Der Begriff Stress wird häufig mit entsprechenden auslösenden Situationen, Lebensereignissen, zuweilen auch mit negativen, „stressenden“ Gedanken in Verbindung gebracht. Jeder kennt den Stress am Arbeitsplatz, häufig ausgelöst durch die Anforderung, sehr viel in unangemessen kurzer Zeit erledigen zu müssen. 

Geht es darum, zu klären, was Stress eigentlich ist, so haben sich transaktionale Definitionen durchgesetzt, die Wechselwirkungen zwischen Stress auslösenden Reizen und Stressreaktionen betonen. Im Kontext entsprechender Definitionen wird von einem Ungleichgewicht zwischen Anforderungen auf der einen und Möglichkeiten bzw. Fähigkeiten zur Bewältigung der Anforderungen auf der anderen Seite ausgegangen. 

Häufig sind die Anforderungen zu hoch um sie bewältigen zu können. Überforderung bzw. Überlastung sind dann die Folge, erkennbar z.B. durch eine raschere Erschöpfung, verringerte Leistungsfähigkeit und notwendige längere Zeiten zur Erholung.

Wichtig ist, dass nicht nur erhöhte, nicht zu bewältigende Anforderungen Stress auslösen, sondern auch zu geringe Anforderungen (Stichwort: Unterforderung). Optimal ist daher eine mittlere „Stressdosis“, fachspezifisch ausgedrückt als ein mittleres Aktivierungsniveau.  

Häufiger als Unterforderung sind jedoch arbeitsspezifische Überforderungssituationen. Daher wird im Folgenden näher darauf eingegangen.

Vorgenannte Stichworte zur Überforderung (raschere Erschöpfung, verringerte Leistungsfähigkeit, notwendige längere Zeiten zur Erholung) lassen sich in einen Kreislauf einbetten: Erhöhter Arbeitsanfall führt zu schnellerem, hastigem Arbeiten und infolgedessen zu Fehlern, die dann von Vorgesetzten oder Kollegen bemerkt und kritisiert werden. Um den Anforderungen gerecht zu werden, wird dann versucht, etwas langsamer und somit genauer zu arbeiten, was jedoch Überstunden notwendig macht. Kurzfristig mag hiermit eine verbesserte Gesamtleistung verbunden sein, mittelfristig jedoch eine reduzierte Belastbarkeit, bald gefolgt von weiteren Überforderungssignalen, die dann dazu führen, dass schließlich wieder vermehrt Fehler gemacht werden, was den Kreis schließt.

Die genannten, mittelfristig auftretenden Überforderungssignale (raschere Erschöpfung, erforderliche längere Erholungszeiten etc.) ziehen langfristig verschiedene körperliche Erscheinungen mit Krankheitswert nach sich, so z.B. Bluthochdruck, Kopfschmerzen und psychosomatische Erkrankungen. Ärztliche Hilfe wird notwenig – im ambulanten oder stationären Rahmen. 

Die Klinik am Osterbach befasst sich im Rahmen des angewandten psychotherapeutischen Konzepts intensiv mit dem Erleben von Stressphänomenen. Das individuelle Stresserleben der PatientInnen wird analysiert, hinterfragt, und alternative Umgangsweisen mit Stressoren werden gemeinsam mit den PatientInnen erarbeitet und erprobt.                  

Wir freuen uns, Sie in unserem Haus begrüßen zu können.

Dr. Jörg. Schnecke

Diplom-Psychologe