Der Name Morbus Sudeck ist auf die Erstbeschreibung im Jahr 1900 durch den Hamburger Chirurgen Paul Sudeck zurückzuführen.

Definition

Beim Morbus Sudeck handelt es sich um eine schmerzhafte Ernährungsstörung (Dystrophie) und Atrophie (Schrumpfung) der Haut, Muskulatur und Knochen an den Armen oder Beinen mit einem entsprechenden stadienhaften Verlauf.

Ursachen

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Morbus Sudeck sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Erkrankung tritt meist nach einer Verletzung oder Operation an den Extremitäten auf.

In seltenen Fällen wird ein Morbus Sudeck auch infolge eines Schlaganfalles, eines Herzinfarktes oder Nervenerkrankungen, manchmal auch ohne auslösende Ursache, beschrieben.

Wir gehen davon aus, dass es sich um eine Fehlregulation des vegetativen Nervensystems (nicht vom Willen beeinflussbares Nervensystem) handelt.

Auch wird eine lokale Entzündungsreaktion an den Nerven als Ursache diskutiert.

Psychische Symptome wie Ängstlichkeit, Depressivität und Labilität treten gehäuft im Zusammenhang mit dem Morbus Sudeck auf, wobei diese Symptome nicht Ursache, sondern Folge der Erkrankung sind.

Symptome

Vom Morbus Sudeck ist meistens ein Gelenk, bevorzugt Hand oder Fuß, seltener Schulter, Hüfte oder Knie, betroffen.

Neben ausgeprägten Bewegungsschmerzen können brennende Ruheschmerzen, Berührungsempfindlichkeit, Mindergefühl der Haut, schmerzhafte Berührungsempfindlichkeit, Koordinationsstörungen und/oder eine Bewegungseinschränkungen vorliegen.

Veränderungen an der Haut – wie Schwellung, Rötung, Überwärmung oder verminderter bzw. vermehrter Haarwuchs – sowie Gewebsschwund an Haut, Unterhaut, Muskeln und Nägeln sind fast immer als Spätfolge vorhanden.

Einteilung in 3 Stadien

  • Stadium I – Stadium der akuten Entzündung
  • Stadium II – Chronische Dystrophie
  • Stadium III – Irreversible Atrophie

Stadium I ist gekennzeichnet durch eine vermehrte Blutfülle mit Überwärmung, ödematöser Schwellung bei überwärmter und rötlich-livider, z. T. glänzender Haut.

Stadium II ist durch eine Schwellungsrückbildung, eine blasse, sogenannte Glanzhaut bei allgemeiner Weichteilschrumpfung gekennzeichnet. In dieser Phase kommt es zur Abnahme der Ruheschmerzen, das betroffene Gelenk beginnt zu versteifen.

Stadium III ist durch rückläufige Schmerzen bei fortgeschrittener Gelenkversteifung, verbunden mit Muskelschwund und deutlicher Kraftminderung gekennzeichnet. Die Haut ist trocken, atrophisch und wachsartig.

Therapie

Die Therapie beim Morbus Sudeck stimmen wir abhängig vom Stadium der Erkrankung und entsprechend der Schmerztoleranz und Medikamentenverträglichkeit individuell ab.

Stadium I

Im Stadium I verordnen wir kühle Umschläge, schmerzfreie Lagerung bzw. Ruhigstellung des betroffenen Gelenkes, spezielle absteigende Bäder an der gegenseitigen Extremität, Muskeltraining innerhalb der Schmerzgrenze und eventuell vorsichtige Massagen, inklusive Lymphdrainage.

An medikamentöser Therapie stehen Präparate verschiedener Substanzgruppen zur Auswahl:

  • Calcitonin (Hemmung des Knochenabbaus)
  • Schmerzmittel
  • Betablocker (Blutdrucksenker)
  • Bisphosphonate (knochenabbauhemmend)
  • Cortison
  • nichtsteroidale Antirheumatika (zur Entzündungshemmung)
  • Antidepressiva
  • Schmerzlindernde Salben

Stadium II

Im Stadium II kommen zum Einsatz:

  • milde Wärme
  • spezielle aufsteigende Bäder an der gegenseitigen Extremität
  • Elektrotherapie
  • Bindegewebsmassagen
  • zunehmend aktive Belastung, unterstützt durch die medikamentöse Therapie in Form durchblutungsfördernder Mittel, sogenannter Antiepileptika und spezieller Medikamente gegen Nervenschmerzen (wie z. B. Neurontin oder Lyrica)

Stadium III

Während der Behandlung im Stadium III stehen die Erhaltung und Kräftigung der vorhandenen Muskulatur und die Erhaltung der Restbeweglichkeit im Vordergrund.

Wir verordnen daher:

  • speziell funktionelles Training
  • eventuell Dehnungen und Lagerungen in Schienen
  • aktive und passive Mobilisierung
  • medizinische Trainingstherapie
  • Massagen zur Lösung von Gewebsverklebungen
  • Elektrotherapie
  • Bäder und Fangopackungen zur Durchblutungsförderung

Die unterstützende medikamentöse Therapie besteht in dieser Phase aus Schmerzmitteln, Antidepressiva, Neuroleptika und Bisphosphonaten.

Fachübergreifende Zusammenarbeit

Zur Therapie der Sudeckschen Dystrophie gehört ein Konzept fachübergreifender Zusammenarbeit der beteiligten Disziplinen (Ärzte, Ergotherapeuten, Krankengymnasten, Psychologen) und enge Absprache mit dem Betroffenen.

Bei Erkennen der Erkrankung sollte die Therapie zeitnah und stadiengerecht beginnen, um die Funktionseinbußen so gering wie möglich zu halten.

Vereinzelte und nur sporadisch angebotene Therapiemaßnahmen helfen unzureichend. Deshalb stellt das komplexe regionale Schmerzsyndrom (Morbus Sudeck) die Indikation für multimodale Schmerz- und Funktionsbehandlung im Sinne der stationären Rehabilitation, so auch in der Klinik Hoher Meißner, dar.

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Leitender Oberarzt Orthopädische Abteilung
Dr. med. Volker Stück

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