Jeder Mensch ist Stressbelastungen ausgesetzt - wie er mit ihnen umgeht, hängt sowohl von der Situation als auch von personalen Merkmalen ab; letztgenannte Merkmale bestimmen, wie jemand gewöhnlich mit Stress situationen umgeht. 

Verschiedene persönliche Stress bewältigungsstrategien können unterschieden werden. Grundsätzlich ist zwischen positiven, also Stress vermindernden und negativen, eher Stress vermehrenden Strategien zu unterscheiden.

Stress: zunächst zu den positiven Strategien

Das eigene Stress erleben kann abgewertet werden, das heißt, dass die Intensität der eigenen Belastungsreaktion im Vergleich zu der anderer Personen „heruntergespielt“ werden kann. Dieses kann ebenso entlastend wirken wie die Umwertung der Belastungsreaktion, in der anderen die „Schuld“ für die eigene Belastungsreaktion zugeschrieben wird.

Auch Ablenkung kann das Stress erleben reduzieren, sei es durch Ausübung verschiedener Tätigkeiten, durch Entspannungsübungen oder durch Ersatzbefriedigungen, wie etwas Angenehmes essen oder kaufen. Wichtig ist, dass die mit Ablenkung verbundenen positiven oder neutralen Gefühle den negativen Stress gefühlen entgegenstehen und daher die Belastungsreaktion mindern.

Weiter sind Kontrollstrategien als positive Strategien zur Stress bewältigung zu beschreiben. Hier sind Situations- und Reaktionskontrolle sowie positive Selbstinstruktionen zu nennen.

Situationskontrolle umfasst (unabhängig voneinander) Situationsanalyse, Planung von Maßnahmen zur Situationsverbesserung und das aktive Eingreifen in die Situation; letztgenanntes kann als besonders konstruktiv bewertet werden.

Reaktionskontrolle kann zum einen bedeuten, eine stress spezifische Erregung nicht entstehen zu lassen oder sie sich zumindest nicht anmerken zu lassen und zum anderen, eine bereits entstandene Erregung zu bekämpfen.

Positive Selbstinstruktionen sind mit einem Zuspruch von Bewältigungskompetenz in belastenden Stress situationen verbunden.

Stress: die eher ungünstigen Reaktionen

Wichtige mögliche Negativstrategien (ungünstige, eher stress verstärkende Reaktionen) sind Fluchttendenz, gedankliche Weiterbeschäftigung, Resignation und Selbstbeschuldigung. Die beiden ersten sind als besonders negativ zu werten.

Fluchttendenz ist als resignative Tendenz, der Belastungssituation zu entkommen, zu beschreiben. Hierin kommt die fehlende Bereitschaft oder Fähigkeit, sich mit der Belastungssituation weiter auseinanderzusetzen zum Ausdruck.

Mit gedanklicher Weiterbeschäftigung ist die Tendenz gemeint, sich von erlebten Belastungen gedanklich nicht lösen zu können. Negative Gedanken über die Belastungssituation drängen sich nach Durchleben der Situation auf und nehmen lange Zeit in Anspruch. Die Folge ist eine „künstliche“ Verlängerung der Belastungssituation.

Resignation bezeichnet einen empfundenen Mangel an Bewältigungsmöglichkeiten. Hilf- und Hoffnungslosigkeit werden erlebt, und es wird aufgegeben, sich weiter um eine Situationsbewältigung zu bemühen.

Selbstbeschuldigung bedeutet, sich selbst die Schuld für die Entstehung der Belastungssituation zuzuschreiben bzw. entsprechendes für möglich zu halten. 

Die Klinik am Osterbach befasst sich im Rahmen des angewandten psychotherapeutischen Konzepts intensiv mit dem Erleben von Stress phänomenen. Stress erleben und –bewältigung der PatientInnen werden analysiert (z.B. unter Zuhilfenahme des Stress verarbeitungs-fragebogens SVF 78, der obige Bewältigungsstrategien erfasst), hinterfragt, und alternative Umgangsweisen mit Stress oren werden gemeinsam mit den PatientInnen erarbeitet und erprobt.

Dr. phil. J. Schnecke

Diplom-Psychologe