Stimmlippenknötchen gehören zu den organischen Stimmstörungen. Dabei handelt es sich um doppelseitige Knötchenbildungen an den Stimmlippen, die durch eine mechanische Überbelastung der Stimmlippen entstehen, d.h. die Stimmlippen sind so stark gespannt, dass sie nicht mehr frei schwingen können, sondern nur noch mit hohem körperlichen Kraftaufwand zusammenschlagen. Durch dieses „Zusammenschlagen“ der Stimmlippen entstehen dann am Ort des höchsten Drucks zunächst Schleimfäden an den Stimmlippen, die bei weiterem falschen Stimmgebrauch in weiche und dann harte Stimmlippenknötchen übergehen können.

Die Ursachen für diese organischen Veränderungen an den Stimmlippen können vielfältig sein. Hierzu einige Beispiele:

  • Stimmüberlastung und Stimmfehlbelastung wie z. B. Sprechen im Lärm
  • Falsche Stimmtechnik (Sprechen mit Druck und hohem körperlichen Kraftaufwand)
  • Bei Sängern: Singen in falscher Stimmlage und Stimmüberforderung (sog. Sängerknötchen)
  • Lautes und übermäßiges Sprechen bei Kindern (sog. Schreiknötchen)

Die Stimmlippenknötchen sind eine Extremform der Hyperfunktionellen Dysphonie und gehen immer einher mit Symptomen wie Heiserkeit, rauem Stimmklang, Räusperzwang, Fremdkörpergefühl und Sprechanstrengung.

Von Stimmlippenknötchen sind nur Frauen betroffen, während Sängerknötchen auch bei Männern auftreten, vor allem bei Tenören.

Stimmlippenknötchen können durch eine fachärztliche Untersuchung bei einem Arzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, oder besser einem Arzt für Phoniatrie (Facharzt für Stimmerkrankungen) festgestellt werden. Über eine Kehlkopfspiegelung kann der Arzt den Kehlkopf des Patienten einsehen und feststellen, ob es an den Stimmlippen organische Veränderungen in Form von Knötchenbildung gibt. Auch können Rückschlüsse auf die Art der Knötchen gezogen werden (weiche oder harte Knötchen).

Die Therapie von Stimmlippenknötchen hängt von der Konsistenz der Knötchen ab.

Handelt es sich um weiche Stimmlippenknötchen, können diese sich durch Stimmruhe, Krankschreibung bei Sprechberufen und einer logopädischen Stimmtherapie zum Abbau der falschen Stimmtechnik und Anbahnen einer neuen Stimmökonomie zurückbilden. Aufgrund des damit verbundenen längeren Arbeitsausfalls geht man heutzutage auch dazu über, weiche Stimmlippenknötchen operativ zu behandeln. Dies ist in manchen Einrichtungen sogar ambulant möglich.

Bei harten Stimmlippenknötchen ist ebenfalls Stimmruhe von Vorteil. Harte Stimmlippenknötchen sind einer konservativen Therapie meist nicht zugänglich, sodass sie im Rahmen einer kleinen operativen Maßnahme (Mikrolaryngoskopie) abgetragen werden (In unserem Hause ist dies leider nicht möglich). Anschließend ist logopädische Therapie wichtig zum Erwerb einer adäquaten Stimmtechnik und Stimmhygiene.

Die logopädische Stimmtherapie von Stimmlippenknötchen ist aufgebaut wie die Therapie der Hyperfunktionellen Dysphonie. Die Inhalte der Therapie umfassen Aufklärung über stimmhygienische Maßnahmen, die Schulung und Wahrnehmung der Atmung und des Körpers, Entspannungsübungen, Hörtraining sowie das Anbahnen einer ökonomischen Atem- und Stimmtechnik.

Die Therapie von Stimmlippenknötchen erfolgt durch ausgebildete Stimmtherapeuten wie Logopäden und Atem-, Sprech- und Stimmlehrern und wird zunächst ambulant in einer Logopädischen Praxis durchgeführt. Sollten sich nach maximal 20 ambulanten logopädischen Therapieeinheiten keine wesentliche Besserung eingestellt haben, ist eine stationäre Stimmheilmaßnahme in einem Stimm- und Sprachheilzentrum erforderlich. Hierbei ist der Abstand von der Alltagssituation therapeutisch bedeutsam neben den zusätzlichen Möglichkeiten allgemeinkörperlicher Tonusregulierung und psychologischer Therapie sowie dem wichtigen Austausch mit Mitbetroffenen.

Verfasser: Team des Stimm- und Sprachheilzentrum in der Klinik Am Osterbach