KLINIK HOHER MEIßNER

Schlaganfall - Selbsthilfegruppen

Informationen und Tipps zum Aufbau einer Selbsthilfegruppe

Ziele

Was tun, um einem zweiten Schlaganfall vorzubeugen, um Einschränkungen im Alltag möglichst gering zu halten, um trotz Behinderung möglichst beweglich zu sein? Wie ist die Pflege des Partners, des Familienangehörigen zu leisten, auch finanziell? Welche Belastungen muss eine Familie verkraften, welche Hilfen und Hilfsmittel gibt es? Was kann man tun, um den Zustand des Kranken zu verbessern?

Antworten auf diese und ähnliche Fragen von Betroffenen und Angehörigen sind nicht immer in erschöpfendem Maße zu erhalten, besonders nach dem Ende der Behandlung im Krankenhaus oder der Rehabilitationsklinik. Hier kann eine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe viele Antworten geben.

Die Ziele einer Schlaganfall-Selbsthilfegruppe können mannigfaltig sein. Im Mai 2000 gründete sich eine Gruppe im Werra-Meissner-Kreis. Sie formulierte folgende Ziele für und Wünsche:

  • Erwerb von Informationen über medizinische Grundlagen, das Pflegegesetz, das Schwerbehindertengesetz
  • Austausch über Probleme der Angehörigen, über Pflege und Hilfsmittel, über den Umgang mit Kostenträgern
  • Aufbau von Therapiegruppen (Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie)
  • Herauskommen aus der Isolation
  • Schaffen einer Lobby für Behinderte
  • Information der Gesellschaft über Probleme der Behinderten
  • Schaffen einer behindertengerechten Umwelt

Klönschnack

Die Gruppe trifft sich einmal im Monat. Nach einem Vortrag zu sozialmedizinischen, medizinischen oder auch anderen relevanten Themen findet ein Austausch über Probleme nach dem Schlaganfall statt. Dabei gibt es auch Raum für „Klönschnack“, einer gemütlichen Plauderei.

Therapiegruppen

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Organisation von Therapiegruppen. Diese umfassen Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie. Die Therapiegruppen können zum Beispiel wöchentlich stattfinden. Benötigt wird hierfür eine Verordnung für Rehabilitationssport/Funktionstraining vom Hausarzt. Diese Verordnung belastet das Budget des Hausarztes nicht. Die Gruppen sollen die Therapien des Einzelnen ergänzen und helfen, schon Erreichtes zu erhalten und zu verbessern.

Wie können Sie unsere Gruppen erreichen?

Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Werra-Meissner e.V.

Ansprechpartner
Wolfram Bismarck

Telefon 0 56 05.60 00

Chefarzt der neurologischen Abteilung
Dr. Carsten Schröter

Telefon 0 56 52.55 861
E-Mail klinik-hoher-meissner@t-online.de

Gründung einer eigenen Gruppe

Voraussetzung einer Selbsthilfegruppe ist, dass eine Gruppe von Betroffenen (Erkrankten und Angehörigen) die Inhalte und Ziele festlegt. Allerdings kann die Begleitung durch einen Arzt, Physio- oder Ergotherapeuten, Sozialarbeiter oder eine Pflegekraft sinnvoll sein. Hierdurch finden sich meist leichter Räume für die Treffen und Therapien. Auch Krankenkassen sind oft zur Unterstützung bereit.

12 Punkte, die eine Gründung erleichtern

1. Überlegen Sie, ob Sie wirklich eine Selbsthilfegruppe gründen wollen. Der Aufbau kostet viel Geduld und Zeit. Es muss Ihr eigener Entschluss sein!

2. Versuchen Sie Mitstreiter zu finden: fragen Sie im Bekanntenkreis. Oft kennen Ärzte und Sozialarbeiter Interessierte. Hängen Sie Zettel an erreichbaren Anschlagbrettern aus. Eine gute Möglichkeit, auf eine neu entstehende Gruppe oder ein erstes Treffen hinzuweisen ist die lokale Tageszeitung.

3. Klären Sie, in welchem Raum die Gruppen-Treffen stattfinden können. Privatwohnungen eignen sich weniger, Räumlichkeiten können von Kirchengemeinden, AWO, Paritätischen Wohlfahrtsverband, Krankenhäusern oder Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden.

4. Der Raum sollte leicht zu finden und zur gewünschten Zeit verfügbar sein. Der Zugang sollte behindertengerecht und die Einrichtung geeignet sein. Gibt es zeitliche Begrenzungen und hat der Raum eine Atmosphäre, in der man sich wohlfühlen kann?

5. Überlegen Sie die Ziele, die Sie mit der Schlaganfall - Selbsthilfegruppe erreichen wollen. Sprechen Sie mit Ihren Mitstreitern über Motive, Wünsche, Hoffnungen, aber auch Befürchtungen. Ziele können sein: Gegenseitige Hilfe, Informationen erhalten, Dienstleistungen organisieren (z. B. Therapiegruppen), aber auch Freizeitgestaltung.

6. Bei kleinen Gruppen (15 bis 20 Mitglieder) reichen in der Regel Gruppengespräche aus, um alles Notwendige zu klären. Bei größeren Gruppen benötigen Sie Versammlungsleiter. In größeren Gruppen ist darauf zu achten, dass jeder zu seinem Recht kommt und nicht an den Rand gedrängt wird. Sonst verliert er das Interesse an einer weiteren Mitarbeit.

7. Größere Selbsthilfegruppen sollten sich ein Vorstandsgremium wählen. Dies bereitet Entscheidungen vor, bespricht aber wegweisende Entscheidungen in der Gesamtgruppe. Die Amtszeit eines Vorstandsgremiums sollte von Anfang an begrenzt sein.

8. Bevor Sie mit dem Aufbau einer Gruppe beginnen, sollten Sie sich bei anderen Gruppen informieren, was machen sie, was gab es für Probleme beim Aufbau, welche Probleme im ersten Jahr?

9. Eine gute Möglichkeit auf die Gründung einer neuen Schlaganfall.Selbsthilfegruppe hinzuweisen, ist eine Auftaktveranstaltung. Ein ärztlicher Vortrag zum Thema Schlaganfall kann mehrere Menschen auf Ihre Gruppe aufmerksam machen.

10. Überlegen Sie, ob die Gruppe Geld benötigt. Hierfür könnte ein Gruppenbeitrag oder Spenden notwendig werden. Vielleicht finden Sie aber auch Institutionen, die gratis einen Raum stellen, Kopier- oder Telefonkosten übernehmen. Geld könnte benötigt werden für die Miete eines Gruppenraums, Kopier- und Druckkosten (Einladungen, Informationsmaterial, Mitgliederrundbriefe, Plakate etc.), Telefonkosten, Portokosten, Honorare für Referenten (meist nicht notwendig).

11. Spenden, Förderung oder allgemeine Unterstützung erhalten Sie eventuell von Öffentlichen Verwaltungen (z.B. Gesundheitsamt), Trägern der Wohlfahrtspflege, örtliche Unternehmen, der Bußgeldstelle beim Verwaltungsgericht, regionalen Sparkassen und Banken.

12. Um auf Veranstaltungen oder Aktionen hinzuweisen, benötigt man Öffentlichkeitsarbeit. Als Medien kommen in Frage: Lokale Zeitungen, Radio-Sender, Plakate, Aushänge, Informationsstände, beispielsweise bei Selbsthilfe-Tagen, Weihnachts- und Flohmärkten, Internet-Darstellungen, Informationsmaterial zum Auslegen (z.B. Faltblätter zum Auslegen in Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäusern).

Weitere Informationen

Informieren Sie sich über die Gründung einer Schlaganfall-Selbsthilfegruppe auch bei der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe.

Fragen zur Thematik beantworten wir auch gerne per E-Mail neurologie@reha-klinik.de

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