Was ist das Schlafapnoe-Syndrom?

Eine Apnoe ist ein Atemstillstand. Ein Schlafapnoe-Syndrom bezeichnet also ein Zustandsbild von wiederholten Atemstillständen im Schlaf. Genauer bezeichnet das Schlafapnoe-Syndrom einen Schlaf mit mindestens 10 Atemstillständen von mindestens 10 Sekunden Dauer innerhalb einer Stunde.

Aber auch schon fünf und mehr obstruktive Apnoen von mehr als zehn Sekunden Dauer pro Stunde Schlaf können ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom darstellen, wenn der Patient weitere diagnostische Kriterien erfüllt wie beispielsweise übermäßige Tagesschläfrigkeit.

Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung sind vom Schlafapnoe-Syndrom betroffen. Dabei sind Männer häufiger betroffen als Frauen, überwiegend die Altersgruppe der 40- bis 65jährigen Männer.

Schlafapnoe-Syndrom und Schnarchen

Sehr häufig sind Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom Schnarcher. Während des Schlafs entspannt sich beim Menschen die gesamte Muskulatur. Bei Personen mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom führt das zu einer starken Erschlaffung auch der Gaumen- und Rachenmuskulatur. Die Zunge verlagert sich während des Schlafs nach hinten. Das verlegt die Atemwege (= Obstruktion), der Betroffene bekommt keine Luft mehr. Als Folge davon sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut ab. Dies nimmt das Gehirn wahr, es folgt eine Weckreaktion, Stresshormone werden freigesetzt.

Die Weckreaktion ist lebenswichtig, um nicht zu ersticken. Die sich immer wiederholende Weckreaktion verhindert aber, dass der Patient tiefe Schlafstadien erreicht. Der Schlaf bleibt oberflächlich. Ein erholsamer Nachtschlaf kommt also nicht zustande. Durch die Weckreaktion wird die Muskulatur wieder angespannt, die Atemwege sind wieder frei, die normale Atmung setzt wieder ein.

Schlafapnoe-Syndrom und Schlaganfall

Es wird angenommen, dass das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) bei zwei bis drei Prozent der Gesamtbevölkerung vorkommt. Bei Schlaganfall-Patienten in der Akutphase dagegen bei 45 bis 70 Prozent.

Das Schlafapnoe-Syndrom ist schon länger als Risikofaktor für Herzinfarkt und koronare Herzkrankheit (KHK) bekannt. Bis vor wenigen Jahren wusste man noch wenig über die Häufigkeit bei Patienten mit Durchblutungsstörungen des Gehirns. Mehrere Untersuchungen legen inzwischen den Zusammenhang von Schlafapnoe und Schlaganfällen nahe.

Ein Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI, Zahl der Atemstillstände oder Phasen verminderter Atmung pro Stunde) von über 10 als Messwert mit Hinweis auf ein Schlafapnoe-Syndrom wurde beispielsweise von Bassetti und Aldrich in einer Studie aus dem Jahre 1999 bei der Gruppe der Schlaganfall-Patienten in 62,5% der Fälle, aber nur bei 12,5% der vergleichbaren Kontroll-Personen erfasst.

Die weitere Analyse identifizierte Alter, Übergewicht und Diabetes wie auch die Schwere des Schlaganfalls als unabhängige Vorhersagefaktoren (Prädiktoren) eines Schlafapnoe-Syndroms.

Die Schlafapnoe bedingt Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen sowie Verdickungen der inneren Anteile (Intima-Media-Komplex) der Arterien, die das Gehirn versorgen. Auch finden sich öfter Einlagerungen (Plaques) in den hirnversorgenden Arterien bei Patienten mit Schlafapnoe als bei Personen ohne diese Atemregulationsstörungen im Schlaf.

Noch gibt es keine genauen Daten über die Auswirkungen des Schlafapnoe-Syndroms nach dem Schlaganfall, Patienten ohne Apnoen scheinen sich aber besser von den Folgen des Schlaganfalls zu erholen als Patienten mit. Ermüdungserscheinungen, depressive Störungen und allgemeine Antriebsschwäche scheinen bei Patienten mit Schlafapnoe häufiger zu sein.

Symptome und Warnzeichen

Der Patient wird oft bereits von seinem Partner auf lautes Schnarchen mit unregelmäßigen Atempausen hingewiesen. Zudem fühlt sich der Patient morgens nicht erholt, abgeschlagen, berichtet über Kopfschmerzen. Die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit lässt nach. Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen treten auf. Bei monotonen Tätigkeiten, z.B. beim Autofahren oder Fernsehen, wird eine vermehrte Einschlafneigung bemerkt.

Risikofaktoren für ein Schlafapnoe-Syndrom sind Übergewicht und ein vergrößerter Halsumfang wie auch Schilddrüsenunterfunktion.

Folgen des Schlafapnoe-Syndroms

  • Das Schlafapnoe-Syndrom erhöht das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen, insbesondere Bluthochdruck.
  • Einer Studie nach, erhöht sich bei Patienten mit unbehandeltem Schlafapnoe-Syndrom das Risiko von KFZ-Unfällen dreifach gegenüber einer Kontrollgruppe ohne diese Schlafstörung.

Diagnostik

Folgende Personen kommen für ein Schlafapnoe-Syndrom in Betracht:

  • starke Schnarcher
  • übergewichtig
  • erhöhter Blutdruck
  • vermehrte Tagesmüdigkeit (z.B. Sekundenschlaf beim Autofahren)

Eine aussagekräftige Basisdiagnostik erfolgt durch mobile Rekorder. Messfühler unter der Nase erfassen Atemfluss und Schnarchen. Messfühler an einem Finger erfassen Herzfrequenz und die Sauerstoffsättigung. Die Lage des Rekorders stellt zusätzlich die Körperposition fest, Gurte die Bewegung von Brustkorb und Bauch. Ergibt sich durch diese Diagnostik der Hinweis auf ein Schlafapnoe-Syndrom, erfolgt die definitive Untersuchung im Schlaflabor.

Therapie

Einfache, aber wichtige Therapiemöglichkeiten sind Gewichtsabnahme, Vermeidung von Alkohol und Schlafmitteln. Bereits eine Minderung des Körpergewichts um zehn Prozent vermindert statistisch die Zahl von Apnoen oder Hypopnoen um ein Viertel!

Bei leichten bis mäßig ausgeprägten Schlafapnoe-Syndromen erreichen Gebiss-Schienen, die den Unterkiefer leicht nach vorne ziehen, eine Besserung. Bei leichten Störungen kann das Medikament Theophyllin ausreichend sein.

Auch operative Maßnahmen am Gaumensegel oder bei großen Tonsillen (Entfernung der „Mandeln“) können eine Verminderung der Zahl der Apnoen erreichen. Der Einsatz operativer Maßnahmen ist aber sehr umstritten.

Maskenbeatmung

Durch eine Maskenbeatmung (CPAP-Beatmung) in der Nacht, die einen positiven Druck im Rachenring aufrechterhält, lässt sich ein schweres Schlafapnoe-Syndrom gut behandeln. Ein Erschlaffen der Rachen- und Gaumenmuskulatur und Verschluss der Atemwege wird so verhindert. Hierbei wird eine Maske über der Nase angebracht.

Die Geräte wurden in den letzten Jahren dergestalt weiterentwickelt, dass sie heute sehr leise sind und gut vertragen werden. Diese Therapie gilt heute bei schwerem Schlafapnoe-Syndrom als Behandlungsform der Wahl. Die Patienten können nachts wieder frei atmen und sich im Schlaf wirklich erholen.

Was tun wir in der Klinik Hoher Meissner?

Das Schlafapnoe-Syndrom wird als Risikofaktor für Schlaganfälle angesehen. Bei Patienten, bei denen sich der Verdacht auf diese schlafbezogene Atemregulationsstörung ergibt, wird eine Untersuchung mit einem mobilen Rekorder (Somnolab®)als aussagekräftige Basisdiagnostik durchgeführt (Beschreibung unter Therapie).

An dem der Ableitung folgenden Tag werten wir die Untersuchung aus. Ergibt die Diagnostik einen Hinweis auf ein Schlafapnoe-Syndrom, erfolgt die abschließende Untersuchung. Gegebenenfalls leiten wir eine Therapie in einem Schlaflabor ein.