Die medizinische und berufliche Rehabilitation des Rentenversicherungsträgers dienen dem Erhalt der Erwerbsfähigkeit. Der Grundsatz lautet: Rehabilitation vor Rente. Eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit soll somit vermieden werden. Ziel ist die dauerhafte Wiedereingliederung in das Berufsleben und die Gesellschaft. Die Erwerbstätigkeit sichert unsere Existenz. Dies ist ein wesentlicher Faktor. Ebenso wichtig, aber häufig unterschätzt, ist der psychosoziale Aspekt. Über unseren Beruf erfahren wir Selbstbestätigung, Selbstvertrauen und Stärkung unserer Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Die Ausübung einer Tätigkeit zeigt u.a. die Ressourcen trotz gesundheitlicher Einschränkungen.

Unterstützung bekommt man über die berufliche Rehabilitation, die vom Rentenversicherungsträger mittlerweile als Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bezeichnet wird. Da ausschließlich der Begriff ausgetauscht wurde, die Leistungen aber gleich geblieben sind und die Bezeichnung "berufliche Rehabilitation" bekannter und einprägsamer ist, werde ich diese verwenden. Ein rechtlicher Anspruch ergibt sich aus dem SGB VI. Dieser liegt vor, wenn die persönlichen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden.

Persönliche Voraussetzungen:

Ist Ihre Erwerbsfähigkeit durch Krankheit oder körperliche, geistige oder seelische Behinderung gefährdet oder gemindert und ist absehbar, dass durch eine berufliche Rehabilitation

eine Minderung der Erwerbsfähigkeit verhindert oder eine bereits bestehende geminderte Erwerbsfähigkeit wesentlich verbessert oder wiederhergestellt oder bei einer teilweisen Erwerbsminderung der Arbeitsplatz erhalten werden kann, sind die persönlichen Voraussetzungen erfüllt. Ihre gesundheitlichen Einschränkungen müssen aus objektiver medizinischer Sicht so gravierend sein, dass Sie Ihren Beruf nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlimmerung Ihres Krankheitszustandes ausüben können.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen:

Sie müssen entweder

  • 15 Jahre Wartezeit erfüllen oder
  • eine Erwerbsminderungsrente beziehen oder
  • eine große Witwen-/Witwerrente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit beziehen oder
  • ohne berufliche Rehabilitation ein Anrecht auf eine Erwerbsminderungsrente haben oder
  • während oder unmittelbar im Anschluss an eine medizinische Rehabilitation stellt sich die Notwendigkeit einer beruflichen Rehabilitation heraus.

Sollten Sie also aufgrund Ihres Alters oder der Lebensumstände die 15jährige Wartezeit nicht erfüllen, könnten Sie dennoch u.U. einen Anspruch gegen den Rentenversicherungsträger auf eine berufliche Rehabilitation haben.

Leistungsausschluss

Keinen Anspruch auf berufliche Rehabilitation trotz den o.g. erfüllten Voraussetzungen haben Sie, wenn

  • die gesundheitlichen Einschränkungen aufgrund eines Arbeitsunfalls, einer Berufskrankheit oder durch Dritte hervorgerufen wurden (Zuständigkeit: Berufsgenossenschaft, Unfallversicherung)
  • Sie verbeamtet sind
  • Sie eine Altersrente beziehen
  • Sie dauerhaft aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und eine andere Leistung beziehen (z.B. Altersteilzeit)
  • Sie sich in Untersuchungshaft oder im Strafvollzug befinden (Ausnahme: erleichterter Strafvollzug).

Übergangsgeld

Mit Beginn einer Maßnahme über den Rentenversicherungsträger haben Sie Anspruch auf Übergangsgeld. Nach § 21 ff SGB VI beträgt dieses 68 % Ihres Nettogehalts einer Vollzeitstelle. Es sei denn, Sie haben ein Kind i.S.d. § 46 II SGB VI (Adoptivkinder, Stiefkinder,...) oder einen pflegebedürftigen Ehegatten oder Sie selbst sind pflegebedürftig. In diesem Fall werden 75 % berechnet.

Doch welche Leistungen verbergen sich hinter der beruflichen Rehabilitation?

Leistungsangebot:

  • innerbetriebliche Umsetzung
  • Arbeitsplatzbeschaffung ggf. mit befristetem Lohnkostenzuschuss
  • Anlernmaßnahme mit teilweiser Lohnkostenübernahme
  • Lehrgänge, Weiterbildung- oder Auffrischungskurse
  • behindertengerechte Arbeitsplatzumrüstung
  • Zuschuss zum Kauf eines Fahrzeuges oder dessen geeigneter Umrüstung für Versicherte, die nicht in der Lage sind, ein öffentliches Verkehrsmittel zu benutzen, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen oder zur Ausübung ihres Berufs auf ein Kfz angewiesen sind
  • Umschulung
  • Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen

Sollten Sie die persönlichen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllen und eine Chance in den o.g. Leistungen sehen, sollten Sie einen Antrag auf berufliche Rehabilitation bzw. amtlich korrekt einen Antrag auf "Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" stellen.

Anlaufstellen:

  • Rehabilitations-Beratungsstellen des Rentenversicherungsträgers
  • Arbeitsamt
  • Krankenkasse
  • Sozialberatung der Rehabilitationskliniken

Die Mitarbeiter/innen der o.g. Institutionen werden Sie individuell und kompetent beraten und Ihnen in Ihrer derzeitigen Situation weiterhelfen. Ferner erhalten Sie Unterstützung beim Stellen des Antrags. Dieser wird an die Hauptzentrale des Rentenversicherungsträgers zur Prüfung weitergeleitet. Bei Bewilligung wird Sie Ihr(e) vor Ort zuständige(r) Reha-Berater/in zu einem Gespräch einladen. In diesem wird geklärt, welche Leistung die für Sie erfolgversprechendste ist.

Rückmeldungen ehemaliger Patienten/innen unserer Klinik zeigen, dass auch in schwierigen Lebenslagen eine Wende herbeigeführt werden kann. Nicht immer ist die berufliche Rehabilitation das Mittel der Wahl. In den überwiegenden Fällen zeigte sie jedoch eine Perspektive auf, die trotz gesundheitlicher Einschränkungen eine reelle Chance bot.

Möchten Sie mehr über die berufliche Rehabilitation erfahren, wenden Sie sich an die o.g. Anlaufstellen oder informieren Sie sich unter www.drv-bund.de.

Gern können Sie auch das Team der Sozialberatung unserer Klinik, unter Orthopädie kontaktieren.

Verfasser: Dr. med. Petra Brückner

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