimmhaftes Gähnen und Seufzen von Kontrolle und Anspannung zu befreien.

Aus dem soeben beschriebenen Grundton entsteht ein Vokal, indem die Stellung der Zunge und damit die Rachenweite verändert und die Lippen entsprechend verformt werden (sog. O-Stellung der Lippen). Die Bildung der Vokale kann für Stimmpatienten erschwert sein, wenn muskuläre Verspannung von Kiefer, Lippen und der mimischen Muskulatur vorliegen.

Der nächste Klangparameter ist das sog. Vibrato. Wer gern in die Oper geht, hat das Vibrato sicher schon bei Sängern wahrnehmen können. Dennoch, die Ausbildung eines Vibratos ist nicht etwas, was lediglich Sängern vorbehalten ist. Vielmehr gehört das Vibrato zur natürlichen physiologischen Ausstattung des Kehlkopfes und kann auch bei einem Laien durch entsprechende Stimmbildung stimuliert werden. Das Vibrato ist der natürliche Rhythmus im Stimmklang und beträgt ca. 5 – 7 Schläge pro Sekunde. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass auch der Wiegerhythmus in der gleichen Frequenz pulsiert. Demzufolge könnte man sagen, dass ein Sänger mit einem ausregulierten Vibrato sich selbst und seine Zuhörer zur Ruhe bringen kann. Alles, was jedoch nach oben bzw. unten von diesem Rhythmus abweicht, ist nicht mehr physiologisch. Das zu schnelle Pulsieren wird dann als Tremolo und das zu langsame Pulsieren als Wobble bezeichnet. Der letzte Klangparameter sind die sog. Formanten. Hierbei handelt es sich um hohe Frequenzanteile im Klang, die für die Brillanz und Tragfähigkeit der Stimme verantwortlich sind. Bei vielen Stimmerkrankten fehlen diese Klanganteile vollständig in der Stimme, wodurch die Stimme dann eintönig und monoton erscheint. Die Stimulation dieser Formanten erfolgt durch ein spezielles Hörtraining, d. h. mit ausgesuchten Instrumenten wie z. B. Klangschalen, Zimbeln und dem sog. „Regenmacher“ wird das Gehör für diese Frequenzen sensibilisiert. Da das Ohr und der Kehlkopf eine Einheit bilden, wird der Stimmklang fast augenblicklich von dieser Hörwahrnehmung profitieren durch mehr Energie, Brillanz und Tragfähigkeit.

Verfasser: Team vom Sprachheilzentrum und der Klinik am Osterbach