KLINIK HOHER MEIßNER

Rehabilitation bei Gelenkverschleiß

Leider ist die Arthrose bis heute nicht "heilbar". Keine der dargestellten Therapiemethoden ist in der Lage, das Gelenk in einen "gesunden" Zustand zurückzuführen.

Was können Arthrosebetroffene dennoch tun?

Individuelle Risikofaktoren, wie Übergewicht, sollten minimiert werden.

Einseitige Gelenkbelastung, wie langes Knien, Hocken oder Bücken, ist zu vermeiden bzw. durch Lockerungsgymnastik bzw. gelenkgerechtes Verhalten, zu unterbrechen.

Sportliche Aktivitäten in sinnvollen Maße unterstützen die Gelenkknorpelernährung und beeinflussen die Gelenkfunktion positiv. Kräftigung der gelenkführenden Muskulatur (gezielte Krankengymnastik) zielt auf Gelenkstabilisierung ("von außen") und wirkt über Beseitigung muskulärer Dysbalancen und Gelenkentlastung dem Voranschreiten der Arthrose entgegen.

Bei Arthrose sind gelenkbelastende Sportarten wie Marathonläufe, aggressive Ballspiele und Skiabfahrtslauf zu vermeiden. Als günstige gelenkschonende sportliche Aktivitäten werden gezielte Gymnastik, Schwimmen, Walken, Radfahren oder Skilanglauf betrachtet.

Medikamentöse Therapie

Ziel der medikamentösen Arthrose-Therapie besteht in der Entzündungshemmung und Schmerzlinderung.

Eine ausgeprägte Entzündung der Gelenkinnenhaut beschleunigt den Knorpelabbau und verstärkt dadurch den Gelenkverschleiß. Dieser unglückselige Kreislauf gehört medikamentös unterbrochen.

Bei Gelenkergüssen sollte umgehend punktiert werden. Bei wiederkehrenden Gelenkergüssen, z.B. im Rahmen einer rheumatischen Grunderkrankung verabreichen wir ein cortisonhaltiges Medikament in das Gelenk, um den Entzündungsprozess nachhaltig zu stoppen. Von wiederholten intraartikulären cortisonhaltigen Injektionen ist jedoch abzuraten. In das Gelenk können auch sogenannte Chondroprotektiva (Hyalart, Synvisc) gespritzt werden.

Nicht steroidale Antirheumatika

Diese Stoffe haben eine große Ähnlichkeit mit Gelenkflüssigkeit, sollen weitere Knorpeldestruktion aufhalten, durch Hemmung entzündungsfördernder Enzyme den Entzündungsmechanismus bremsen und damit eine Schmerzreduktion und Funktiongsverbesserung bewirken. Wirkungsvolle Entzündungshemmer und Schmerzmittel sind die nicht steroidalen Antirheumatika (z.B. Voltaren oder Ibuprofen). Der Nachteil dieser Medikamentengruppe besteht in der schlechten Magenverträglichkeit und Reizung der Magenschleimhaut, deshalb sollten sie in Kombination mit Magenschutzpräparaten eingenommen werden.

Medikamentöse Schmerztherapie

Wenn die Arthrose weit fortgeschritten ist, ständige Bewegungs- und Belastungsschmerzen verursacht und dadurch auch der Nachtschlaf gestört ist, drehen sich die Gedanken des Betroffenen nur noch um seine Schmerzen. Mit der Zeit entwickelt sich eine eigenständige Schmerzkrankheit.

Die Schmerzen werden dann nicht nur im erkrankten Gelenk verspürt, sondern sie strahlen auch in andere Körperbereiche aus - letztlich wird der Erkrankte depressiv, fühlt sich unverstanden und tritt sozialen Rückzug an. Schmerzbedingt nimmt die Bewegungsarmut zu, so dass ein schlechter Kreislauf von Bewegungsarmut, Muskelschwund und Gelenkeinsteifung in Gang kommt.

Bei diesem Patienten mit chronischem Arthroseschmerz empfiehlt sich eine Behandlung nach dem Stufenplan der WHO. Sofern die Schmerzmittel der ersten Stufe, wie Diclofenac oder Ibuprofen, nicht mehr ausreichen, verordnen wir in der zweiten Stufe schwach wirksame Opioide, z.B. Tramadol oder Tilidin.

Wenn auch diese Schmerzmittel nicht ausreichend wirksam sind, so wird der behandelnde Arzt auf stark wirksame Opioide wie Fentalylpflaster oder Morphin-Präparate zurückgreifen müssen. Das trifft auch dann zu, wenn eine operative Versorgung des Gelenkverschleißes aufgrund von Risikofaktoren nicht möglich ist.

Zur Behandlung chronischer Schmerzzustände gehört auch die Einnahme von Antidepressiva.

Der antinozizeptive Effekt von Antidepressiva ist unabhängig von der antidepressiven Wirkung selbst. Das bedeutet, dass durch die Gabe von Antidepressiva keine Depression behandelt werden soll, sondern ein eigener schmerzlindernder Effekt genutzt wird. Dem Betroffenen sollte klar sein, dass die Behandlung mit Antidepressiva hier nicht zur Therapie von psychischen Auffälligkeiten Einsatz findet, sondern zur "Anhebung der Schmerzschwelle".

Ergotherapie

In der Ergotherapie nutzen wir kreative Aktivitäten, um Gelenkfunktionen zu verbessern.

Ergotherapeuten vermitteln umfassende Informationen zum Gelenkschutz.

Sie üben Arbeitstechniken unter dem Gesichtspunkt der Gelenkschonung und Vermeidung von Gelenkfehlbelastung.

Ergonomische Versorgungen (z.B. Schuhlöffel, Schuh- und Strumpfanziehhilfe, anatomische Griffgestaltung) erleichtern bestimmte gelenkbeanspruchende Alltagsverrichtungen.

Orthopädietechnik

Orthopädietechnische Maßnahmen sind geeignet, in verschiedenen Stadien der Erkrankung Erleichterung zu verschaffen.

Bei schwerer Arthrose im Gelenkbereich der unteren Extremitäten kann ein Gehstock auf der Gegenseite oder auch 2 Unterarmgehstützen Sicherheit und Entlastung der betroffenen Extremität bieten.

Es stehen verschiedenste Einlagen und Schuhzurichtungen zur Entlastung der Arthrose-gelenke im Zeh-, Sprung-, Kniebereich zur Verfügung. Vorteilhaft sind dämpfende Einlagen oder Absätze (Weichbettung, Pufferabsätze), wodurch sich Stoßbelastungen im Gelenkbereich der unteren Extremitäten minimieren lassen.

Versorgungen mit Gelenkbandagen sind im Einzelfall, z.B. bei bandinstabilen Kniegelenken notwendig. Im Allgemeinen haben sie weniger einen mechanischen - als vielmehr einen psychisch-aktivierenden Effekt.

Bei Verordnung einer Bandage oder stabilisierenden Orthese gilt es immer zu bedenken, dass eigene Muskulatur entlastet - und sich dadurch weiter zurückbilden wird.

Physikalische Therapie und Krankengymnastik

Der Krankengymnastik kommt die zentrale Bedeutung im Rahmen der konservativen Arthrose-Therapie zu. Sie dient der Bewegungsverbesserung im Gelenkbereich, Dehnung verkürzter Band- und Muskelstrukturen und dem muskulären Aufbau.

Insbesondere im Frühstadium der Arthrose gilt, dass Bewegung Wunder wirkt.

Durch krankengymnastische Übungsbehandlung durchbricht man den unglückseligen Kreislauf von Muskelabbau, Schmerzzunahme, Abnahme der Aktivität und weiterer Muskelumfangsminderung.

Auch Techniken der manuellen Therapie können im frühen Erkrankungsstadium gut eingesetzt werden zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit sowie zur Entspannung der umgebenden Weichteile.

Übungsbehandlung im Bewegungsbad ermöglicht, unter Aufhebung der Eigenschwere ein schmerzarmes Üben der degenerativ veränderten Gelenke. Positive Zusatzeffekte sind der Wasserauftrieb und die Volumenwärmewirkung.

Wärme oder Kälte?

Bei akuter Gelenkreizung ist meist Kältebehandlung angezeigt. Diese verabreichen wir in Form von kalten Moorpackungen, Eispackungen oder Eisabrieb, Kaltluft oder in Kältekammern.

Längerfristig angewandte Kälte (15 bis 20 Minuten) führt zu muskulären Entspannung.

Häufig schalten wir Kälteanwendungen krankengymnastischen Übungsbehandlungen vor, da sie die Schmerzschwelle anheben.

Örtliche Wärmeanwendungen sind bei "entzündungsfreier" Gelenkabnutzung indiziert.

Die Wärme wirkt bei Arthrosen muskelentspannend, durchblutungsfördernd und schmerzlindernd. Wärmeanwendung gibt es in Form warmer Auflagen, Wärmestau unter Wickel, heißen Moor- und Fango- oder Heublumenpackungen oder in Form von warmen Wasserbehandlungen, wie z.B. Arm- oder Fußbädern.

Elektrotherapie

Elektrotherapie ist wirksam bei akuten und chronischen Arthroseschmerzzuständen.

Besonders diadynamische Ströme und mittelfrequente Ströme haben sich als vorteilhaft erwiesen. Manche Stromformen (Galvanisation, Kurzwelle) bewirken neben der Schmerzlinderung auch eine Gewebeerwärmung und dienen dadurch der Entspannung des gelenkumgebenden Gewebes.

Operative Therapiemethoden

Arthroskopische Gelenkspülung und Knorpelglättung

Dieser arthroskopische Eingriff bringt kurzfristig Erfolgsraten von bis zu 80% und mittelfristig zufriedenstellende Ergebnisse von 50% bis zu 5 Jahren. Nachteil ist, dass weder ein Knorpelregenerat gebildet, noch die weitere Arthroseentwicklung nachhaltig beeinflusst wird.

Verfahren zur Knorpelneubildung

Es gab in der Vergangenheit schon viele Versuche, die Knorpelneubildung operativ anzuregen. Man hat es mit Bohrungen (Bridiebohrung) oder mit Mikrofrakturierung, die in dem Bereich des Defektes gesetzt wurden, versucht.

Durch die Eröffnung des subchondralen Knochens kommt es zu einer Öffnung von intraossären Blutgefäßen mit lokaler Bildung und Anlagerung eines Blutkoagels. Die darin enthaltenen mesenchymalen Stammzellen aus dem Knochenmark und Zellen aus der membrana synovialis sollen zu einem Faserknorpel differenzieren.

Biomechanische Testungen zeigten eine deutlich geringere Belastbarkeit des Knorpelersatzgewebes im Vergleich zum hyalinen Knorpel. Der gebildete Faserknorpel ist den mechanischen Anforderungen im Gelenkbereich längerfristig nicht gewachsen, so dass diese Versorgung nicht den gewünschen Langzeiteffekt brachte.

Zelltransplantation

Bei dieser modernen Methode wird intaktes Knorpelzellgewebe aus wenig belasteten Gelenkarealen gewonnen, daraus Chondrozyten isoliert und in der Zellkultur vermehrt. Diese Zellkultur wird dann auf den Knorpeldefekt in der Belastungszone aufgebracht und mit einem Knochenhautlappen abgedeckt. Durch diese Methode bildet sich ein belastbarer Ersatzknorpel, jedoch ist diese Behandlung nur kleinen Knorpeldefekten an bestimmten Gelenkarealen vorbehalten.

Knorpelknochentransplantation

Durch Knorpelknochentransplantation lassen sich recht gute Resultate erzielen.

Die Knorpelknochentransplantation ist nur für begrenzte Defekte mit intakter Umgebung einzusetzen, nicht bei großflächigen Knorpelverschleiß. Außerhalb der Hauptbelastungszone des Gelenkes wird ein Knorpelknochenzylinder entnommen und in den Knorpeldefekt eingebracht. Manchmal sind mehrere Stanzen notwendig, um den Knorpeldefekt auszufüllen.

Nachuntersuchungen haben bei dieser Methode in der transplantierten Zone einen hochwertigen belastbaren Knorpel gezeigt.

Operative Achskorrekturen

Bei angeborenen oder posttraumatischen Fehlstellungen sollte die operative Achskorrektur des Gelenkes durchgeführt werden, um dem Entstehen oder Voranschreiten der arthrotischen Deformierung entgegen zu wirken.

Die operative Achsumstellung ist im Einzelfall zu besprechen und zu entscheiden.

Achskorrekturen als gelenkerhaltende Operationen sind durch die Studienlage mit ansprechenden Langzeiteffekten gut belegt.

Prothetischer Gelenkersatz

Bei schwerster Gelenkdestruktion mit ständigem Schmerz, Bewegungseinschränkung und Verminderung von Mobilität und Lebensqualität ist, vor allem im Hüft- und Kniegelenk, die Indikation zum Einbau eines Kunstgelenkes gegeben. Die Kunstgelenkimplantation ist für den Arthrosepatienten ein segensreicher Eingriff.

Ein guter OP-Erfolg beseitigt dadurch den Arthroseschmerz sowie den entzündlichen Reizzustand und verbessert die Gelenkbeweglichkeit.

Der Operierte ist nach relativ kurzer Nachbehandlung in der Lage, schmerzfrei zu laufen und Treppen zu steigen, die Aktivitäten des täglichen Lebens zu verrichten und besser am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Lebensqualität insgesamt lässt sich durch diesen operativen Eingriff deutlich verbessern.

Gern helfen wir Ihnen mit unseren umfangreichen rehabilitativen Möglichkeiten, wenn Sie von Gelenkbeschwerden geplagt sind oder - im Sinne einer Nachbehandlung - wenn Sie ein Kunstgelenk implantiert bekamen.

Besondere Angebote in unserer Klinik

  • Wie bieten die Möglichkeit zur zeitgleichen Anreise des Partners als Begleitperson.
  • Nach Rücksprache mit unserem Aufnahmebüro (Telefon 05652 55 803) ist eine Anreise auch mit minderjährigen Kindern möglich.
  • In Einzelfällen bieten wir auch Infrarothyperthermiebehandlung 

Kontakt

Finden Sie hier allgemeine Informationen zu Arthrose-Erkrankungen.

Sie haben Fragen zur Thematik?

Schreiben Sie uns.

Chefärztin der Orthopädischen Abteilung
Dr. med. Petra Brückner

E-Mail
orthopaedie@reha-klinik.de




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