Im Kontext von Stressphänomenen wird vor allem zwischen Stress auslösenden Reizen bzw. Situationen (Stressoren) und Reaktionen darauf (Stressreaktionen) unterschieden.

Somit kann zwischen situativen und personalen Anteilen des Stresserlebens differenziert werden. Stressbewältigung kann also sowohl an den Stress auslösenden Situationen, als auch an den Stressreaktionen ansetzen.

Stress auslösende Situationen können z.B. im Fall eines erhöhten Arbeitsanfalls durch Gespräche mit dem anweisenden Vorgesetzten geklärt werden. Generell beinhalten Stresssituationen im sozialen Kontext zwischenmenschliche Konflikte – auch hier sollte das Gespräch gesucht werden, schon um eine Konflikteskalation zu vermeiden.

Gegenüber der Veränderung der Stress auslösenden Situation ergeben sich vielfältige Ansatzpunkte zur Stressbewältigung auf Seiten der Stressreaktionen. Vorangestellt sei, dass sich Stressreaktionen folgendermaßen kategorisieren lassen:

  • körperliche Reaktionen (vermehrtes Schwitzen, gesteigerte Atemfrequenz etc.),
  • Bewertung der Stress auslösenden Situation (Herausforderung, Bedrohung, Schädigung/Verlust),
  • Einschätzung eigener Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Bewältigung der Stress auslösenden Situation und
  • Bewältigungsverhalten.

Alle vier Kategorien von Stressreaktionen (körperliche, Situationsbewertungen, Einschätzungen eigener Fähigkeiten und Möglichkeiten, Bewältigungsverhalten) lassen sich – über die Zeit gesehen – verändern:

Das Bewältigungsverhalten lässt sich relativ einfach und innerhalb eines kurzen Zeitintervalls ändern. Am Beispiel des Zeitstresses (erhöhter Arbeitsanfall) dargestellt, empfiehlt es sich zum einen, Prioritäten zu setzen, also zuerst das Wichtigste zu erledigen und dann das weniger Wichtige. Zum anderen erscheint es hilfreich, nicht alles selbst zu erledigen, sondern delegierbare Aufgaben auch an andere abzugeben. Weiter erscheint es angebracht, nicht alle übertragenen Aufgaben ungeprüft zu übernehmen, sondern auch einmal Nein zu sagen. Und nicht zuletzt ist es wichtig, sich Zeitpuffer zu setzen – etwa für unvorhergesehene, aber unbedingt zwischendurch zu erledigende Aufgaben, aber auch für Kurzpausen zur Erholung.

Sowohl mittel- als auch kurzfristig lassen sich die gewöhnlicherweise auftretenden körperlichen Reaktionen auf Stresssituationen beeinflussen:

mittelfristig vor allem durch das Erlernen und die regelmäßige, konsequente und unabhängig von Stresssituationen sich vollziehende Anwendung von Entspannungsverfahren;

kurzfristig durch die Anwendung der gelernten Entspannungsprozeduren in der Stress auslösenden Situation.

Auch das konsequente Befolgen von Genusstipps (z.B. sich Zeit zum Genießen nehmen, besser weniger als mehr konsumieren, sich bewusst für ein „Objekt“ des Genusses entscheiden) kann mittelfristig körperliche Reaktionen auf Stressreize positiv beeinflussen.

Langfristig lassen sich sowohl die gewöhnlich erfolgenden Bewertungen der Stress auslösenden Situation positiv verändern (so z.B. von Bedrohung zu Herausforderung) als auch die Einschätzungen eigener Fähigkeiten und Möglichkeiten: Hilfreich zur Änderung gewöhnlicher Bewertungen bezüglich der Stress auslösenden Situation ist z.B. ein elaboriertes Training zur Stressbewältigung. Berufliche Weiterqualifizierungen können beispielsweise helfen, zu günstigeren Einschätzungen der eigenen Fähigkeiten zu gelangen; ein verändertes generelles Verhalten zur Stressbewältigung (z.B. Prioritäten setzen bei Zeitstress; vgl. oben) kann dazu beitragen, die eigenen Möglichkeiten zur Stressbewältigung positiver bzw. adäquater einzuschätzen. 

Die Klinik am Osterbach befasst sich im Rahmen des angewandten psychotherapeutischen Konzepts intensiv mit dem Erleben von Stressphänomenen. Das individuelle Stresserleben der PatientInnen wird analysiert, hinterfragt, und alternative Umgangsweisen mit Stressoren werden gemeinsam mit den PatientInnen erarbeitet und erprobt.                   

Wir freuen uns, Sie in unserem Haus begrüßen zu können.

Dr. Jörg. Schnecke

Diplom-Psychologe