Die "Spondyloarthritiden" beinhalten für den Orthopäden eine spezielle Gruppe von Rheuma-Erkrankungen:

  • Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew): bekannteste entzündliche Wirbelsäulen-Erkrankung
  • Unklassifizierte Spondyloarthritis: häufigste Erkrankung - kann im weiteren Verlauf (Diagnostik, zeitlicher Verlauf) in eine definierte Spondylarthritis münden
  • Spondyloarthritis psoriatica: entzündliche Wirbelsäulenerkrankung bei Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Spondyloarthritis bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa: entzündliche Wirbelsäulen-Erkrankung bei Dünn- und/oder Dickdarm-Entzündung
  • Reaktive Spondyloarthritis: entzündliche Wirbelsäulen-Erkrankung als Reaktion auf eine infektiöse Erkrankung (meist nach bakteriellen Harnwegs- oder Darm-Infektionen)
  • Iuvenile Spondyloarthritis: entzündliche Wirbelsäulen-, Gelenkerkrankung im Kindes- und Jugendalter

Diagnostik

Beim Rückenschmerz vom entzündlichen Typ ist als mögliche Ursache eine Spondyloarthritis zu diskutieren. Da ca. 70 % der Bevölkerung mehr oder weniger über Rückenschmerzen klagen, ist es häufig nicht leicht, diejenigen mit Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) sowie andere, meist milder verlaufende Spondyloarthritiden zu erfassen.

Die Spondyloarthritiden weisen eine familiäre Häufung auf. Häufig findet man bei diesen Erkrankungen das aus dem Blut bestimmbare HLA-B27-Gen. Das deutliche Betroffensein männlicher Patienten bis zu 90% gilt ausschließlich für die Spondylitis ankylosans. Das Vorliegen eines typischen Röntgenbefundes im Bereich der Kreuzbeinfugen am knöchernen Becken sowie der positive Nachweis des Erbmerkmales HLA-B27 in bis zu 95% der Fälle sind ebenfalls ausschließlich hilfreiche Informationen für die Diagnostik der Spondylitis ankylosans.

Andere im Labor-Test bestimmbare Entzündungszeichen können bei Spondylarthritiden, trotz Wirbelsäulen- oder Gelenkschmerzen, fehlen.

Morgensteifigkeit

Das Vorliegen einer Morgensteifigkeitsdauer in der Wirbelsäule von mehr als 30 Minuten gilt als gutes Unterscheidungsmerkmal zwischen dem entzündlichen und dem degenerativen (Verschleiß) Rückenschmerz.

Die morgendliche Wirbelsäulensteifigkeit spiegelt anhand der Dauer die vorliegende klinische Krankheitsaktivität der Spondyloarthritiden wieder.

Der Wirbelsäulenschmerz, der durch eine Spondyloarthritis ausgelöst wird, spricht besonders positiv auf Bewegung an. Dagegen erfahren sowohl der Bandscheiben- als auch der Osteoporose-Patient sowie Patienten mit anderen Wirbelsäulen-Erkrankungen im akuten Stadium durch Bewegung häufig eine Schmerzzunahme und suchen deshalb Entlastungspositionen auf.

Auch wenn Patienten mit Spondyloarthritiden über ab und zu auftretende tiefsitzende Rückenschmerzen als "Hexenschuss" berichten, so wird charakteristischerweise der Beginn der Rückenschmerzen als schleichend beschrieben.

Hauptmerkmale

  • Wirbelsäulenschmerzen
  • Schmerzen/Schwellung einzelner Gelenke (meist asymmetrisch, das heißt, nur eines der jeweils symmetrisch angelegten Gelenke)
  • Sehnenansatzschmerzen und -entzündungen (Enthesitis), oft bemerkt als Fersenschmerz, Schmerz der Oberschenkelknochen "oben außen" am großen Rollhügel (Trochanter major)
  • Merkmale außerhalb von Wirbelsäule und Gelenken: Augen-Entzündungen (Uveitis: Regenbogenhaut-Entzündung), Hautveränderungen

Therapie und Rehabilitation

1. Therapiesäule

Physikalische Therapie und Krankengymnastik sind die Schwerpunkte geeigneter Therapie.

  • Manual-therapeutische Maßnahmen im Bereich der Ileosakralgelenke oder eine Manipulation an der Wirbelsäule sollten bei Spondyloarthritis zurückhaltend eingesetzt werden.
  • Krankengymnastik bei Spondyloarthritis
  • Mobilisation aller Wirbelsäulenabschnitte
  • Verbesserung der Thoraxbeweglichkeit (z.B. Mobilisation der Rippenwirbelgelenke, Dehnlagerungen, Atemübungen)
  • Dehnung/Lockerung der verkürzten Muskulatur
  • Mobilisation der Hüftgelenke
  • Atemgymnastik
  • Gezielte Medizinische Trainingstherapie (MTT)
  • In den meisten Fällen: Keine Manipulation der Kreuz-Darmbein-Gelenke!

Therapieprinzip: Aufrichtung vor Rotation

Patienten mit Spondyloarthritis profitieren häufig von Extensionsbehandlungen.

Es wurden aber auch gute Erfahrungen mit neurophysiologischen Techniken wie der Propriozeptiven Neuromuskulären Faszilitation (PNF) und der Feldenkrais-Therapie gemacht.

Als weitere physikalische Therapiemaßnahmen kommen zur Anwendung:

  • gezielte Kälteanwendungen
  • Ganzkörper-Wärmeanwendungen
  • Stangerbäder
  • Interferenzsromanwendungen

2. Therapiesäule

Als zweite Therapiesäule ist die medikamentöse Therapie zu nennen.

Zum einen können sogenannte Schmerzmedikamente (zum Beispiel Nicht-Steroidale-Antirheumatika (NSAR) als Bedarfsmedikation bei Schmerzschüben eingesetzt werden. Eine regelmäßige Einnahme von NSAR muss ärztlicherseits hinsichtlich möglicher auftretender Nebenwirkungen begleitet werden.

Als so genannte Basisherapeutika stehen zum Beispiel Präparate wie Sulfasalazin, Zytostatika  oder Immunsuppressiva zur Verfügung.

Die anzustrebende Schmerzreduktion bei Spondyloarthritis ist eine wichtige Voraussetzung für die Patienten, um die notwendigen aktiven Bewegungsmaßnahmen durchführen zu können. So wird das Risiko fortschreitender Funktionseinschränkungen an der Wirbelsäule und den Gelenken begrenzt.

Einzelschritte der Therapie

Am Anfang des therapeutischen Vorgehens stehen schwerpunktmäßig physikalische Therapiemaßnahmen, die durch eigene Aktivitäten wie regelmäßiges Schwimmen, Fahrradfahren, Wandern oder Nordic Walking unterstützt werden sollten.

Krankengymnastische Bewegungsübungen sind passiven Maßnahmen wie Wärmeanwendungen oder Massagen vorzuziehen.

Komplexe physikalische Therapiemaßnahmen unter Berücksichtigung von Krankengymnastik, Wärmeanwendungen in Form von Moor-Packungen und Teilmassagen sind ein hilfreicher Therapieansatz bei ausgeprägterem Rückenschmerz, welcher insbesondere mit Muskelverspannungen einhergeht.

Wassergymnastik in der Gruppe wie auch Trockengymnastik in der Gruppe ergänzen die Therapie. Solche Angebote werden auch von Selbsthilfegruppen oder Gesundheitsverbänden angeboten werden.

Der Wunsch des Patienten, häufig auf Medikamente verzichten zu wollen, ist bei den Spondyloarthritiden nicht immer zu erfüllen. Diese Krankheitsgruppe profitiert erheblich von regelmäßiger körperlicher Aktivität, was oftmals nur bei entsprechender Schmerzreduktion durch eine medikamentöse Therapie umzusetzen ist.

Inwieweit Medikamente bei Bedarf oder regelmäßig eingesetzt werden, muss mit dem behandelnden Arzt jeweils im Einzelfall entschieden werden. Auch wenn bei Patienten mit Spondylarthritiden oft Nicht-Steroidale Antirheumatika eingesetzt werden, so ist die Aufnahme einer Langzeittherapie mit krankheitsmodulierenden Substanzen, wie zum Beispiel Azathioprin, Methotrexat oder Sandimmun auch in Frühfällen häufig ein sinnvolles Vorgehen. Denn dieser Therapieweg ist mit der Möglichkeit verknüpft, das Kranksein des Patienten langfristig auf eine niedrigere Aktivitätsstufe abzusenken.

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Chefärztin der Orthopädischen Abteilung
Dr. med. Petra Brückner

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