KLINIK HOHER MEIßNER

Orthopädische Rehabilitation für geriatrische Patienten

Wir passen unsere Leistungen an die Lebenssituation der Patienten an

„Es geht nicht darum, zu leben, sondern so gut wie möglich zu leben.“ Der Ausspruch Senecas hat an Aktualität bis in die Gegenwart nichts eingebüßt. Seine Bedeutung rückt mit zunehmendem Alter oder bei Eintritt von Krankheit und Gebrechlichkeit stärker ins Bewusstsein.

Nicht selten sind es chronische Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates oder Operation- und Unfallfolgen, die einen bis dahin zur Selbstversorgung fähigen älteren Menschen in einen Zustand der Immobilität und drohender Pflegebedürftigkeit versetzen.

Für diese Patienten bieten wir ein exakt definiertes und der Lebenssituation der Betroffenen angepasstes Leistungsangebot.

Für wen ist die Rehabilitation sinnvoll?

Nicht jeder über 70- bis 80-jährige Patient ist zwangsläufig ein geriatrischer Patient. Der Alterungsprozess unterliegt einer hohen individuellen Schwankungsbreite, abhängig von der genetischen Disposition, den Lebensrisiken und der Lebensführung.

Der geriatrische Patient unterscheidet sich von dem älteren Patienten des orthopädischen Fachgebietes durch das Merkmal der sogenannten geriatrietypischen Multimorbidität.

Unter diesem Begriff subsumieren sich Immobilität, Sturzgefährdung, Schwindel, unkontrollierter Stuhl- und Harnabgang, Depression und Ängste, Mehrfachmedikation, herabgesetzte Medikamententoleranz, Störung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes, Seh- und Hörbehinderung und chronische Schmerzzustände.

Aus dieser Kombination von strukturellen und funktionellen Schäden resultiert die Gefahr entstehender Behinderungen und/oder Pflegebedürftigkeit bzw. erhöhtem Betreuungs- und Pflegeaufwand.

In der Praxis kommt es zu Beeinträchtigungen der Alltagsaktivität auf verschiedensten Ebenen. Folgende Einschränkungen können sich manifestieren:

  • selbständiges Essen und Trinken
  • persönliche Hygiene
  • selbständiges An- und Auskleiden
  • Gehvermögen in Räumen und außer Haus
  • Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • Kommunikation
  • Teilhabe am sozialen Leben

Ausschlusskriterien für orthopädische Rehabilitation von geriatrischen Patienten sind:

  • fehlende Motivation und Motivierbarkeit des Rehabilitanden
  • fehlende oder unzureichende Belastbarkeit, so dass keinerlei aktive Teilnahme am Therapieprogramm möglich ist
  • Desorientiertheit
  • Blindheit in Kombination mit Taubheit
  •  außerordentlich große Druckgeschwüre
  • schwere psychische Störungen
  • Pflegestufe II und mehr

Die Grundvoraussetzung für orthopädische Rehabilitation von geriatrischen Patienten besteht darin, dass die Betroffenen, trotz eingeschränkter physischer und psychischer Belastbarkeit, mehrfach täglich an leistungsangepassten rehabilitativen Maßnahmen teilnehmen können. Die größere Hilfsbedürftigkeit wird dabei berücksichtigt.

Wann ist eine Rehabilitation angezeigt?

  • wenn chronische, langsam fortschreitende Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates bestehen, die die Selbständigkeit zunehmend bedrohen
  • wenn akute Erkrankungen oder Unfallfolgen liegen vor, die das Kompensationsvermögen des geriatrischen Patienten überfordern und die Fähigkeiten zur Bewältigung des täglichen Lebens soweit einschränken, dass erhöhter Betreuungs- und Pflegeaufwand droht

Folgende Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates sind die häufigsten Indikationen:

  • degenerative Veränderungen von Wirbelsäule und Gelenken mit schmerzbedingter Immobilität
  • Osteoporose mit dadurch bedingten Wirbelkörperkompressionsfrakturen
  • Zustand nach hüftgelenknahen Frakturen
  • Zustand nach Endoprothesenversorgung von Hüft-, Knie-, Sprung- und/oder Schultergelenk
  • Zustand nach Gliedmaßenamputationen bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit oder diabetischem Gefäßleiden
  • Zustand nach immobilisierenden internistischen Erkrankungen mit reaktivem Muskelminus
  • Verlust im sozialen Umfeld (Partnerverlust) mit reaktiver Depression und Immobilität

Wie läuft eine Rehabilitation ab?

Unser Rehabilitationsteam steht für den orthopädisch erkrankten geriatrischen Patienten mit höchster fachlicher Kompetenz, Zeit und Einfühlungsvermögen bereit.

Um der speziellen Situation des alten und hilfsbedürftigen Menschen gerecht zu werden, kommen komplexe fachübergreifende Behandlungs- und Rehabilitationsangebote zum Einsatz.

Am Anfang des Rehabilitationsprozesses steht die Aufgabe, medizinische und psychosoziale Probleme und Ressourcen des älteren Patienten systematisch zu erfassen und zu quantifizieren.

Zu Beginn der Rehabilitationsmaßnahme werden geriatrische Assessmentverfahren (z. B. Barthel-Index, Timed up and go-Test, Test nach Tinetti und Uhrenzeichentest) eingesetzt, um Fähigkeitsstörungen auf körperlicher und kognitiver Ebene zu erfassen und im Verlauf zu kontrollieren.

Außer den genannten geriatriebezogenen diagnostischen Maßnahmen steht der gesamte Komplex der üblichen diagnostischen Maßnahmen (Labor, Lungenfunktion, EKG, Blutdruckmessung, Blutgasanalyse, Ultraschall, Duplexsonographie, Röntgen, EEG, EMG, ENG, VEP, AEP, Schlafapnoescreening) zum Erfassen internistischer, orthopädischer und neurologischer Erkrankungen zur Verfügung.

Gemeinsam mit den Patienten und möglicherweise auch den Angehörigen definieren wir das konkrete Behandlungsziel. Für dessen Erreichen greifen folgende Therapieinhalte eng ineinander.

  • kontinuierliche ärztliche Diagnostik, Behandlung und Teamführung
  • Maßnahmen der Pflege mit Schwerpunkt der aktivierend therapeutischen Pflege
  • Maßnahmen der Krankengymnastik und Bewegungstherapie (Einzelkrankengymnastik 4-6 x pro Woche)
  • Maßnahmen der physikalischen Therapie
  • Ergotherapie (hochfrequent funktionsbezogen und als Kommunikationsgruppe)
  • Maßnahmen der Logopädie
  • neuropsychologische Behandlung
  • psychologische und psychotherapeutische Behandlung (einzeln und in der Gruppe)
  • Sozialberatung (einzeln und als Familiengespräch)
  • Ernährungsberatung
  • ggf. Einleitung des Wundmanagements
  • Einbindung des Orthopädiemechanikers zur indikationsgerechten Hilfsmittelversorgung sowie Anpassung von Prothesen oder notwendiger behindertengerechter Ausstattung im häuslichen Umfeld
  • Kontakt zu Hausarzt und Angehörigen

Voraussetzung für den Behandlungserfolg

Höchste Fachkompetenz, Zuwendung und notwendige Behandlungszeit für den geriatrischen Patienten sind Erfolgsfaktoren einer Behandlung.

  • Wir berücksichtigen rasche Ermüdbarkeit, Stimmungsschwankungen, erhöhten Zeitbedarf und die größere Ängstlichkeit des älteren Patienten.
  • Die Übungen sind einfach, klar und deutlich definiert und auf die Verbesserung von Strukturschäden und Funktionsstörungen ausgerichtet.
  • Wir beachten die spontanen Leistungsschwankungen im Alter bei der täglichen Dosierung der physikalischen Mittel.
  • Geduld und die Fähigkeit zum Zuhören sind ebenso wichtig, wie die Einhaltung einer würdevollen Distanz zum älteren Patienten.

Die Ziele der Rehabilitation

Das Behandlungsziel für orthopädisch erkrankte geriatrische Patienten besteht darin, die Lebensqualität zu erhalten bzw. zu verbessern und das bestmögliche Maß an Selbstversorgungsfähigkeit zu erreichen.

Dabei geht es nicht um das Funktionieren eines Organes oder das Heilen einer Fraktur, sondern um das Funktionieren von Organsystemen und des gesamten Menschen auf physischer und psychischer Ebene.

Altern bedeutet nicht zwangsläufig Einschränkung und Entbehrung. Alter verbindet sich mit Lebenserfahrung, Weisheit, Ruhe und Zufriedenheit, bewusstem Leben und Lernfähigkeit.

Durch die abteilungsübergreifende Komplexbehandlung sind im folgende Ziele definiert:

  • ausreichende Mobilität für den Alltag
  • Rückkehr in die gewohnte Umgebung
  • Wiedergewinnung, Verbesserung oder Erhalt der Selbständigkeit bei Verrichtungen des täglichen Lebens
  • Vermeidung von erhöhtem Maß an Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit

Während der Rehabilitationsmaßnahme wird der orthopädisch erkrankte geriatrische Patient ganzheitlich betrachtet, profitiert vom multimodalen leistungsangepassten Therapieprogramm, so dass er danach bestmöglich seinen Alltag wieder gestalten kann.

Weitere Informationen

  • Das Gebäude ist barrierefrei und behindertengerecht ausgestattet.
  • Ein rollstuhlgerechter Hausbus steht für den Transfer in den Ort und zurück zur Verfügung.
  • Kostenträger der Behandlungen sind gesetzliche Krankenkassen, Selbstzahler und private Krankenversicherungen.
  • Wenn gewünscht, kann der Lebenspartner als Begleitperson aufgenommen werden.

Kontakt

Bei Fragen zur Aufnahme:

Aufnahmebüro
Susanne Mülverstedt, Judith Dunsch und Nicole Strube

Telefon 0 56 52.558-03

Bei Fragen zur orthopädischen Rehabilitation:

Chefärztin Orthopädische Abteilung
Dr. med. Petra Brückner

Sekretariat
Petra Lieberum

Telefon 0 56 52.558-21
E-Mail orthopaedie@reha-klinik.de