KLINIK HOHER MEIßNER

Schlaganfall – die Therapien

Wichtige Bereiche der Schlaganfallbehandlung

Allgemeine medizinische Behandlung des akuten Schlaganfalls

  • Bei allen Schlaganfall - Patienten müssen der neurologische Befund, Blutdruck, Puls und Temperatur regelmäßig kontrolliert werden.
  • Es gibt eine Übereinstimmung darüber, dass die Behandlung der allgemeinen medizinischen Probleme die Grundlage der Schlaganfall -Behandlung ist.
  • Die medizinische Versorgung umfasst die Sicherstellung von Herz- und Lungenfunktionen, den Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes, Blutdruckkontrollen und -behandlung sowie ggfs. die Behandlung erhöhten Hirndrucks.
  • Zusätzlich gehören dazu die Behandlung von manchmal auftretenden epileptischen Anfällen, die Vorsorge und Behandlung von tiefen Beinvenenthrombosen und Lungenembolien sowie Lungenentzündungen oder Durchlagegeschwüren (Dekubitus).

Blutdruckbehandlung

Da die selbständige Regulation des Blutflusses im Gehirn in Gebieten mit sich entwickelnden Infarkten aufgehoben sein und somit direkt vom systemischen Blutdruck abhängen kann, sind Blutdruckabfälle möglichst zu vermeiden. Schlaganfall -Patienten haben allerdings akut meist ein erhöhten Blutdruck, so dass bei ihnen beispielsweise Blutdruckwerte von 190 / 100 mm Hg zu tolerieren sind.

In allen Fällen ist eine leicht erhöhte Kreislauflage erwünscht, z.B. mit einem Blutdruck von 160/90 bis 180/100. Blutdruckentgleisungen systolisch, also den oberen Wert betreffend über 220 mm Hg und diastolisch, also den unteren Wert betreffend über 120 mm Hg sollten jedoch in der Regel medikamentös behandelt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass keine zu drastische Blutdrucksenkung vorgenommen wird.

Die Indikation für eine Blutdrucksenkung in der Akutphase eines Hirninfarktes besteht vor allem beim gleichzeitigen akuten Herzinfarkt und eingeschränkter Belastbarkeit des Herzen. Im Falle einer Hirnblutung kann eine Blutdrucksenkung ebenfalls notwendig sein.

Hyperglykämie (erhöhte Blutzuckerwerte)

Erhöhte Blutzuckerwerte sind ungünstig für die weitere Prognose des Krankheitsverlaufs eines Schlaganfalls. Entsprechend sind normgerechte Blutzuckerwerte anzustreben.

Lungenembolien und tiefe Beinvenenthrombosen

An Lungenembolien versterben 5% aller Schlaganfall -Patienten unabhängig von der Prognose des Schlaganfalls. Dieses Risiko kann durch eine frühe Mobilisierung des Patienten und durch eine Heparinbehandlung ("Bauchspritze") vermindert werden. Daher wird eine Vorbeugung mit niedrigdosiertem Heparin für bettlägerige Schlaganfall -Patienten empfohlen.

Weitere allgemeine Aspekte

Erhöhte Körpertemperaturen vergrößern in experimentellen Studien das Infarktgebiet und sind bei Schlaganfallpatienten mit einer schlechten Prognose verbunden. Bei Körpertemperaturen über 37,5°C sollten deshalb fiebersenkende Substanzen eingesetzt werden.

Spezielle Therapie des Hirninfarkts

Innerhalb eines kurzen Zeitraumes nach Auftreten der Symptome kann der zum Schlaganfall führende Verschluss einer Arterie unter bestimmten Voraussetzungen aufgelöst werden. Die Behandlung ist umso effektiver, je früher sie einsetzt. Die Wirksamkeit ist innerhalb der ersten drei Stunden am größten. Die sogenannte Lyse verbessert die Chancen einer Rückbildung der Symptome.

Handelt es sich um einen großen Thrombus, hilft die Lyse unter Umständen nicht ausreichend weiter. Für diese Fälle wurden Katheter-Systeme entwickelt, den Thrombus aus der verschlossenen Arterie herausholen können. Diese Behandlung ist größeren Zentren vorbehalten, die auch für kleinere Kliniken diese Versorgung durchführen. Die Patienten werden dafür entsprechend rasch weiterverlegt.

Die frühzeitige hochdosierte Gabe von Heparin konnte seine Wirksamkeit bei Hirninfarkten dagegen nicht belegen. Die Behandlung hat ihre Berechtigung nur noch bei Patienten, die ein erhöhtes Risiko für embolische Infarkte besitzen, das heißt bei Patienten, bei denen ein Gerinnsel aus dem Herzen als Ursache des Schlaganfalls angesehen wird. Hier ist die Gabe von Heparin aber nicht die möglichst schnelle Auflösung des Gerinnsels, sondern der Schutz vor weiteren Schlaganfällen.