Beim Vibrato handelt es sich um einen wichtigen Parameter des menschlichen Stimmklangs, der zwar nicht in jeder Stimme zu hören ist, jedoch durch entsprechende Stimmbildung oder durch Stimmtherapie erworben werden kann.

Das Vibrato ist der natürliche Rhythmus im Klang und beträgt ca. 5 – 7 Schläge pro Sekunde. Dieser Rhythmus kommt dadurch zustande, dass ca. 6 mal pro Sekunde die Tonhöhe, die Lautstärke und auch die Klangfarbe in geringen Abständen wechseln, was dem Stimmklang dann eine warme, pulsierende Lebendigkeit verleiht.

Alles, was jedoch nach oben bzw. unten von diesem Rhythmus abweicht ist nicht mehr physiologisch und wird hervorgerufen durch falschen Stimmgebrauch. Das zu schnelle Pulsieren wird dann als Tremolo bezeichnet, das zu langsame Pulsieren als Wobble.

Das natürliche Vibrato dagegen entsteht aus der Selbstregulation, d.h. es entsteht frei von Muskelaktivität, wenngleich aber Muskeln an diesem Vorgang beteiligt sind.

Grundsätzlich kann man sagen, dass der Erwerb eines Vibrato s im Stimmklang nicht etwas ist, was lediglich Sängern vorbehalten ist, wie man es vielleicht vom klassischen Gesang her kennt. Vielmehr gehört das Vibrato zur Funktion der natürlichen physiologischen Ausstattung des Kehlkopfs und kann auch bei einem Laien durch entsprechende Stimmbildung stimuliert werden.

Doch wie zeigt sich nun dieser Rhythmus in der Sing- und Sprechstimme?

Die Erklärung ist einfach: Da das Vibrato ebenmäßig pulsiert wie der Wiegerhythmus (man stelle sich eine Mutter vor, die in rhythmisch-wiegenden Bewegungen ihr schreiendes Baby beruhigt), sind es nicht Kraft, Wille und Ehrgeiz, die diesen Rhythmus hervorbringen, sondern Ruhe und Gelassenheit. Es ist ein Rhythmus, der aus dem Innern hervorsteigt.

Bei der Stimulation eines Vibrato s ist es zunächst wichtig, die eigene Wahrnehmung für Vibrationen und Pulsationen von klanglichem Geschehen zu verbessern. Dies kann z.B. geschehen durch das Hören verschiedener Instrumentenklänge wie Klangschalen oder Gongs bzw. durch Gesangsbeispiele aus dem klassischen Gesang.

Um die eigene Stimme dann selbst pulsierend wahrzunehmen, kann man z.B. über eine niederfrequente Stimmgabel Vibrationen im eigenen Knochensystem hervorrufen, um dann in einem weiteren Schritt durch das Tönen verschiedener Vokale in Dialog dazu zu treten.

Menschen, die unter Stimmbeschwerden leiden (Hypofunktionelle Dysphonie, Dysodie, Psychogene Dysphonie), zeigen oft große Unsicherheiten, wenn sich in der Stimmtherapie erste Anzeichen eines Vibrato s durch hör- und fühlbare Schwingungen zeigen wollen. An dieser Stelle ist es dann wichtig, diese Bewegungen im Stimmklang nicht zu bewerten, was von den Patienten jedoch oft geschieht, sondern zuzulassen, denn das Zulassen ist der einzige Weg, über den sich ein ausreguliertes Vibrato im Stimmklang etablieren kann.

Nun mag man fragen: Vibrato – muss das sein?

Sicherlich nicht, man kann sich entscheiden.

Grundsätzlich wirkt ein vibrato loser Stimmklang auf den Zuhörer jedoch oft ermüdend, unlebendig und starr, während ein pulsierender Stimmklang als warm, lebendig und beseelt empfunden wird.

Das Vibrato gehört zu den Lebensrhythmen. Unterdrückt man diesen Rhythmus, so „raubt“ man der eigenen Stimme ein Stück Lebendigkeit.

Ein Mensch, der jedoch immer mehr in der Lage ist, diesen Lebensrhythmus auch in der eigenen Stimme hör- und fühlbar schwingen zu lassen, weil er erkennt, dass man die Stimme ebenso wenig kontrollieren kann wie das Leben, wird von einer pulsierenden Ruhe durchströmt und strahlt auch Ruhe und Ausgeglichenheit in seine Umwelt.

Verfasser: Team des Stimm- und Sprachheilzentrum in der Klinik Am Osterbach