Ist von Stress die Rede, so wird häufig zwischen Stress auslösenden Reizen (Stressoren) und Reaktionen darauf (Stressreaktionen) unterschieden. Stressoren sind Reize, die gewöhnlich ein Stresserleben nach sich ziehen. Stressreaktionen beschreiben das Stresserleben.

Stressoren und Stressreaktionen:

Verschiedene Arten von Stressoren werden unterschieden: So Leistungsstressoren (z.B. erhöhter Arbeitsanfall), physikalische Stressoren (z.B. Lärm, Hitze), soziale Stressoren (z.B. zwischenmenschliche Konflikte, Trennungssituationen) und körperliche Stressoren (z.B. Krankheiten, Verletzungen). Besonders häufig ist von Leistungsstressoren die Rede.  

Das Stresserleben (die Stressreaktionen) beinhaltet eine Bewertung der wahrgenommenen Stressoren. Hier wird zwischen zwei voneinander abhängigen Bewertungen unterschieden.

Die erste Bewertung bezieht sich auf den Stressor, also auf die Bewertung der Stress auslösenden Situation: Diese wird entweder als Bedrohung, als Schädigung bzw. Verlust oder aber als Herausforderung bewertet. Ein Beispiel: Erhöhter Arbeitsanfall fungiert als Stress auslösende Situation. Eine Bewertung als Bedrohung würde Gedanken wie z.B. „Hoffentlich schaffe ich das“ bedingen; eine Bewertung als Schädigung bzw. Verlust Gedanken wie z.B. „Ich muss länger arbeiten, die Zeit fehlt mir dann in der Freizeit“; eine Bewertung als Herausforderung würde beispielsweise mit Gedanken wie „Ich kann das durchaus schaffen“ einhergehen.      

Die zweite Bewertung bezieht sich auf die Einschätzung eigener Fähigkeiten bzw. Möglichkeiten zur Bewältigung der Stress auslösenden Situation - ausgedrückt als Frage: Kann ich mit dem Stressor fertig werden? Veranschaulicht am obigen Beispiel: „Wenn ich meine Arbeit gut organisiere, kann ich den erhöhten Arbeitsanfall auch bewältigen.“ Neben der geschilderten positiven Einschätzung eigener Fähigkeiten bzw. Möglichkeiten ist natürlich auch eine entsprechende negative Einschätzung möglich, so beispielsweise: „Was ich auch mache, ich werde den erhöhten Arbeitsanfall nicht bewältigen können.“

Mit den genannten Bewertungen sind immer bestimmte Gefühle, so z.B. Angst (z.B. die Angst, den erhöhten Arbeitsanfall nicht bewältigen zu können), aber auch körperliche Effekte verbunden, so z.B. erhöhte Atemfrequenz, schnellerer Herzschlag, vermehrtes Schwitzen. 

Wichtig ist, dass der Umgang mit Stressoren nicht nur mit Bewertungen, sondern auch mit Verhaltensweisen verbunden ist. Das sind Verhaltensweisen, die darauf abzielen, die Stress auslösende Situation tatsächlich, also faktisch zu bewältigen. Am obigen Beispiel veranschaulicht: Die Arbeit wird so organisiert, dass der erhöhte Arbeitsanfall tatsächlich vollständig „abgearbeitet“ wird und der Stressor (erhöhter Arbeitsanfall) schließlich nicht mehr gegeben ist. Abzugrenzen vom gerade beschriebenen konstruktivem Bewältigungsverhalten ist ein destruktives Bewältigungsverhalten, so beispielsweise: Schnell und unstrukturiert arbeiten, um den erhöhten Arbeitsanfall zu bewältigen. 

Die Klinik am Osterbach befasst sich im Rahmen des angewandten psychotherapeutischen Konzepts intensiv dem Erleben von Stressphänomenen. Das individuelle Stresserleben der PatientInnen wird analysiert, hinterfragt, und alternative Umgangsweisen mit Stressoren werden gemeinsam mit den PatientInnen erarbeitet und erprobt.         

Wir freuen uns, Sie in unserem Haus begrüßen zu können.

Dr. Jörg. Schnecke

Diplom-Psychologe