Die Osteoporose stellt eine häufige Rückenschmerzursache dar.

Auf dem Klimt-Gemälde "Die drei Generationen" aus dem Jahre 1905 ist das typische Erscheinungsbild einer osteoporosekranken Frau zu erkennen:

  • vermehrter Rundrücken
  • vermehrtes Hohlkreuz
  • vorgewölbter Leib
  • optischer Eindruck, als habe sich der Oberkörper dem Beckengürtel angenähert

An Osteoporose kann jeder Mensch erkranken, unabhängig von Geschlecht und Alter.

Meistens beschreibt man die Osteoporose der Frau. Aber 25 % aller Osteoporosefälle und Frakturen treten beim Mann auf.

Osteoporose stellt heutzutage eine globale Volkskrankheit dar, obwohl sie durch korrekte Behandlung und Vorbeugung weitestgehend vermieden werden könnte.

Definition

Die Osteoporose beruht auf einer stark negativen Knochenbilanz. Es kommt zum Substanzverlust, d. h. Minderung des Knochenmineralgehaltes und Zerstörung der Knochenarchitektur. Daraus resultiert das erhöhte Frakturrisiko.

Das Hockermodell macht die Bedeutung der Mikroarchitektur für die Festigkeit des Knochens gut verständlich.

Eine Abnahme der Querverstrebungen zwischen den Hockerbeinen führt zur drastischen Reduktion der Hockerbelastbarkeit.

Bei der Osteoporose kommt es zu einer Abnahme der horizontalen Querverbindungen (Trabekel) im Knochengefüge. Aus dieser verminderten Vernetzung zwischen den vertikalen Trabekeln resultiert (analog zum Hockermodell) eine dramatische Reduktion der Trabekelfestigkeit, der Knochen frakturiert.

Bereits eine geringe Zunahme der Knochenmasse durch geeignete Therapie führt zur Verbesserung der knöchernen Mikrostruktur und dadurch zur Minderung des Frakturrisikos.

Diagnostik

Röntgenaufnahme

Das konventionelle Röntgenbild ist zur Frühdiagnostik der Osteoporose nicht geeignet.

Röntgenaufnahmen des Skeletts lassen eine Osteoporose erst erkennen, wenn ein Substanzverlust von 30-40 % aufgetreten ist. Die auf dem Röntgenbild wie mit einem Bleistift nachgezeichnete Wirbelkörperkontur ist Ausdruck des trabekulären Knochenschwundes. Es zeigt sich röntgenologisch eine zusätzliche vertikale, also in Längsrichtung betonte Akzentuierung der Knochenstruktur.

Beim Voranschreiten der Osteoporose entwickeln sich typische Wirbelkörperdestruktionen in Form von Keilwirbeln und Fischwirbeln. Beim massiven Höhenverlust des gesamten Wirbelkörpers spricht man vom Plattwirbel. Aus dem Höhenverlust einzelner Wirbelkörper und der zunehmenden Rundrückenbildung resultiert der Körperlängenverlust des Osteoporosekranken.

Knochendichtemessung

Die Osteoporose lässt sich durch eine Knochendichtemessung objektivieren. Als in den Leitlinien empfohlenes Verfahren zur Knochendichtemessung existiert die DXA (Dual Photonen X-ray absorptiometry). Die Messorte sind im allgemeinen Oberschenkel und Lendenwirbelsäule. Das Ergebnis wird als Gewichtswert pro Flächeneinheit angegeben. Eine Software errechnet die Standardabweichung.

Eine Osteoporose liegt dann vor, wenn die Knochenmasse mehr als die 2,5fache Standardabweichung unter dem Vergleichswert einer gesunden prämenopausalen erwachsenen Frau liegt (T-Score).

Als Osteopenie wird die Knochenmasse bezeichnet, die einen T-Score von -1,0 bis -2,5 Standardabweichung zeigt. Die Osteopenie als messtechnischer Begriff stellt eine Grauzone zwischen normaler und osteoporotischer Knochendichte dar. Sie ist ein Warnsignal zu höherem Knochenbewusstsein und zur Einleitung konsequenter Präventivmaßnahmen. Ist der T-Wert größer als -1,0, ist die Knochendichte normal.

Laboruntersuchungen

Laborwerte können eine Osteoporose nicht sichern. Sie sind vor allem geeignet, andere Grunderkrankungen als Ursache der Osteoporose aufzudecken.

Die klinischen Leitsymptome der Osteoporose bestehen:

  • im Rundrücken
  • dem Körperlängenverlust
  • der Annäherung des Brustkorbes an den Beckengürtel, dadurch Vorwölbung des Leibes und Kompression der Eingeweide
  • im Tannenbaumphänomen des Rückens

Der chronische Schmerz wird zum Begleiter des Osteoporosekranken.

Mit dem Rundrücken und der Skelettdeformierung gehen Muskelverhärtungen und Fehlbelastung der kleinen Wirbelgelenke einher, die den chronischen Rückenschmerz des Osteoporosekranken verstärken.

Prävention und Behandlung

Calcium

In der Wachstumsphase muss ein ausreichender Pool an Knochendichte aufgebaut werden. Man kann die Situation mit einem Sparbuch vergleichen. Wenn das Sparbuch in der Jugend und im Erwachsenenalter gut gefüllt wird, kann man im Alter davon lange profitieren.

Die in der Jugend erworbene Knochendichte nimmt im Laufe des Alters schon genetisch bedingt ab. Bei der Frau kommt es zu einem nochmaligen deutlichen Knick nach der Menopause, bedingt durch die Hormonumstellung.

Die oben dargestellte Abbildung verdeutlicht, dass die Prävention der Osteoporose bereits in der Kindheit mit dem Skelettaufbau beginnen muss. Calciumreiche Kost liefert das Baumaterial, um bis zum 25. Lebensjahr das Erwachsenenskelett mit bester Knochendichte zu vollenden. Deshalb sollen Kinder und Jugendliche bis 4 x mehr Calcium pro kg Körpergewicht zu sich nehmen als Erwachsene.

Ausreichende Calciumzufuhr ist mit bewusster Ernährung verbunden. Wenn Teenager besonders gewichtsbewusst sind, kann dieses Ziel auch durch calciumreiche, aber fettarme Kost (fettarme Milch, fettarmer Käse, fettarmer Joghurt, calciumangereicherten Säften und Brot) erreicht werden.

Es ist wichtig zu wissen, dass während der Schwangerschaft und Stillzeit der Bedarf an Calcium besonders hoch ist.

Eine ausreichende Calciumversorgung sollte jeden Menschen als Osteoporoseprophylaxe ein Leben lang begleiten. Zu beachten ist dabei, dass "Knochenräuber" (Koffein, hoher Konsum von Zucker, Salz, Phosphat, Fett und Eiweiß) die Aufnahme von Calcium dramatisch behindern.

Zur Calciumsubstitution bieten sich Calciumtabletten an.

Medikamente

Medikamente können bei der Entwicklung der Osteoporose eine große Rolle spielen, wenn sie als Nebenwirkung knochenschädigend sind.

An erster Stelle sind die Glukokortikoide zu nennen, die bei regelmäßiger Einnahme zwangsläufig zur sekundären Osteoporose führen (dass sind z. B. Prednisolon, Dexamethason).

Auch Langzeittherapie mit hohen Dosen eines Cortisonsprays kann Osteoporose verursachen. Gerade für "Cortisonpatienten" ist es extrem wichtig, zusätzliche schädigende Verhaltensweisen wie falsche Ernährung und Lebensstil (Rauchen und Alkohol) zu vermeiden.

Schilddrüsenhormone, Antikoagulantien (Medikamente, die das Blut verflüssigen), Antikonvulsiva (Medikamente, die Krampfanfälle vermeiden) können zur Mineralisationsstörung führen.

Erkrankungen

Es gibt auch knochenschädigende Krankheiten, die man erkennen und gezielt behandeln muss.

Dazu gehören z. B. die chronische Polyarthritis, also ein Rheuma, Autoimmunerkrankungen, Asthma, Schilddrüsenüberfunktion, Leberzirrhose, Niereninsuffizienz.

Entzündliche Darmerkrankungen oder der Zustand nach Magen-Darm-Operation führen zur verminderten Aufnahme von Calcium und Vitamin D und bedürfen deshalb einer regelmäßigen Vitamin- und Calciumzufuhr.

Sport

Wir alle wünschen uns lebenslang stabile Knochen. Die Basis dafür stellt auch regelmäßige sportliche Aktivität dar. Bewegung stärkt bekanntermaßen Muskeln, aber auch Gelenke und Knochen.

Am Skelett wirkende Druck- und Zugkräfte initiieren die Neubildung von Knochen. Körperliche Aktivität hat Bedeutung bezüglich Sicherheit und Koordination, fördert die Gesamtdurchblutung und wirkt sich positiv auf den Blutdruck und das Herz-Kreislauf-System aus.

Die besten Übungen für den Knochen sind solche, die gegen die Schwerkraft erfolgen (Treppensteigen, Laufen, Bergwandern, vorsichtiges Gewichtheben und Sprungübungen, nach Absprache mit dem Arzt).

In der Orthopädie empfehlen wir häufig die sportliche Betätigung im Bewegungsbad und das Radfahren. Bezüglich Osteoporose bewirken diese Aktivitäten, unter Aufhebung der Eigenschwere, keine signifikante Verbesserung der Knochendichte.

Zum Leistungsspektrum unserer Klinik gehört, neben Osteoporosegymnastik, individuell gestaltete moderate Medizinische Trainingstherapie (MTT), auch für ältere Patienten. Voraussetzung für die Teilnahme an der MTT ist, dass noch keine Wirbelkörperfrakturen vorhanden sind. Bei der Auswahl der sportlichen Aktivität sind Faktoren wie individuelle Veranlagung sowie Spaß und Freude zu beachten, sonst ist nicht mit langfristiger Compliance zu rechnen.

Therapeutische Gabe von Medikamenten

Ist die Osteoporose vorhanden, gilt es schnell zu therapieren. Die Basistherapie besteht in jedem Fall in der Gabe von Calcium und Vitamin D.

Bisphosphonate

Mit den Bisphosphonaten stehen potente Substanzen zur Verfügung, die vor allem den Knochenabbau hemmen und damit eine positive Knochenbilanz schaffen. Die stickstoffhaltigen Bisphosphonate sind effektive Medikamente zur Behandlung aller Formen der Osteoporose.
Bisphosphonate verbessern die Knochenstabilität.

Die optimale Dauer der Bisphosphonattherapie beträgt 1-3 Jahre, in Abhängigkeit von dem Schweregrad der Osteoporose und Zunahme der Knochendichte.

Während der Osteoporosetherapie kommt es nicht nur zur Zunahme der Knochendichte und Abnahme der Frakturrate, sondern auch zur Abnahme der osteoporoseassoziierten Knochenschmerzen, Zunahme an Lebensqualität und Mobilität sowie Abnahme der Krankenhausaufenthaltstage.

Sie haben Fragen zur Thematik?

Schreiben Sie uns per E-Mail: orthopaedie@reha-klinik.de

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit,
Dr. med. Petra Brückner
Chefärztin der Orthopädischen Abteilung der Klinik Hoher Meißner

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